Die Stadt Wil ist nicht Spitzenreiter für innovative und mutige Visionen. Entweder ist es deshalb, weil es für die Äbtestadt direkt (noch) zu wenig bringt oder weil Einsprecher mögliche Innovationen fast mutwillig abwürgen oder unnötig verzögern. Da kann man durchaus auch nachvollziehen, dass den Verantwortlichen in den Wiler Ratsstuben die Lust fehlt, sich allzu weit aus den Fenstern zu lehnen, um sich für Peanuts prügeln zu lassen. Ein dreifaches Hoch auf die so gelobte Schweizer Demokratie. Problematisch und hemmend wird es aber, wenn man sich ins eigene Knie schiesst.

Endlich kommuniziert die Stadt Wil etwas über die Kommunikation. Denn in diesen Belangen war Wil in den vergangenen fünf Jahren eher unterdurchschnittlich vorbildlich und kommunikativ. Nun macht sie einen gewaltigen Schritt nach vorne und setzt voll auf die digitale Zukunft über Internet, Soziale (Nomen est omen) Medien und alle neuen Kommunikationskanäle. Mitteilungen, Informationen, News und Gebote werden neu über diese Kanäle und nicht mehr in den Print-Medien publiziert.

Es sei der Zeitgeist, dem man folgen möchte. Und man setze auf die digitale Infozukunft. Das heisst also, auf Kurzfutter auf Social Media, Stadtinfos über Internet auf dem Computer, dem iPhone und Tablett. Leider ist diese zwischenmenschlich herzlose Zukunft nicht mehr aufzuhalten. Der Bürger wird bevormundet, sich umgehend digital anzupassen, sei es bei der SBB, auf den Banken, den Versicherungen, sogar im ehrenamtlichen Vereinswesen – und nun auch als steuerzahlende Bürger/innen.

Hat man jene Bürger vergessen, welche sich mit diesen neuen Medien nicht mehr so gut auskennen? Das sind nicht wenige und oft jene, welche durchaus noch viel zur intakten und sozialen Gemeinschaft beitragen. Sie alle werden nun im Eilzugstempo in die digitale Zukunft katapultiert, egal wie gut sie diese beherrschen.

Dass uns diese Zeit schneller als uns lieb ist rundum beherrscht, ist eine Tatsache. Es gibt aber berechtigte Zweifel, ob gerade die Social-Media-Genration all die News aus dem Rathaus in digitaler Form vermehrt verfolgen wird, Zeitgeist hin oder her. Mit den Kurzfutter-Infos kann mehr manipuliert werden, als wir zu beurteilen in der Lage sind. Der Schnellschuss ist wohl ein Schuss weit vor den Rathaus-Bug.

Ich denke, dass die Stadt gut beraten wäre, wenn man als Übergang alle Plattformen, also die Social Media-Plattformen, digitale Anbieter und die Printausgaben berücksichtigen würde.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.