«Während wir über den Sonderkredit von 35 Mio. Franken für Wil West abstimmen, ist die Netzergänzung Nord noch in der Planung. Ende 2023 wird voraussichtlich über die weiterentwickelte Variante (ca. 60 Mio. Franken) abgestimmt. Wie auch diese getrennten Abstimmungen ausgehen, die beiden Projekte gehören untrennbar zusammen.

Die Kompensation der Fruchtfolgeflächen ist gemäss der kontroversen Diskussion der Fachleute bzw. Vertreter der Landwirtschaft nicht zufriedenstellend gelöst.

Die Netzergänzung Nord endet im Dorf Bronschhofen in einem Zick-Zack-Kurs ohne geplante Weiterführung Richtung Bettwiesen. Zudem sollte mit Armasuisse dringend über eine Koordination verhandelt werden, da ein Ausbau des AMP-Stützpunktes in der «Luft liegt».

Wil West ist ein Wirtschaftsprojekt mit politischen Interessen. Überzeugende nachhaltige Konzepte fehlen, immer die gleichen Schlagwörter. Weitere Baulandeinzonungen in den Partnergemeinden sind nicht abschliessend geregelt. Das Agglomerationsprogramm Wil sieht vor, dass bis 2040 der Anteil des Autoverkehrs auf 55 Prozent zu reduzieren sei (heute bei ca. 70 Prozent). Mit 60 Prozent Anteil des zusätzlichen Autoverkehr in Wil West ist die gepredigte Verkehrsberuhigung ein hoffnungsloses Wunschdenken!

Die Rahmenbedingungen haben sich verändert. Der aktuelle Fachkräftemangel steht im Widerspruch zu den 3000 neuen Arbeitsplätzen. Arbeitsmodelle werden zunehmend dezentraler (z.B. Homeoffice, Konzentration bedeutet Klumpenrisiko). Büroräumlichkeiten stehen in der Ostschweiz genügen bereit. Die aktuelle Diskussion um die Energieversorgung, das Bevölkerungswachstum sind weitere Unsicherheitsfaktoren.

Die Informationsveranstaltungen waren mehrheitlich Verkaufsveranstaltungen, mit wiederkehrenden, unvollständigen Informationen. Die Bevölkerung wurde nicht in die Diskussionen aufgenommen. Der Informationsstand in der lokalen Bevölkerung, speziell im überregionalen Teil des Kantons ist aus meiner Sicht ungenügend.

Wie die Finanzkraft des Kantons St.Gallen durch das Projekt gestärkt wird, ist nicht nachvollziehbar, da die neuen Unternehmen im Kanton Thurgau sind. Auch der Landverkauf ist nicht gesichert (Ertrag im besten Fall 3,8 Mio. Fr für 124'000 m2).

Unter den jetzigen Voraussetzungen kann ich WIL West nicht zustimmen.

Erwin Hungerbühler, Bronschhofen