«Der Zivilschutz hat in Zusammenarbeit mit dem lokalen Gewerbe diesbezüglich Grossartiges geleistet. Innert Wochenfrist wurde das stillgelegte Zentrum auf Vordermann gebracht und ausgehend von einer kurzfristig organisierten ersten Informationsveranstaltung wurde in wenigen Tagen aus der Kirchberger Bevölkerung heraus eine Freiwilligenhilfe aufgebaut. Der Hausdienst und die Abgabe von Kleidern, Spielzeugen oder IT-Geräten konnten so unbürokratisch organisiert werden. 

Das Zentrum ist von Anfang an verankert im Dorf und in der Gemeinde. Die Zahl von über 22'000 gespendeten Kleidungsstücken oder 2’500 Stunden geleisteter Freiwilligenarbeit ist beeindruckend. Die Bevölkerung der Gemeinde Kirchberg hat die Herausforderung angenommen, und sie hat sie mit Bravour gemeistert. Sogar schweizweit wurde über dieses einmalige Projekt berichtet.

An der Informationsveranstaltung vom 21. November der Gemeinde, des TISG (Trägerverein Integrationsprojekte St. Gallen) und der Freiwilligenhilfe Kirchberg informierte nun aber Gemeindepräsident Roman Habrik die Öffentlichkeit darüber, dass der Gemeinderat entschieden hätte, das Flüchtlingszentrum per Ende März 2023 zu schliessen. Als Begründung gibt er an, dass die Auslastung nur noch 50 Prozent betrage und durch die Aufnahme von unbegleiteten jugendlichen Flüchtlingen aus anderen Ländern und Resettlement-Flüchtlingen sei die Rosenau fast zu einem normalen Flüchtlingszentrum geworden sei. Ausserdem hätte die Gemeinde ihre Schuldigkeit getan. Nun sollten andere Gemeinden ihren Beitrag leisten.

Dies also die Überlegungen des Kirchberger Gemeinderats, ungeachtet der Tatsache, dass Europa momentan die grössten Flüchtlingsbewegungen seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt. Expertinnen erwarten aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine und dem einziehenden Winter eine Zunahme von Menschen auf der Flucht und damit eine weitere Verknappung des schweizweiten Angebotes an Unterkünften. Durch die vom Kirchberger Gemeinderat verlangte Schliessung steht dem Kanton St.Gallen nun auch die Rosenau nicht mehr zur Verfügung für die Unterbringung der vom Bund zugewiesenen Menschen.

Selbst ohne auf den moralischen Aspekts des Entscheids des Kirchberger Gemeinderats einzugehen zu müssen, kann man sich fragen: Wieso plötzlich diese Dringlichkeit? Was hat die politische Gemeinde zu verlieren, wenn TISG genügend Zeit für das Finden und Einrichten einer Alternative eingeräumt wird? Es bestehen aktuell keine zeitnahen Pläne für eine Um- oder Zwischennutzung der Rosenau. Zudem ist die politische Gemeinde weder Inhaberin noch Betreiberin der Liegenschaft. Es entstehen der Gemeinde also nicht einmal Kosten. Und vor allem: Sie hat dadurch auch keinerlei rechtliche Legitimation, die Schliessung des Zentrums zu verlangen.

Als Konsequenz wird also ab April 2023 ein Gebäude, in welchem mit viel Einsatz von Freiwilligen und dem Zivilschutz eine komplette Infrastruktur für Flüchtende erstellt wurde, leer stehen. Am Ende verlieren alle: Die Flüchtlinge verlieren ein temporäres Zuhause, die Helferinnen und Helfer der Freiwilligenhilfe Kirchberg werden durch den plötzlichen Entscheid vor den Kopf gestossen, Mitarbeitende der Rosenau werden sich eine neue Stelle suchen müssen und der Gemeinderat büsst an Glaubwürdigkeit ein.

Rechnen wir dem Gemeinderat hoch an, dass er sich dieses Frühjahr für den Aufbau eines solchen Flüchtlingszentrums eingesetzt hat. Ohne ersichtliche Not hat er nun aber einen Entscheid gefällt, welcher dieses Projekt, das eine riesige Solidaritätswelle in unserer Gemeinde ausgelöst hatte, mit einem Schlag beenden wird; mit fadenscheinigen Argumenten und wider jede Spur von Menschlichkeit.»

Stefan Diener, Präsident SP Alttoggenburg