«Kein Mangel, das wär’ schön», sagte Ulrich Müller-Knapp, CEO/Chefarzt der Klinik Sonnenhof, bei der Eröffnung der Fachtagung und gab sich mit Blick auf die Realität überzeugt: «Wir können Krise!» Ebenso kündigte er eine Neuerung an: In der Führung der Klinik wird es ab nächstem Jahr zu einer Rochade kommen. Da Müller-Knapp von einer Krankheit ausgebremst worden ist, übernimmt sein Stellvertreter Ender Seba die Leitung der Klinik und Müller-Knapp wechselt ins zweite Glied.

Keine chronisch Kranken 

Nach der Begrüssung legte Ender Seba die Problematiken in der überlasteten Kinder- und Jugendpsychiatrie dar. Er bezeichnete den Anstieg an Patientenzahlen mit dem gleichzeitigen Mangel an Fachpersonen als «Teufelskreis». «Die Kinder und Jugendlichen sind die Leidtragenden dieser Situation. Wir wollen keine chronisch kranken Erwachsenen produzieren, wir müssen jetzt helfen können», formulierte es Seba und präsentierte mit der stationären Krisenintervention (SKI) ein erfolgreiches Konzept der Klinik. Krisenexpertin Angela Drittenbass Tölle stellte in der Folge die Arbeit auf der Station vor. Anhand des Beispiels einer selbstmordgefährdeten Jugendlichen erläuterte sie, wie es zu einer Krisenintervention kommt und was dabei abläuft.

Anschliessend hielt Katja Hornung, Rektorin am Bildungszentrum Gesundheit und Soziales des Kantons Glarus, einen Vortrag über innovative Pflegeausbildungen. Dabei ging sie auf die Frage ein, ob neue Rollen für die Pflege eine Chance für das Gesundheitswesen sein können.

Mangel und Entbehrung 

Paulus Hochgatterer, Chefarzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Universitätsklinikum Tulln, referierte darauf hin zum Thema «Grenzen der Kompensation». Seine Abhandlung betrachtete Mangel und Entbehrungen aus philosophischer und anthropologischer Sicht.

Es folgten Ausführungen von Wirtschaftswissenschaftler und Verhaltenstherapeut Dietmar Böhmer. Er appellierte in seinem Referat «Quantum of Solace – Umgang mit der Mangelsituation», den Blick nicht auf den Mangel zu legen, sondern auf die Dinge, die gut laufen.

Der Wortakrobat und Kabarettist Kilian Ziegler sorgte mit pointierten Einlagen immer wieder für Auflockerungen im reich befrachteten Programm des Kongresses, der in einer Fragestunde sein Ende fand. Vieles dürfte bei den 150 Besucherinnen und Besuchern nachklingen – auch die Gewissheit: Es gibt Wege aus dem Mangel.