Schauplatz Stadtfest Wil: Für einmal war ich nicht als Stadtfestgeniesser, sondern als Mitchrampfer in einem Verein, um die Gäste kulinarisch zu verwöhnen. Da schlugen zwei Herzen in meiner Brust. Eigentlich möchte man nicht einfach Wegwerfgeschirr, sondern Materialen verwenden, welche umweltfreundlich sind. Doch der Kostendruck und das Handling vor Ort - und möglichst ohne gefährliches Glas - liess keine andere Wahl. Um überhaupt einen kleinen Gewinn zu generieren, musste man sich nach der Decke strecken und sich gegen die Natur entscheiden. Was mich aber schockierte, war, wieviel Unrat vor allem die Festbesucher der späten Abendstunden einfach liegen und stehen liessen. Speziell war auch, wie unflätig, unständig und unmöglich viele Gäste mit Lebensmitteln umgehen und beweisen, dass es uns noch viel zu gut geht. Zahlen müssen den Putz die Stadt – und an solchen Festen die Vereine mit den Standplatzgebühren.

Schauplatz Bierbrauerei: Beeindruckt und überwältigt von den Abläufen und der Logistik bei der Besichtigung einer grösseren Brauerei zeigten sich die Mitglieder des Jahrgängervereins 1951-55 aus Wil. Vor allem in der Produktion herrschen sehr hohe Anforderungen an die Hygiene und das Umweltbewusstsein. Schon problematischer wird es bei der Wahl von Gebinden, mit welchen der Gerstensaft zum Endverbraucher gelangt. Da haben die Bierproduzenten wenig eigenen Spielraum. Denn das edle Gebräu muss so geliefert werden, wie es die Grossverteiler und die Konsumenten gerne haben möchten. Nicht in umweltfreundlichen Gebinden, sondern in Einwegflaschen und Büchsen. Auch hier steht wieder der Endverbraucher am Ende der Kette und lässt Becher, Flaschen und Büchsen liegen, egal wieviel Kosten und Unrat er verursacht. Da schliesst sich mein Kreis zur Oberen Bahnhofstrasse in Wil. Vielleicht müsste man alle Gebinde mit einem Depot belasten – und zwar so hoch, dass es echt weh tut. Ich fürchte aber, dass nicht einmal dies helfen würde.

Schauplatz Wanderung: Um den Körper wieder zu regenerieren und neue Kräfte zu tanken, ging es diese Woche auf einen knappen Fünfstünder in die Glarner Alpen. Verpflegung und Getränke aus dem Rucksack und als Begleiter Sonne und angenehme Temperaturen. Endlich ein Ort, wo sich die Menschen der Natur verbunden und wohl auch verpflichtet fühlen. Selbstverständlich, dass man alle Abfälle im Rucksack mitnimmt und zuhause entsprechend entsorgt. Würde man meinen. Plastikschalen, Aludosen, Papier-Nastücher, Plastikbeutel, PET-Flaschen und dergleichen werden stinkfaul der Natur überlassen. Mich wundert auch, dass es Raucher gibt, dich noch so viel Pfus haben, 800 Höhenmeter zu erklimmen, um dann die leeren Päckli und Zigifilter beim Gipfelkreuz zu entsorgen.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.

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hallowil.ch-Kolumnist Mäni Rüegg wandert manchmal unfreiwillig auch auf Abfallhalden.