Ein käsiger Duft liegt in der Luft an der Hauptstrasse in Lenggenwil. Ein Traktor, der mit der Nummer 58 gekennzeichnet ist, fährt vor. Die Zuschauer Strassenrand lachen laut als sie den Umzugswagen der Hülsnerbuebe aus Dietschwil genauer betrachten. Der Traktor zieht ein überdimensionales rotes Caquelon mit Schweizer Kreuzen hinter sich. Es dampft. Darin bewegen sich zwei Menschen mit selbst gebastelten Käsestücken auf dem Kopf. Hinter dem Wagen spazieren weitere Mitglieder der Fasnachtsgruppe, die den Beruf des Käsers darstellen sollen, und tragen jeweils ein grosses Brett mit zwei Käsestücken auf der Schulter.

Lenggi, das Maskottchen der Lenggenwiler Fasnacht, hat sich dieses Jahr etwas ganz Grosses vorgenommen: Er hat vor und während der Fasnacht in Lenggenwil in die unterschiedlichsten Berufe hineingeschaut, um eben seinen Traumberuf zu finden. Natürlich ist doch das, das Motto der Fasnacht, die jedes Jahr von mehreren Tausend Menschen besucht wird – Traumberufe. Und ist der überdimensionale Clown in den letzten Wochen fündig geworden? Natürlich! Aber dazu später. 


Ein Umzug für Familien

Auf dem Boden liegen Millionen Konfetti-Schnipsel. Am Rand der Hauptstrasse, die durch Lenggenwil führt, knien unzählige Kinder und sammeln die Konfettis auf dem Boden auf. Sie füllen damit ihre Jackentaschen, ihre Hüte, die zu ihrem Kostüm gehören oder die Plastiksäcke, die sie extra dafür mitgebracht haben. Dann warten sie sichtlich ungeduldig auf die nächste Guggengruppe oder Umzugswagen, um jemanden damit zu bewerfen. Andere Kinder zupfen ihre Eltern am Ärmel, damit sie ihnen die gesammelten Sugus und Schoggis öffnen.

Severin Löhrer, Präsident der Lenggenwiler Fasnacht, ist mit den diesjährigen Veranstaltung und dem Umzug als Höhepunkt mehr als zufrieden. Um die 71 Guggengruppen und Umzugswägen zu sehen, reisten am Sonntagnachmittag 15 000 Menschen nach Lenggenwil. «Diese hohe Besucherzahl haben wir unter anderem unserem mittlerweile traditionellem schönen Lenggenwiler Fasnachts-Wetter zu verdanken», sagt Löhrer gegenüber hallowil.ch. Ausserdem sei den Zuschauern besonders dieses Jahr ein vielfältiger Umzug geboten worden. Auch das Motto Traumberufe sei gut angekommen.

«Was mich besonders gefreut hat», betont Löhrer, «ist, dass sich alle Teilnehmer an unsere Richtlinien gehalten haben.» Schliesslich seien diese für die Umzugsgruppen heuer erneuert worden. Die wichtigste Erneuerung war, dass der Parkplatz, auf dem die Umzugswagen jeweils parkiert sind, bis 18 Uhr geräumt sein mussten. Grund für diese verschärfte Richtlinie ist die Lärmemission. Gerade weil diese ein grosses Thema während der Lenggenwiler Fasnacht, die jedes Jahr drei Tage dauert. «Dieses Jahr ist es uns besonders gelungen, die Lärmemissionen in Grenzen zu halten», so Löhrer. Es habe alles geklappt. Ausserdem findet der Fasnachts-Präsident, dass die Teilnehmer am diesjährigen Umzug auf den Lärmpegel geachtet haben. «Darum bin ich froh, denn wir haben jedes Jahr viele Familien, die mit ihren Kindern kommen und dann muss der Lärm erträglich sein.» 

 
Video: Thomas Lemmenmeier

Lenggi hat seinen Traumberuf gefunden

Zurück zum Fasnachts-Motto und Lenggis Suche nach einem Traumjob. «Auf der Suche nach seinem Traumberuf ist er natürlich fündig geworden», sagt Präsident Löhrer. Astronaut, Pizzaiolo, Dachdecker, Käser, Feuerwehrmann – Lenggi hat in den letzten Wochen so einige Berufe näher kennengelernt. Auch während des Umzugs nahm der Clown beim Vorbeigehen den einen oder anderen Beruf unter die Lupe. Aber etwas steht jetzt schon fest: Er wird nächstes Jahr definitiv nicht als Aushängeschild der Lenggenwiler Fasnacht aufhören. «Denn sein Traumberuf war längst vor seiner Nase», führt Löhrer weiter aus, «er bleibt weiterhin das Lenggenwiler Maskottchen.» Das sei sein Traumberuf.