Gemeindepräsident Lucas Keel begrüsst die unternehmerische Initiative hinter dem Projekt Birkenhof. Im Jahresend-Interview mit hallowil.ch zeigt er auch den Planungsstand weiterer Projekte auf und betont die Bedeutung des guten Zusammenwirkens von Behörden und Bevölkerung.

hallowil.ch: Herr Keel, Sie sind ein sportlicher Mensch. Wie viel hat Ihr Büro im fünften Stock des neuen Gemeindehauses zu Ihrer Fitness beigetragen?

Wenn man zügig läuft, ist man in 65 Sekunden von der Eingangstür in meinem Büro. Vor einem Jahr hatte ich etwa zehn Sekunden länger.

hallowil.ch: Und wie haben sich die besseren Arbeitsbedingungen im neuen Haus auf Ihr persönliches und politisches Wohlbefinden als Gemeindepräsident ausgewirkt?

Das Wohlbefinden eines Gemeindepräsidenten hängt vor allem von guten Kontakten ab. Das neue Gemeindehaus bietet für viele Gesprächssituationen eine gute Infrastruktur. Und zwar für Bürgerschaft und Mitarbeitende.

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Das neue Uzwiler Gemeindehaus – im Bild der beeindruckende Lichthof – schafft gute Rahmenbedingungen für effiziente Verwaltungs- und Behördenarbeit.

hallowil.ch: Aus dem fünften Stock können Sie einen beachtlichen Teil von Uzwil überschauen. Im Besonderen auch das Benninger-Areal, wo die Visiere für einen wichtigen Zentrumsbau stehen. Was passiert hier genau und wie passt es in die von Ihnen angestrebte Aufwertung des Zentrums?

Das Benninger-Areal liegt zentral, nahe am Bahnhof, ist flach, gut besonnt, rundum attraktiv. Es ist ein wirtschaftliches Schwerpunktgebiet des Kantons und auch deshalb wichtig für die Gemeinde. Die Visualisierung der Pläne am Areal zeigt einen Ausschnitt des Baufelds 1 von insgesamt 4 Baufeldern. Detailhandelsflächen, Restaurant und rund 60 Wohnungen entstehen in der ersten Etappe, einschliesslich einer Tiefgarage mit rund 300 Plätzen. Zusammen mit dem Betriebs- und Gestaltungskonzept der Bahnhofstrasse wird Uzwil einen Schritt vorwärts machen.

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Mit der Realisierung des Grossprojekts Birkenhof gegenüber dem neuen Gemeindehaus kommt Uzwils Zentrumsplanung einen grossen Schritt voran.

hallowil.ch: Stichwort Zentrum: Was ist zu tun, damit Uzwil nicht zu sehr in den Schatten des Regionalzentrums Wil mit dem Entwicklungsschwerpunkt Wil-West gerät?

Ein starkes Regionalzentrum Wil ist auch gut für Uzwil. Ich habe gern starke Nachbarn. Das hält, um an die erste Frage anzuknüpfen, fit. Solche Entwicklungsschwerpunkte wie Wil-West brauchen einen langen Vorlauf. Wir werden zusammen mit Oberbüren und Oberuzwil dafür sorgen, dass im kantonalen Richtplan die Weichen richtig gestellt werden, damit wir rechtzeitig parat sind, wenn Wil-West läuft. Vorderhand muss die regionale Energie dort konzentriert werden. Unsere Region kann nicht mehrere solche Grossprojekte stemmen.

hallowil.ch: Zurück zu Uzwil mit seinen sieben Dörfern. Aus welchem erhalten Sie im Verhältnis zur Einwohnerzahl am meisten Begehren und welches ist politisch das Unproblematischste?

Meist geht es um den Verkehr. Oft sind die Ansprüche aber so gegensätzlich, dass sie sich nicht abschliessend lösen lassen. Die Aufhebung des Bahnhofs Henau-Algetshausen hallt nach. Teilweise auch zu Recht, weil die Ersatzbus-Lösung auch im neuen Fahrplan nicht überzeugt. Allerdings sind da auch Realitäten zu beachten. Der öffentliche Verkehr ist ein Massentransport-Mittel und orientiert sich an Mehrheiten. Der Gemeinderat hält den Bahnhof Henau-Algetshausen bei der Regierung penetrant «in Erinnerung», weil er viel Entwicklungspotenzial generieren kann. Unproblematisch? Wir sind ja nicht aus Zucker, sondern dazu da, Probleme zu lösen. Und wenn das nicht sofort geht, die Probleme mit zu beachten, wenn Gelegenheit dazu ist.

hallowil.ch: Mit Blick aufs kommende Jahr oder die kommenden Jahre: Wie sieht Ihre Prognose für die Sanierung der Augarten-Kreuzung und der Autobahnanschlüsse aus?

Im Frühjahr wird die Rumpelpiste grob geflickt. Das hat mir der Strassenkreisinspektor zugesagt. Und im März sollte auch das Projekt soweit gediehen sein, dass der Gemeinderat abschliessend Stellung nehmen kann. Offenbar macht die Entwässerung noch etwas Probleme.

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Vorankommen will man im kommenden Jahr auch mit dem Sanierungsprojekt Augarten-Kreuzung/Autobahnanschlüsse.

hallowil.ch: In welchem Stadium befinden sich die Planungen für weitere Grossprojekte: ARA-Zusammenschluss der Gemeinden Wil, Zuzwil, Jonschwil, Oberuzwil und Uzwil, Überbauung Wieseon, Fernwärme?

Beim regionalen ARA-Projekt wird vom Groben zum Detail gearbeitet. Bald werden die Ingenieur- und Fachplaner-Arbeiten ausgeschrieben. Es gibt noch so viele wichtige Fragen zu bearbeiten, bevor man überhaupt eine aussagekräftige Auslegeordnung machen kann. Die Überbauung Wieseon, neu Hirzenpark genannt, steht kurz vor der Baubewilligung. Das Fernwärme-Projekt haben wir trotz bester Voraussetzungen abgebrochen. Selbst wenn die Abwärme zum Nulltarif eingesetzt wurde und die Gemeinde das Projekt auch noch subventioniert hätte, wäre es nicht wirtschaftlich geworden. Schade.

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Bis auch die Abwässer von Wil, Jonschwil und Zuzwil der ARA Uzwil zugeleitet werden, wird noch viel Abwasser durch die ARA fliessen.

hallowil.ch: In einem guten Jahr wird der Kantonsrat neu gewählt. Werden Sie versuchen, Uzwil in diesem Gremium zu vertreten?

Uzwil ist die fünftgrösste Gemeinde im Kanton. Wir sind im Kantonsrat zahlenmässig sicher nicht übervertreten und dort werden teils schon wichtige Weichen gestellt. Das spricht für eine Kandidatur und ich überlege mir das tatsächlich. Meine volle Agenda spricht allerdings eher dagegen. Und ich habe fünf Jahre in der Staatskanzlei für den Kantonsrat Protokoll geführt. Deshalb weiss ich, dass es über lange Strecken spannendere Dinge gibt.

hallowil.ch: Beantworten Sie bitte abschliessend die Frage, die Ihnen wichtig, aber leider nicht gestellt worden ist.

Eine Frage, die mich beschäftigt ist: Wie können Menschen neu motiviert werden, sich gesamtheitlich für ihren Lebensraum zu interessieren, nicht nur projektartig oder aus Einzelinteresse? Das Projekt «Jugend-Gemeinderat» ist gut angelaufen. Ich hoffe, das kommt stabil zum Fliegen. Das wäre ein Lichtblick. In einer Gemeinde kommt alles vor, was das Leben zu bieten hat. Das müsste doch mehr Menschen interessieren. Oder läuft alles so rund?

Ein Mitarbeiter, der vor knapp zwei Jahren in den Ruhestand ging, meinte kürzlich zu mir: «Wenn man in der Organisation drinsteckt und am Thema intensiv arbeitet, ist fast alles logisch und sinnhaft. Hat man diese Detail-Infos nicht mehr, fragt man sich teilweise schon, was «die da oben» nur studiert haben.» Solche Gespräche sind immer wieder Ansporn, gut zu kommunizieren.