«Die Hirten und Hirtenfamilien kamen physisch und psychisch an ihre Grenzen. Die Wolfspopulation wird im kommenden Jahr nochmals grösser und dementsprechend wird sich der Bedarf an Futter weiter erhöhen und der Konflikt wird unhaltbare Dimensionen annehmen für die direkt Betroffenen.

Der Alpsommer 2022 war für alle Älpler und Älplerinnen, wie auch für die Alpverantwortlichen, eine grosse Herausforderung. Die Regierung hat bis anhin keine Stellung bezogen, geschweige denn Massnahmen ergriffen. Aus diesem Grund haben sich am vergangenen Samstag, den 12. November 2022, alle Verantwortlichen und Vertreter der Alpwirtschaft des Tamina- und Calfeisentals in Valens getroffen. Teilgenommen haben auch Vertreter des Bauernverbandes, der Ortsgemeinden und des Kantonsrates.

Bei dieser Versammlung wurde klar, dass die vom Wolf betroffenen Alpen sehr viel durchmachen mussten. Alle Teilnehmer sind sich einig, dass sich die Situation auf den Alpsommer 2023 rapide verändern muss. Die Anwesenden haben deshalb umfassende Forderungen an den Kanton Sankt Gallen verfasst. Eine Aussage wurde dabei klar und deutlich untermauert: Man ist grundsätzlich nicht gegen den Wolf und fordert auch keine Ausrottung, sondern kämpft lediglich für den Schutz der Bergbevölkerung und für die Zukunft der Alpwirtschaft. Das ist ein zentrales Anliegen, denn die Alpwirtschaft als Kulturgut ist ein wesentliches Element unserer Kulturlandschaft. Die Alpwirtschaft schafft dezentrale und wichtige Arbeitsplätze, bewirtschaftet unsere Sömmerungsflächen und ist eine Grundvoraussetzung für die grossartige Biodiversität in höheren Lagen. 

Zudem liefert die Bewirtschaftung der Alpweiden, über die Veredelung von Gras und Kräutern, wertvolle Nahrungsmittel für uns Menschen. Nicht zu vergessen ist bei all den Diskussionen der Tourismus, welcher unsere einmalige Alpenwelt nutzt und geniesst. Dies alles gilt es zu schützen und zu erhalten, was durch die steigende Wolfspopulation aber immer schwieriger, bis fast unmöglich wird.

Das weitere Vorgehen ist bereits in Planung und die betroffenen Personen sind sehr gespannt, wie die Regierung des Kantons Sankt Gallen auf die verfassten Forderungen reagieren wird. Ohne klare Stellungnahme und Unterstützung wird es nicht weiter gehen!»

Lorena Ritter