Dani Wyler, der Leiter Kommunikation der FC Wil 1900 AG, gibt in seinem Leserbrief zu, dass der FC Wil Breitensport «organisatorisch nicht mit der Profiabteilung verbunden» ist. Unter fcwil.ch findet man die Website der FC Wil 1900 AG und unter fcwil1900.ch die Website des FC Wil 1900. Ein Vergleich der beiden Webseiten erlaubt einen Einblick in die unterschiedliche Organisationsstruktur und die unterschiedlichen Wertvorstellungen.

So ist für den FC Wil 1900 (gemäss fcwil1900.ch) der Kinder- und Juniorenfussball Breitensport. Unter der Rubrik «Vereinsphilosophie» steht: «Das Kind steht im Zentrum, das gleichermassen Ausgangs- und Zielpunkt aller Überlegungen ist.» Und weiter: «Jedes Kind ist begabt.» «Dabei sind die Begabungen von Kindern ebenso vielfältig und unterschiedlich wie die Kinder selbst.» Unter dem Stichwort «Vision» wird festgehalten: «»Jeder Anlass, den wir mit Kindern durchführen oder durchgeführt sehen, wollen wir an diesen drei L’s messen», nämlich «Lachen steht für Freude an der Bewegung oder am Erlebnis in der Gruppe. Lernen heisst sowohl psychisch, motorisch wie auch sozial Fortschritte machen. Leisten meint die Anstrengung an sich oder die persönliche Bewertung der eigenen Leistung.»

Demgegenüber wird auf der Website der FC Wil 1900 AG (fcwil.ch) für die 11-Jährigen (E-11) festgehalten: «Auf dieser Stufe geht es in erster Linie darum, für das Kind und dessen Umfeld herauszufinden, ob der «Spitzensportbetrieb» mit drei Trainingseinheiten plus Spiel das richtige Gefäss für das Kind ist.» Dann folgt ein Zitat von Claudio Calvi, dem Leiter FCO Stützpunkt Wil: «Nur ein Kind, welches gerne leistet und sich gerne mit anderen misst, wird im Leistungssport glücklich sein». Selbstverständlich ist, dass zur Leistung auch «Spass und Freude beim Fussballspielen» gehört und auf «positives Coaching» und «aus Fehlern lernen» grosser Wert gelegt wird.

Das sind zwei sehr interessante Angebote für Kinder und Jugendliche. Je nach Persönlichkeit, familiärem und sozialem Umfeld ist das eine oder andere Angebot passender. Im Laufe der Persönlichkeitsentwicklung kann mal das eine, mal das andere Angebot attraktiver sein und ein Wechsel vom Breiten- zum Spitzensport oder umgekehrt kann je nach Lebensphase und Wertvorstellungen empfehlenswert sein. Wichtig scheint mir, dass Jugendliche und deren Eltern im Gespräch mit Lehrpersonen oder Arbeitgebern fussballerische Aktivitäten möglichst gut in den Alltag integrieren, so dass die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen optimal gefördert wird.

Als Vater und langjähriger Kantilehrer weiss ich, dass das leichter gesagt als getan ist. In vielen Sportarten versuchen ambitionierte Trainer*innen begabte Kids auf ein höheres Leistungsniveau mit mehr Trainingseinheiten zu locken...dann fehlt allerdings Zeit und Musse für anderes. Und es gibt hier kein Rezept für einen guten Mix, sondern nur achtsames Eingehen auf die Freuden und Sorgen der Heranwachsenden und die Bereitschaft zu reagieren, wenn der Leistungsdruck in Sport oder Schule zu gross wird.

Zur besseren Orientierung für Jugendliche und Eltern wäre es meines Erachtens hilfreich, wenn der FC Wil Breitensport und der FC Wil Spitzensport (FC Wil AG) nicht das gleiche «Klubwappen auf der Brust» hätten, wie dies Dani Wyler als «selbstverständlich» erachtet. Auch für die politisch Handelnden und die Steuerzahler*innen wäre es gut, wenn sie wüssten, ob ihr Geld in den Breiten- oder Spitzensport fliesst (vgl. Kunstrasen- und Tribünenüberdachungsdebatte). Die FC Wil 1900 AG und den FC Wil 1900 nach Belieben zu vermischen ist eine Schlaumeierei der FC Wil AG.

Beat Steiger, Wil