Als Eigenverantwortung oder Selbstverantwortung bezeichnet man gemäss Wikipedia die Bereitschaft und die Pflicht, für das eigene Handeln und Unterlassen Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet, dass man für das eigene Tun und Unterlassen einsteht und die Konsequenzen dafür trägt. Das Prinzip der Eigenverantwortung basiert auf dem liberalen Ideal eines mündigen, selbstbestimmten Menschen. Aus diesem Prinzip folgt auch die Verantwortung für Andere zu übernehmen, das wäre dann die heute so nötige Solidarität. 

Seit Monaten setzen unsere Behörden betreffend die Bekämpfung der Pandemie auf Eigenverantwortung, um das Virus in den Griff zu kriegen. Leider muss man aber feststellen, das (zu)viele Personen den Begriff Eigenverantwortung nicht kennen. Wenn wirklich jede und jeder das Wort Anstand und Abstand eigenverantwortlich und auch im Sinne der Mitmenschen einhalten würden, bräuchte es viel weniger Restriktionen und Druck von Seiten der Politik. Unsere verwöhnte und übersättigte Gesellschaft ist nach wie vor viel zu egoistisch, zu selbstverliebt und es geht uns scheinbar auch in schlechten Zeiten immer noch viel zu gut. Nicht allen aber immer noch zu vielen. 

Gehören sie auch zu jener Spezies, die immer Platz macht und Abstand wahrt und eine selbstverständliche Grundhygiene einhält? 

Selbstverständlichkeiten, die wir schon als Knirpse lernten oder lernen sollten und zum Anstand und Alltag gehören. Manchmal habe ich das Gefühl, ich sei einer der wenigen, die sich daranhalten und viele Zeitgenossen seien mit dem Schnellzug durch die Kinderstube gerast. Oder nennt man das heute Selbstbewusstsein, Willensstärke und Durchsetzungsvermögen. Pfeife darauf, wenn das in Unanständigkeit, Frechheit, Egoismus ausufert. Dabei sind es nur zwei kleine Buchstaben, die den Unterschied ausmachen. Nämlich das «n» und das «b» in den Wörtern A(n)stand und A(b)stand, oder? 

Noch ist es zu vielen nicht klar, dass die Natur unser Leben bestimmt und die Natur uns vorgibt, wie die Zukunft aussieht. Je mehr wir sie missachten, umso mehr wird sie uns missachten. Noch nicht und hoffentlich nie sind wir in der Lage, die Natur diktatorisch zu beherrschen. Wir haben es aber in der Hand, uns ihr einvernehmlich anzupassen, mit ihr zu kooperieren und ihr vor allem Sorge zu tragen. Unser Handeln entsprechend so zu gestalten, dass auch unsere Nachkommen ein Leben gestalten können, damit sie gut leben und nicht nur überleben können.

In vielen Teams gibt es in jüngster Zeit zwei ganz neue Mitarbeiter: Jemand und Niemand. Jemand baut immer Mist und Niemand ist schuld, respektive dafür verantwortlich. Wenn man die Herausforderungen der heutigen Zeit nur für politische Spiele und um der Macht Willen missbraucht, gibt es in politischen Positionen zu viele „Jemand“, und niemanden mehr, der unsere Zukunft für alle gestaltet.