Eine Licht-Anlage, drei Interessen-Gruppen, ein Knatsch. So könnte man salopp zusammenfassen, was im Fussballstadion Bergholz vor sich geht – und das seit mittlerweile sieben Jahren. Was ist geschehen? Seit dem Stadionumbau in den Jahren 2012 und 2013 erbringt die Lichtanlage weniger Leistung als zuvor. Sie schafft nicht einmal die von der Swiss Football League geforderten 500 Lux, um TV-Spiele in guter Qualität übertragen zu können. Pikantes Detail: Es steht noch immer die gleiche Anlage, welche schon vor dem Stadionumbau im Einsatz war. Aber sie bringt nun weniger Leistung. Ein Konstruktions-Fehler beim Wiederaufstellen der Masten?

Zweites Problem: Die Licht-Anlage ist so gebaut, dass auch die umliegenden Häuser beleuchtet werden. Darum haben sich Anwohner zur Wehr gesetzt, Stichwort Lichtverschmutzung. Nach einem Weiterzug hat schliesslich das Baudepartement des Kantons St. Gallen entschieden, dass die Anlage nicht den heutigen Normen und Erfordernissen entspricht.

Forderung: Am Wochenende ab 19.30 Uhr dunkel

Den entsprechenden Rekurs hatte Stadtparlamentarier Urs Etter eingereicht, der im Bergholz-Quartier wohnt. Und ihm platzt nun der Kragen. «Auch sieben Jahre nach der Stadion-Eröffnung ist das Thema Licht noch immer nicht gelöst. Nachdem die Stadt mit meinem Rekurs die gelbe Karte gezeigt bekommen hatte, gibt es nun die rote Karte.» Was Etter damit andeutet: Er hat vor, eine zivilrechtliche Klage gegen die Stadt Wil einzureichen. Inhaltlich geht es darum, dass das Licht am Freitag- und am Samstagabend nur noch bis maximal 19.30 Uhr brennen darf. «Damit sollen die Anwohner wenigstens am Wochenende etwas vom Licht entlastet werden», sagt Etter zu hallowil.ch.

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Stadtparlamentarier und Bergholz-Anwohner Urs Etter will die Stadt Wil verklagen. (Bild: pd)

Das wiederum macht die Verantwortlichen des FC Wil nervös. Drei der letzten vier Heimspiele dieser Saison trägt das Challenge-League-Team am Freitag- oder Samstagabend mit Spielbeginn um 20.30 Uhr aus. Verschiebungen sind nicht möglich, da die Fernseh-Partner der Swiss Football League bei der Spielansetzung mitbestimmen und die Anspielzeiten vorgeben. Bleibt es dunkel im Bergholz und drohen gar Forfait-Niederlagen? Nein. Erstens ist die Klage Etters noch nicht eingereicht und dementsprechend nicht rechtskräftig. Zweitens sieht die Klage eine Ausnahme vor: Spiele der ersten Mannschaft des FC Wil. Sie dürften am Freitag- und Samstagabend nach 19.30 Uhr stattfinden. Urs Etter geht es nicht per se um die Challenge-League-Fussballer. Sondern darum, dass «endlich etwas vorwärtsgeht beim Thema Licht».

Womöglich künftig mit 12 statt 4 Masten

Nach dem Entscheid des St. Galler Baudepartements, welches von der Stadt Wil akzeptiert wurde, laufen nun die Planungen für eine neue Licht-Anlage. Zwei Varianten stehen im Vordergrund. Entweder kann die bestehende Anlage mit den vier Scheinwerfern so eingestellt werden, dass die Lichtverschmutzung reduziert und die Helligkeit auf dem Feld erhöht wird. Oder aber die Anlage wird neu gebaut und man orientiert sich am Beispiel SC Kriens, der ebenfalls in der Challenge League spielt – in einem noch neueren Stadion als die Wiler. In ihrem Stadion Kleinfeld stehen zwölf kleinere Masten. «Der Auftrag an einen Lichtplaner ist vergeben. Wir sind dran», sagt der zuständige Stadtrat Daniel Stutz.

Wann das Lichtproblem gelöst sein wird, kann er aber noch nicht sagen. Auf alle Fälle wird das Projekt noch vom Stadtparlament beraten werden müssen. Auch Einsprachen sind danach möglich. Womöglich wird die Licht-Thematik mit dem Projekt «Überdachung Gegentribüne» zu einem Projekt verschmolzen. Letztes hätte schon dieses Frühjahr ins Stadtparlament kommen sollen. Und was sagt Stutz zur drohenden Klage von Urs Etter? «Wir stellen uns auf ein längeres rechtliches Verfahren ein. Bis dieses entschieden ist, steht hoffentlich die neue Licht-Anlage und das Thema hat sich erledigt.»