Im Anschluss an die Bürgerversammlung sind drei Menschen in den Mittelpunkt gestellt und ihre Verdienste um Uzwil gewürdigt worden. Klaus Sohmer hat sich in seiner sechszehnjährigen Tätigkeit als Archivar des Vereins für Kulturgut grosse Verdienste erworben. Marco Bruggmann und Mark Besselaar haben sich mit Uzwils Zukunft befasst und eine städtebauliche Vision erarbeitet. Gemeindepräsident Lucas Keel, der Uzwils Chancen nutzen und die Gemeinde voranbringen will, stand der Studiengruppe als wichtige Bezugsperson zur Seite.
Die Weiterentwicklung der Gemeinde, ein kontinuierlicher Prozess, verlangt laufend Entscheide. Diese Entscheide sind im Idealfall auf ein längerfristig angestrebtes Ziel ausgerichtet. Dazu braucht es ein räumliches Konzept.

Der Gemeinderat Uzwil unter der Leitung von Gemeindepräsident Lucas Keel befasst sich intensiv mit der zukünftigen Gestaltung der Gemeinde. Besonders die Aufwertung des Zentrums – oder vielleicht eher die Schaffung eines neuen Zentrums – verlangt Offenheit für neue Ideen. Fantasie und Kreativität sind gefordert.

Internationale Aussensicht
In dieser Situation ist Marco Bruggmann bei Lucas Keel auf offene Ohren gestossen. Der Uzwiler ETH-Student hat angeboten, ein räumliches Konzept für Uzwils Zukunft auszuarbeiten. Zusammen mit einer international zusammengesetzten Studentengruppe war er während zwei Wochen im Feuerwehrdepot an der Arbeit. Das Projektteam hat Schlüsselpersonen kontaktiert und ist von Mark Besselaar, dem in Uzwil ansässigen ehemaligen St. Galler Stadtplaner, begleitet worden.

Auf Bühler-Goodwill angewiesen
Die Frage, ob Uzwil ein Dorf oder eine Stadt sei, lässt das Projektteam offen. Eigentlich müsse das ganze Siedlungsgebiet in die Betrachtung einbezogen werden, und dazu gehörten neben Uzwil auch Oberuzwil und Oberbüren. Es gehe um die Einbettung des Ballungsgebietes in die Landschaft.

Dass Uzwil durch die Industrie gross geworden sei, lasse sich noch heute an der Struktur und der Form der Gebäude ablesen. Die Industrieanlagen der Firma Bühler bildeten das Herz des Siedlungsgebietes. Darin, und im privaten Besitz der Bühler Villen, hat das Projektteam aber auch ein Problem ausgemacht. Das Betreten dieser Areale sei nur beschränkt möglich, und zum Einbezug in Projekte wäre die Zustimmung der Besitzer nötig.

Uzwil ist eine grüne Gemeinde
Trotz Industrie sei Uzwil eine sehr grüne Gemeinde. Die Studenten begründen dies mit den in Gehdistanz liegenden Naherholungsgebieten wie dem Kobelwald, dem Vogelsberg und der Thurau. Ein Grüngürtel zieht sich aber auch durch das Gemeindegebiet. Viele Grünflächen und grosszügige Gartenanlagen finden sich rund um das Bühler-Areal. Der innere Grüngürtel wirke aber wegen dem Strassennetz und den gemischten Besitzesverhältnissen nicht verbindend, sondern als trennender Zwischenraum.

Fussgängerweg der Zukunft
In einem konkreten Vorschlag, einem Fussgängerweg vom Bahnhof zum Seniorenzentrum Sonnmatt, hat das Projektteam gewisse heutige Gegebenheiten bewusst ausser Acht gelassen. Das visionäre Projekt verfolgt als eines der Ziele, Alt und Jung zusammenzubringen. Der Weg führt an den Schulanlagen Schöntal- und Kirchstrasse vorbei, überquert die Bahnhofstrasse auf einer Passerelle und führt an einem auf dem Fussballplatz an der Flawilerstrasse angelegten Weiher vorbei zum Seniorenzentrum Sonnmatt. Als besondere Attraktion sieht der Weg einen Aussichtsturm vor.

(Un-)Möglich?
Fest steht: Die in gutem Glauben als Zentrum Uzwils errichtete Überbauung nördlich des Bahnhofs erfüllt diese Funktion nicht. Im Innenhof gibt es zwar noch die Gemeindebibliothek und die Freizeitwerkstatt, aber keinen einzigen Geschäftsladen.

Wie aber soll die Bahnhofstrasse zu einem Zentrum aufgewertet werden? Sie ist eine Kantonsstrasse und als Zubringerstrasse zum Bahnhof von zentraler Bedeutung. Sie lässt sich kaum zur gepflästerten Fussgängerzone umfunktionieren.

Wer das Problem einer Zukunftsgestaltung so angeht, kommt nicht weit. Nötig ist eine totale Offenheit. Eine erfolgversprechende Methode dazu wird mit dem englischen Wort Brainstorming bezeichnet (Das Gehirn zum Sturm auf ein Problem verwenden). Dabei werden alle Ideen gesammelt, wobei Kommentare, Kritik oder gar Ablehnung verboten sind. Erst in einer zweiten Phase werden die Ideen sortiert und bewertet.

Die Studentengruppe ist bei ihrer Erarbeitung einer städtebaulichen Vision für Uzwil so vorgegangen. Sie hat bemerkenswerte Erkenntnisse gewonnen und beeindruckende Vorschläge gemacht.

Natürlich müssen sich die Resultate nun an der Realisierbarkeit im direktdemokratischen Prozess messen lassen. Es bleibt aber zu hoffen, dass nicht sogleich «Totschlagargumente» ins Feld geführt werden.

Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden. Jeremias Gotthelf hat sich nicht vorstellen können, dass die Kühe nicht mehr von Ueli, sondern von einem Melkroboter gemolken werden. Und Firmengründer Adolf Bühler hat mit Sicherheit noch nicht von einem Campus auf seinem grossen Fabrikgelände geträumt, in welchem Innovationen für ein weltweit tätiges Unternehmen ausgeheckt werden.

Es ist vieles möglich, aber es braucht Menschen, die es überzeugt und überzeugend anstreben.
Josef Bischof