Der über 800-jährige Hof zu Wil, Baudenkmal von nationaler Bedeutung, wird seit dem Jahr 1990 von der Stiftung Hof zu Wil etappenweise restauriert. Nach den zwei Umbauetappen mit den Schwerpunkten «Gastronomie» (1996 bis 1998) und «Bibliothek» (2007 bis 2010), die ebenfalls durch den Kanton sowie die Stadt Wil und den Bund mitfinanziert wurden, steht im Hof zu Wil nun die dritte Bauetappe an. Sie bildet den vorläufigen Abschluss dieses umfassenden Generationenprojekts. Der Stiftungszweck der Stiftung Hof zu Wil legt fest, dass das Baudenkmal der Öffentlichkeit für gesellschaftliche und kulturelle Begegnungen zur Verfügung zu stellen ist. Diesem Grundsatz wird auch in der geplanten dritten Bauetappe Rechnung getragen.

Die Schwerpunkte liegen auf den noch grösstenteils brachliegenden und stark sanierungsbedürftigen oberen Stockwerken, dem Dachstock sowie dem Haus Roter Gatter einschliesslich der darüberstehenden Dienerschaftskapelle mit Anschluss zum Hofgarten. Wichtig für die Anbindung an die Stadt wird zudem die Öffnung der Anlage über eine grosszügige Freitreppe in Richtung Marktgasse sein. Auch ist die Klärung des Eingangs- und Empfangsbereichs sowie die Gestaltung der Hofhalde bis hinunter zum Weier von Bedeutung, was künftig ein Durchqueren der Hofanlage erlaubt.

So setzt sich die Finanzierung zusammen

Mehrere Räume werden im Rahmen des «Hofmuseum» für museale Inhalte und deren Inszenierung eingerichtet. Weitere Räume stehen als Büros, für Sitzungen sowie für Empfänge, Anlässe und verschiedene Netzwerkveranstaltungen zur Verfügung. Um zeitgemässen Wohnraum geht es im Haus Roter Gatter. Die Dienerschaftskapelle wird zu einem multifunktionalen Raum mit sakralem Charakter für besondere Anlässe wie Hochzeiten, Lesungen oder Kammerorchesterkonzerte aufgewertet.

Die Stiftung Hof zu Wil rechnet mit einem Kostenrahmen des Renovations- und Innovationsprojekts von 25,45 Millionen Franken. Die Stiftung Hof zu Wil sowie die Stadt Wil sehen je einen Beitrag von 9,63 Millionen Franken vor. Die Regierung sieht einen Kantonsbeitrag von 5,4 Millionen Franken vor, der sich aus einem Beitrag von 4,5 Millionen Franken für denkmalpflegerisch relevante Massnahmen sowie von 0,9 Millionen Franken für die museale Inszenierung beziehungsweise kulturelle Nutzung des Hofs zu Wil zusammensetzt. Zudem wird mit 0,8 Millionen Franken an Bundesbeiträgen gerechnet.

Renovierung soll im Herbst 2024 abgeschlossen sein

Der Stadtrat Wil hat die Vorlage zur dritten Bauetappe Hof zu Wil im August 2020 zuhanden des Stadtparlamentes Wil verabschiedet. Eine Beschlussfassung wird im Frühjahr 2021 erwartet. Der Kantonsrat wird die Vorlage voraussichtlich in der April- und Junisession 2021 beraten. Die städtische Volksabstimmung in Wil ist für den September 2021 vorgesehen. Der Baustart ist im April 2022, die Fertigstellung für Herbst 2024 geplant. (pd/red)

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Darlehen statt Sponsoren-Gelder (4.9.20)

Die Schwerpunkte der geplanten Arbeiten am Wiler Wahrzeichen liegen auf den noch grösstenteils brachliegenden und stark sanierungsbedürftigen oberen Stockwerken, dem Dachstock, der Dienerschaftskapelle und dem Haus Roter Gatter. Ein «Hofmuseum» wird künftig ein zentraler Schwerpunkt im historischen Gebäude sein. Mit diesen Arbeiten wird auch das dritte Obergeschoss der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Kosten für diese dritte Bauetappe werden auf 25,45 Millionen Franken geschätzt. Der Kanton St.Gallen hat eine Beteiligung von 5,4 Millionen Franken in Aussicht gestellt. Der Entscheid wird durch den Kantonsrat gefällt. Für den städtischen Teil wurde im Vergleich mit den ersten beiden Sanierungsetappen ein anderes Finanzierungsmodell gewählt. Hatte die Stiftung Hof zu Wil damals Sponsoren-Gelder zu sammeln, so beantragt der Stadtrat dieses Mal, dass ein zinsloses Darlehen in der Höhe von 12,15 Millionen Franken gesprochen wird. Dieser Betrag hat die Stiftung mit ihren Gewinnen während 40 Jahren zurückzuzahlen. Dies soll helfen, dass nicht ein offenes Restdarlehen übrig bleibt wie nach der zweiten Bauetappe. Dieses beträgt rund 1,7 Millionen Franken. Zudem soll sich die Stadt mit einem Kredit in der Höhe von 9,63 Millionen Franken beteiligen. Wird dies so gutgeheissen, kann auch das Restdarlehen beglichen werden.

Umbau dauert rund eineinhalb Jahre

Ob es dazu kommt, entscheidet zuerst das Stadtparlament und dann das Volk. Die Urnenabstimmung ist für September 2021 geplant. Der Umbau soll zwischen Frühjahr 2022 und Herbst 2023 dauern und somit rund eineinhalb Jahre dauern. Somit könnten Weihnachten 2021 und Weihnachten 2023 mit einem Hof ohne Baustelle stattfinden.