In dieser Woche über die neu gewählte Bundesrätin Karin Keller-Sutter zu schreiben, wäre wohl Wasser in den Krebsbach getragen. Denn alle Medien jagen sich, um zuerst News und Hintergründe zu veröffentlichen. Als Wiler dürfen wir aber schon stolz sein auf eine ausgezeichnete Vertretung im Bundesrat. Verbunden mit der Hoffnung, dass die Äbtestadt im positiven Sinne profitiert. Klar ist, dass sich KKS für die Schweiz und weniger für die Anliegen Wils einsetzen kann und muss. Sie wird sich im Haifischbecken der immer schnelleren, digitalisierten und mobileren Welt zurechtfinden müssen. Es wird erwartet, dass sie positive und wegweisende Entscheide fällt, schon bevor man die Hintergründe und Entscheidungsgrundlagen kennt.

Nun aber weg von KKS mit dem Steilpass zur immer schnelleren Welt. Eine Welt, die manchmal der Realität vorausgeplant wird, um dann hinterher die Fehler auszubügeln. Auf dem Boden der Realität findet ja auch das Leben Bürger statt. Auch jener, welche einst KKS einst ins Wiler Parlament gewählt hatten und ihre politische Karriere damit lancierten.

Der Zeit voraus wird für uns auch unser Konsumverhalten geplant.

Weihnachtsbeleuchtungen, auch im Privatbereich, schon im November. So grell, dass man mit der Schweissbrille die Augen schonen muss. Showsterne mit Blinkeffekten und die Discokugel oben auf dem Christbaum scheinen im Trend – oh graus. Adventsstimmung in den Läden schon Ende Oktober. In den Verkaufsregalen sind Pralinen, Geschenkkörbe, tanzende Samichläuse, wenig Nötiges und viel mehr Unnötiges für möglichst viel Gschenklijäger gestapelt. In den Lagern auf den Palletten warten schon die Fastnachtsartikel und daneben sind die Parade der Schoggi-Osterhasen und sackweise Schoggieili bereit. Fastnachtskleider zwischen dem Weihnachtsschmuck, Schoggihasen zum Samichlaus, Konfetti an Heiligabend. Die Schwimmflügeli und Gummiboote für den Sommerurlaub hängen zwischen den Gruselmasken für Halloween und den Stapeln mit Fastachtschüechli und Christstollen.

Um mit der Hektik der Zeit mitzuhalten, verstecke ich vielleicht jetzt schon das Oschterneschtli für die Enkelkinder im frischen Herbstlaubhaufen, denn zu Ostern muss ich ja schon wieder die Luft in den Schwimmflügeli und die Christbaumbeleuchtung checken, um frühzeitig Defekte zu beheben.

Mit dem Indianer-Fastnachtskleid als Hirte im Krippenspiel versuche ich die Zucker-Ostereili dem Schoggichlaus schmackhaft zu machen und merke nicht, dass das kleine Kind in der Krippe lieber eine Silvester-Tischbombe, gefüllt mit Faschings-Pappnasen, zünden möchte und gar kein Bock auf Weihrauch, Myrre und Gold hat, sondern eher auf ein Red Bull, das neuste iPhone und die News auf Twitter.

So oder so sei aber allen eine ruhige und besinnliche Adventszeit gewünscht – und nur kein Stress. Online kann man ja ohnehin während 365 Tagen alles für jede Lebenssituation einkaufen – und wieder zurücksenden. Was man aber nicht kaufen kann, sind Zeit und Ruhe. Genau das kann man aber trotzdem schenken.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der Hallowil-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.