Da hadere ich als Grobmotoriker an Automaten, Computern, iPhones – und vor allem mit den dutzenden Kredit-, Kunden- und weiss nicht was-Karten mit dem digitalen Schicksal. Jede Karte womöglich mit eigenem Code. Super. Na ja, jammern hilft nichts. Wenn man sich dann doch in die neue Welt der computerisierten und digitalisierten Welt begibt, kann man durchaus auch Verbesserungen, Erleichterungen und Annehmlichkeiten feststellen, die einem, wenn man den Umgang damit einmal beherrscht, auch ganz stolz machen. Ja hallo, jetzt bin i au debi.

Das mit den Kredit- und Kundenkarten hat seine eigene Dynamik und kann bewirken, dass das Suchen nach der richtigen Karte am richtigen Ort und dem richtigen Code mehr Adrenalin auslöst, als das gespannte Seil in einem T6-Kletterparcours. Wenn ich dann mit der Cumuluskarte Coop-Punkte sammle und mit der Kundenkarte von Spar beim Migros Wein und Bier kaufen möchte, stellen sich die Nackenhaare bei mir mal gegen den Strich und die nette Kassierin hat ein mitleidiges Lächeln übrig. Immerhin lächelt da jemand und fragt mich: «Wönd Sie die neue Märlibildli für die Chline und d’Chuchimesser-Sammel-Märkli für die Grosse und händ Sie scho ä Chundecharte? Sie händ Ihri Kreditcharte stecke loh und das, wo Sie jetzt i Täsche ipacked, ghört de Frau Meier und nöd Ihne.»

Mir ist inzwischen klar, dass ich mit der Cumuluskarte kaum den Zahnarzt und mit der Coopkarte noch weniger die Steuern bezahlen kann. Schön wärs. Eine mögliche Idee wäre es aber für den ganzen bargeldlosen Zahlungsverkehr schon bei der Geburt einen Chip mit Code im Hintern einzupflanzen. Naja, das Sicherheitsrisiko wäre da wohl doch zu gross, wenn ich mich nur noch füdlischwenkend durch die digitale Zukunft bewegen würde. Geladen mit Nummern, Passwörter und Codes für den Zugang zu Hause in den Computer, für den Zutritt im Büro zu den verschiedenen Arbeitsplattformen, aber auch für den Zahlungsverkehr mit der Bank sowie die zahllosen Nummerncodes für die verschiedenen Kunden-, Versicherungs-, Möchtegern-VIP- und weiss der gugger was für -Karten.

Dieser Kärtchenwirrwar lässt mein Portemonnaie anschwellen wie eine kleine Mastsau vor der Herbstmetzgete. Früher war es ein jährliches Vorweihnachtsereignis, wenn wir mit eigenen Augen eine Tausendernote sahen, sie so gross war wie ein Nastuch. Das war meist dann, wenn der Vater die Grati in einem gelben kleinen Couvert nach Hause brachte. Heute geht der Blickwinkel kaum über die Grösse einer Kreditkarte hinaus. Wie eine Tausendernote aussieht, wissen die Jungen kaum mehr, denn es läuft ja alles bargeldlos und mit den Kärtchen, welche sich in den Portemonnaies in allen Fächern und Schlitzen verstecken und verklemmen.

Da habe ich nun den Plastikkarten-Salat, gesalzen mit den verschiedenen Nummern und Codes. Ich blamiere mich fast vor jeder Kasse und jedem Schalter, wenn ich aufgeregt nach dem richtigen Kärtchen suche, sich diese dann auch noch verselbständigen und auf dem Boden verteilen und die peinliche Schamröte in meinen Kopf steigen lassen. Dann, wenn ich mit der Autonummer den Bankomaten teste, mit dem Computerzugangscode telefonieren möchte und hoffe, dass ich über Ticketcorner mit dem Katzentürchen-Code zwei Billette für das Musical «The Lion King» bestellen kann, dabei aber das Passwort des Organspendeausweises eingebe. Dann brüllt nicht nur der Löwe.

Da nützen weder Cumulus- noch andere Wertpunkte, keine Mickey Mouse-Sticker und schon gar nicht die volle Pro-Bon-Karte. Dann nämlich, wenn ich nachts um drei nur noch den Code des Katzentürchens kenne. S’Chatzetürli isch eifach z‘chli, um in die Wohnung zu kommen. Da schätze ich - wie vor 50 Jahren - mit dem versteckten Hausschlüssel ganz lislig die Türe zu öffnen. Pech ist nur, dass ich den Schlüssel der ferienhalber abwesenden Nachbarn, dessen Wohnung ich hüte, versteckt habe und plötzlich in einer fremden Wohnung stehe. Das geht ja noch, aber das Schlimmste ist, dass der Kühlschrak leer ist und ich den Frust nicht mal mit einem Bier runterspülen kann.

Ein bisschen übertreiben darf man ja und herzhafte Lacher über so viel satirisches Ungemach in der digitalen Welt gehören dazu. Worüber sollen wir dann noch lachen, wenn nicht über uns selber? Über meinen Nachbarn an der Kasse vor mir, der am Boden kniend seine Kreditkarten sortiert und das Gegenüber im Zug, das merkt, dass es vor lauter Karten- und Code-Gejufel im Zug nach Chur, statt im Pendlerzug zur Arbeit nach Zürich sitzt.

Und wenn Sie glauben, dass das alles stimmt, dann haben sie vielleicht den falschen Zugangscode gewählt.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der Hallowil-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet in loser Folge ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.