Dass die Gesellschaft in verschiedenen Bereichen zur Zweiklassengesellschaft unterwegs ist, scheint offensichtlich und nachweisbar. So zum Beispiel im Gesundheitswesen. Es «lohnt» sich nur noch krank zu sein, wenn man entsprechend versichert ist, eine erträgliche Franchise hat und das alles auch noch berappen kann.

Nun hat man angedacht, im öffentlichen Verkehr gar eine Dreiklassengesellschaft einzuführen. Die SBB will mit einfacherem und enger bestuhltem Rollmaterial mehr Gäste zu allenfalls günstigeren Tarifen befördern. Das Szenario besteht zwar nur als Studie. Wenn überhaupt, wird das Szenario laut SBB nicht so schnell kommen. Trotzdem ist es ein Anstoss, einmal über die verschiedenen Komfortklassen, wie sie in Deutschland genannt werden, nachzudenken.

Bereits bieten Billigflieger Flüge zu Preisen an, bei welchen die Bahn kaum noch mithalten kann. Flixbus karrt, mit fast halbleeren Bussen, durch ganz Europa. Und dies mit Preisen, bei welchen man sich fragt, wie der Busschauffeur da noch einen gerechten Lohn verdienen kann.

Die nächste Generation von Flugzeugen wäre die 3.-Klasse-Komfortlinie. Das heisst, eine Innenausstattung wie in Fallschirm-Jets der Grossmächte. Ausstaffiert mit seitlichen Längsbänken und Bushaltebügeln im Mittelgang. Dazu gibt es pro 50 Passagiere einen Selecta Automaten mit Getränken und kleinen Snacks. Das Gepäck wird in genormten Rucksackgrössen gleich mitgetragen. Je nach Flugdauer gibt es jede Viertelstunde ein «Bügelrücken». Das heisst, jeder Passagier fasst den nächsten Bügel, um etwas Bewegung und Lockerung zu gewähren. Auch im 3. Klasseflieger gibt es zwei Komfortzonen, nämlich die Bänklisitzer und die Bügelsteher. Guten Flug.

Anschnallen? Nicht mehr nötig. Man sitzt und steht so eng, dass man bei Turbulenzen höchstens die Ellbogen des Nachbars in den Rippen spürt. Für einen Extrabetrag gibt es zusätzlich einen Karabinerhaken, um sich an den vertikalen Stützstangen oder Horizontalbügeln im Raum einzuklinken um noch sicherer und komfortabler zu fliegen.

Auch bei der SBB wäre die Komfortzone 3 jene mit den Bügelpassagieren. Anstelle der feudalen Sitze hängen auch hier Bügel von der Decke mit dem 3-Klasse-Karabinerhaken zur Sicherung. In Arbeit sind in einem Startup-Unternehmen europataugliche Karabinerhaken für Flugzeug, Bus und Bahn.

Der allerneuste Hit ist aber das Doppelticket der Bahn-Komfortklasse 4. Das heisst, ich erhalte mein Fahr-Billett zum halben Preis, wenn ich einen Mitfahrenden oder eine Mitfahrende, welche ebenfalls den halben Preis bezahlt, auf den Schoss nehme. Je nach Gewicht des Huckepack-Passagiers kann der Anbieter seines Kniesitzes noch mehr profitieren. Als positiver Nebeneffekt würden die zwischenmenschlichen Kontakte schlagartig zunehmen. iPhones und Stöpsel könnten geteilt werden und pro Paar bräuchte es nur noch eine Zeitung. So würde auch weniger Abfall produziert. Für einen kleinen Aufpreis gibt es vom Zugsbegleiter ein Mustersäckli mit Deo, Mundschutz und Mundspray.

Die Bügelbusse, resp. die Komfortklasse 3 wären allenfalls in Wil zur Rushhour ebenfalls eine gangbare Lösung. Vor allem für die Sicherheit. Kein Warten mehr an den Bushaltestellen bis alle Passagiere sitzen, um so den kaum einzuhaltenden Viertelstundentakt doch noch zu gewährleisten. Einsteigen, einklinken und los geht der Hauruck-Schütteltransport.

Solche Karabinerhaken wären auch ein ideales Geschenk für Menschen mit minimalen Einkommen. Für sie wäre der Billigflug oder der Billigbus ins Ausland, um dort einen Billigburger zu geniessen, wohl günstiger als ein Ausflug mit der Bahn nach Zürich.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.