Da hängen, stehen, kleben und flattern sie herum und werben zwischen Katzenfutter-, Prosecco-Angeboten, Ausstellungs- und Autowerbung um ihre Gunst und bitten, gewählt zu werden. Die Namen im Plakatwald vermischen Politik, Wirtschaft und Unterhaltung zu einem fast satirischen Mix. Wer ist nun wer und wer will von wem gewählt, gekauft, gefressen oder ge- oder überfahren werden? Zusätzlich schwappt nun auch die Welle über Social Media- und alle digitalen Kommunikationsmöglichkeiten durch den Äther. Da wundert man sich, wer für wen einsteht und wer mit wem und vor allem auch mit welchen Argumenten sympathisiert.

Für welche Partei kandidiert nun Herr Optik Fielmann? Er habe gemäss Plakat Durchsicht und Weitsicht, was in Bern ja sehr wünschenswert wäre. Aber für welche Partei steht er ein? Wohl für keine, und das ist auch nicht schlecht. Oder wäre Herr Okto Berfest die beste Wahl? Zumindest für Stimmung sorgt er allemal Gar eine freche Anmassung, wenn die Frau Olma nur mit ihrem Vornamen wirbt und niemand weiss, was Olma in Bern nun will. Allerdings, eine zünftige Olmabratwurst, ohne Senf natürlich, stünde Bern sehr gut an. Denn andere Würste die nur ihren Senf dazu geben, gibt es schon einige unter der Bundeshauskuppel. Wer um Himmels Willen ist Frau Oh Lala? Etwas verrucht und etwas geheimnisvoll. Bern wartet auf etwas Pep und die Medien lechzen nach Geschichten à la Oh Lala.

Neben einem Nachrücker, einer Wiederzuwählenden, einem Jungspund und einem erfahrenen Lobbyisten werben im Plakatwald auch Herr Farben Froh und Herr Bunter Hund um die Gunst des Zielpublikums. Wen vertreten Frau Sonntag Offen oder Herr Bio Kürbis? Vor lauter Wahl- und Werbeplakaten im wilden Durcheinander und der digitalen Überflutung wird es einem ganz sturm. Da passiert es doch tatsächlich, dass man beim Posten in den Ladenregalen nach Würth, Häberli, Gutjahr, Gilli, Gysi oder Reimann sucht und sich die verdutzte Frage des Verkäufers gefallen lassen muss, ob man nicht vielleicht eher Bio, Käse, Wurst und Brot oder kalt gepresstes Olivenöl haben möchte?

Trotz aller Politikverdrossenheit und dem etwas gar abgedroschenen Schlagwort, dass die da oben eh machen, was sie wollen: Wählen Sie. Aber wählen Sie für sich ganz persönlich richtig und keine Würste, keinen Senf und keinen Käse - und schon gar keine Mogelpackungen.

Es mag etwas Oh Lala mit Pep leiden, dazu eine Prise junge Frechheit mit Stil und Unbekümmertheit – aber auch eine zünftige Dosis Weitsicht und Erfahrung. Immer aber mit dem Hintergrund, dass es für eine planbare Zukunft den guten Kompromiss braucht und keine radikalen Forderungen von polarisierenden aber leider eher blockierenden und selten zielführenden Ansichten. Viel Vergnügen beim Studium der Wahlplakate zwischen den Werbungen und der Flut der Wahl-, Ferien- und Möbel- Kleiderprospekten im Briefkasten. Es macht echt Spass. Und eine Prise verstecke Satire ist da nicht so weit weg.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit 42 Jahren in der Äbtestadt wohnhaft, beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.

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hallowil.ch-Kolumnist Mäni Rüegg