Ein Oratorium, drei Akte, drei Stunden Musik und 30 Jahre Cantores Corde: Mit diesem Steckbrief laden die SängerInnen und MusikerInnen ein zu einer Geschichte von Macht, Missgunst und Liebe, die Georg Friedrich Händel 1738/39 aufs Notenpapier gebannt hat. Am Anfang ist alles in Ordnung: David, Sieger über die Philister, wird frenetisch bejubelt, Saul freut sich mit ihm, doch alsbald wächst in ihm die Eifersucht. Saul unternimmt einen Mordversuch, schickt ihn erneut in den Krieg (in der Hoffnung, er werde dort getötet), beauftragt seinen Sohn mit dem Freundesmord. All dies kann David nichts anhaben, er siegt und siegt, wo er auch hinkommt und auch in der Liebe. Saul dagegen verliert zusehends die Fassung und ordert zuletzt obskure mystische Unterstützung bei einer Hexe. Letztlich siegt das Schöne und Gute, die Liebe eben.

Ein wahrhaft spannender Krimi, den Cantores Corde in diesem Jahr, in diesem verrückten Jahr nach einem noch verrückteren 2020, zur Aufführung bringen: Eine Geschichte also über die etwas andere «Corona». Rauschende Chöre, heldenhafte Arien, berückende Seufzer, unterhaltsame Rezitative und instrumentale Exzesse machen Saul zu einem Ereignis erster Güte. Anders als in den gleichzeitig entstandenen Opern bewegt er sich wieder stärker in chorischen Dimensionen.

Alle Akte in Wil

Damit die Dinge dieses dreistündigen Werks nicht aus den Fugen geraten, servieren Cantores Corde ihr Jubiläumsprogramm aufgeteilt auf zwei Tage zur homöopathischen, musikalischen Verdauung in der Hoffnung auf möglichst zahlreiche Doppelkonzertbesucherinnen und -besucher. Mit diesen Aufführungen an zwei Wochenenden im Oktober – am 16. in Romanshorn (1. Akt), am 17. in Weinfelden (2. und 3. Akt) sowie am 23. (1. Akt) und 24. (2. und 3. Akt) in Wil – verabschieden sich Chor und Orchester Cantores Corde. Nach drei Dekaden wird die einzigartige Geschichte der «Sänger mit Herz» abgeschlossen und der Verein auf Ende des Jahres aufgelöst.