Die Gurken nicht zu krumm. Die Banane mit der genormten Krümmung. Die Äpfel alle mit den gleich roten Backen. Kartoffeln makellos glatt wie ein Kinderfüdli. Und die Salatköpfe genormt wie Einheitsfrisuren ab der Stange. «Food Waste» nennt sich neudeutsch ein Phänomen, das mit dem Begriff «Verschwendung» treffend umschrieben ist. Denn ein Drittel aller Lebensmittel in der Schweiz landet jedes Jahr im Abfall statt auf dem Teller. Dies nur, weil es nicht den vorgegeben Normen entspricht oder mit kleinen Makeln behaftet ist.

Da rügt man von Seiten der Anbieter die Konsumenten, welche diese genormten Angebote aus der Natur so haben wollen. So ganz unrecht haben sie nicht. Da die Angebote auf den Gemüse- und Früchteregalen einer Show von Schönheitsköniginnen auf dem Laufsteg gleichen, werden nur die Besten und Schönsten zuerst gedrückt, geprüft betatscht und begutachtet. Dann nur die Besten ins Körbchen und die vermeintlich mit Makeln behafteten zurück ins Kistchen. Weltmeister im Stöbern nach der perfekten Gurke, der feinsten Kartoffel und der Karotte, die eher einem orangen Setzholz gleicht, sx§ind nicht etwa die Jungen, sondern viele Pensionäre, welche scheinbar Zeit haben, sich die Schönheitsköniginnen unter den Früchtchen auszusuchen und zu ertasten.

Es gibt aber inzwischen Gemüsebauern, welche Sturm laufen gegen den genormten Unsinn. Denn ein erheblicher Teil von frisch geerntetem Gemüse wandert in die Kompogasanlage. Weil sie ein paar Millimeter zu kurz oder zu lang sind, der Krümmungswinkel nicht passt oder eine Hautirritation nicht dem Schönheitsideal entspricht. In der Schweiz werden derzeit fleissig Spargeln gestochen, gekauft und allenfalls noch gekocht. Doch lange nicht jeder Spargel landet auf dem Teller. Weil das Gemüse nicht dem verlangten Schönheitsideal entspricht, werden Teile der Ernte direkt in die Biogasanlage geworfen. Nur etwa 70 Prozent der Spargeln können an den Konsumenten verkauft werden. Die Vorgaben für das Gemüse seien sehr strikt und der Konsument will stets ein sauberes, einheitliches Produkt. Es wäre sinnvoll, die Normen in der ganzen Lebensmittelindustrie zu lockern, so die Meinung vieler Gemüsebauern.

Ich möchte endlich ein Würfel-Ei. Vielleicht gelingt es dann auch mir, dass das verfluchte ovale Ding nicht vom Korpus eiert und am Boden zur Sauerei wird, bevor ich es ins Dreiminutenei-Heissbad versenke. Radiesli gefälligst in Längsform und schön gerade. So kugeln sie mir beim Feinschneiden nicht dauernd davon. Wie wäre es mit Avocados in einer Hartschale? Es gibt ja kaum mehr Avocados zu kaufen, welche nicht vor mir schon von hundert anderen Pfoten gedrückt oder eben zerdrückt wurden, so dass es beim Grossverteiler nach 9 Uhr nur noch Matschocados zu kaufen gibt. Die Banane gerne in Halbrundkrümmung. So passen sie besser für den Bananensplitt in das ebenfalls genormte Dessertschälchen.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.