Wohlweislich und aus Erfahrungen klug, lege ich meine kleine Einkaufstour nicht zu Stosszeiten fest. So stieg ich gemütlich in mein Auto, um für den angesagten Besuch am Montagmittag in aller Ruhe etwas Leckeres und Frisches zu posten. Also einzukaufen, und nicht auf Twitter zu posten.

Denkste, am Montagmorgen sind alle Senioren, Tussis und Gorillas unterwegs. Kaum aus der Garage, steht ein fragender Thurgauer mitten auf der Strasse und versperrt zusammen mit einem Lieferwagen die Strasse. Ich habe ja Zeit und warte geduldig und warte und warte. Irgendwann wusste auch der Thurgauer, dass er wohl am falschen Wiler Hügel suchte.

Der neuralgische Verkehrsknoten Rudenzburg in Wil. Am Montagmorgen ein Ort der Ruhe. Denkste. Die Equipe der städtischen Baumpfleger, oder so, schaltete mal das Lichtsignal aus, hantierte mit den Kettensägen in den Baumkronen wie King Kong im Urwald. Diejenige Person, welche zum Job des Verkehrsreglers verknurrt wurde, hantierte etwa so wie die Gorillas in den Baumwipfeln. Na ja, ich habe ja Zeit. Noch.

Mit der Einfahrt in die Tiefgarage beim Stadtsaal dann die nächste Verwunderung. Um Himmelswillen, wieso wendet die junge Frau vor den Schranken und fährt wieder aus der Parkgarage? Das wurde mir älterem Semester bald klar. Die Parkkarte wurde nicht akzeptiert und ein Parkkärtli liess sich der Blechkiste nicht entlocken. Ende der Fahnenstange. Der ältere Herr, also ich, wendete ebenfalls und fuhr wieder aus der Parkgarage. Nur mit einem scheuen Seitenblick nahm ich die Gedanken der Einfahrende war, die wohl dachten, was macht denn der alte Sack wendend in der Parkgarageneinfahrt? Nur solange bis sie, ebenfalls gewendet oder retour, zurückkamen.

Weder beim Grosseinkauf vor Ostern oder Weihnachten war die Schlage bei der Parkkasse so lang wie am Montagmorgen. Zwänzgerli und Zehnerli wurden in den Schlitz spediert bis das Portemonnaie leer war von diesem Kleingeld. Ich hatte ja Zeit. Noch. Denn meine Uhr im Auto zeigte schon halbzwölft, der Besuch schon eingetroffen und die Töpfe warteten auf den Inhalt, der in meiner Kühltasche lag.

Retourgang und dann nach Hause. Denkste. Hinter mir versperrte ein Auto die Ausfahrt – und das gefühlte 60 Minuten. Die beiden Seniorenpaare verstanden es, die Parkgarage zu blockieren. Dass allenfalls auch ich mal nicht mehr so gut zu Fuss bin und sehr schlecht aus dem Auto kraxeln könnte, weiss ich. Doch würde ich dann den dafür vorgesehen Parkplatz nutzen, um mir selber viel Stress zu ersparen.

Das Fleisch in meiner Kühltasche lief schon bald dem Ablaufdatum zu und der angesagte Besuch hungerte wohl vor den leeren Töpfen. Vor mir nochmals die Rudenzburg-Kreuzung – und meine Gedanken im roten Kopf. Warum um Himmelswillen schneidet die Stadt schon fast zur Mittagszeit die Bäume am Rudenzburg und warum habe ich Senior nicht geschaltet und einen anderen Heimweg gewählt? Der Verkehrsregler noch heilloser überfordert, hupende Autos, Äste auf der Fahrbahn und Fahrer, für welche oranges Blinken an der Ampel aus allen Richtungen grün bedeutete. Ich habe ja Zeit.

Denkste? Ja sicher. Ich Senioren-Schussel habe vergessen, die Uhr im Auto eine Stunde auf Winterzeit zurückzustellen und mein Zeitmanagement geriet ob der verkehrstechnischen Intermezzi durcheinander. Da schiessen sie Raketen auf den Mars, aber meine Autouhr stellt nicht automatisch auf Winterzeit. Der Verkehrsknoten und jener in meinem Kopf lösten sich wieder auf.

Die Gäste waren noch nicht eigetroffen, die King Kongs in den Baumwipfeln waren plötzlich wieder städtische Naturpfleger und ich wunderte mich nicht mehr über wendende Lenkerinnen und Pensionäre in der Tiefgarage – und schon gar nicht über Thurgauer. Nur easy und mit der Zeit des Pensionärs. Ich wurde von der Winterzeit verfolgt und wollte immer der Schnellere sein.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der Hallowil-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.