«Wil ist Bundesrat», «Wil für einmal in den Polit- und nicht Sport-Schlagzeilen», «Karin hats geschafft». So die Titel in den Schweizer Medien nach der Wahl von Karin Keller-Sutter in das höchste Amt unseres Landes. Dazu seitenweise Wünsche, Forderungen, Einschätzungen und Erwartungen. KKS selber liess sich noch nicht konkret aufs Glatteis führen. Sie ist sich sehr wohl bewusst, dass man zwar schon bald auf verschiedenen Ebenen klare Entschiede erwartet, sich aber keine Schnellschüsse oder gar Rohrkrepierer erlauben kann.

Die Tatsache, dass nun drei fähige Frauen im Bundesrat sitzen, löste viel Freude aus – und das zurecht. Doch, oh Schreck, es gab tatsächlich Männer, welche scheinbar einen schwarzen Tag erlebten und als Mann gefrustet den weiblichen Freudentaumel über sich ergehen liessen. «Wie hast du dich als Mann gefühlt am 5. Dezember? Ich fühlte mich nicht gut. Und du?» Dies die Frage eines nicht unerfahrenen Politkenners aus der Region. Hallo? Ich freute mich, denn die Frauen haben es verdient. Und wenn sie einst endlich für dieselbe Arbeit auch ebenso viel verdienen wie die Männer, sind wir erst am Ziel und dürfen uns mitfreuen. Ich nehme an, dass der «Job» Bundesrat/rätin einer der ganze wenigen «Berufe» in der Schweiz ist, wo Mann und Frau denselben Lohn haben. Ob ihn alle verdienen, ist eine andere Sache.

Zurück zu den grossen Wünschen der Bürger an KKS in den Medien. So wünscht sich J.B aus Wattwil, dass alle am Freitagnachmittag frei haben und vor allem: «Mehr Geld für die Integration von Ausländern». Macht wohl Sinn, denn es braucht ja einen freien Halbtag, um das Geld auch ausgeben zu können. A.S. aus Rorschach wünscht sich schulfrei am Tag der Bunderstwahlen. Bleit zu hoffen, dass dann auch alle Schüler wissen, was eine Bundesratswahl ist. «Verlieren Sie bloss nicht den Humor», meint H.R. aus Speicher. Nichts ist aufwendiger als etwas zu suchen, was man verloren hat. Das ist dann gar nicht mehr humorvoll. «Sie soll die schlafenden Politiker aufwecken», fordert R.B. aus St.Gallen. Da wird es auch wichtig sein, dass wir als Wähler nicht schlafen und keine Schlafmützen in diese Ämter wählen. H.S. aus Arbon fordert: «Sorgen Sie dafür, dass die Politiker in Bern besser zusammenarbeiten.» Da wird es von Nöten sein, dass alle wissen, was arbeiten heisst. Es geht um ein «Produkt», das gemeinsam geplant und geschaffen wird, um es am Markt sinnvoll einsetzen zu können. Wenn aber zu viele mit falschen Werkzeugen am gleichen Produkt feilen, hämmern, bohren und fräsen, wird es schwierig, dass je ein präsentables Produkt entsteht, das schlussendlich jemand will.

Apropos Wünsche und Geschenke. Sie suchen noch ein Geschenk für Weihnachten und haben den Stress satt? Nehmen Sie eine leere Schachtel. Die gibt es sicher noch von den letzten Weihnachten. Füllen Sie dieses Trückli mit Zeit, packen Sie es liebevoll in weichnächtliches Papier – wenn nicht vorhanden in eine alte Zeitung mit einer Weihnachtgeschichte. Schenken sie diesen geheimnisvollen Inhalt ihren Liebsten. Das Schönste an diesem Geschenk ist, dass sie nicht nur ihre Liebsten, sondern auch sich selber beschenken. Wäre das was?

Aber aufgepasst und lassen Sie sich nicht stressen, wenn Sie dieses Geschenk auch ehrlich einlösen wollen.

Allne e schöni Wiehnacht, es guets Neus, Gsundheit und meh Ziit.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der Hallowil-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.