Kürzlich im Briefkasten die Mitteilung der Post: Ab Ende November kann man die Paketpost, welche nicht direkt zugestellt werden konnte, auch im neuen Automaten abholen. Mit dem versteckten Goody, dass man sich den Gepflogenheiten der heutigen Zeit anpassen möchte, baut man versteckt wohl eher weitere Stellen und Poststandorte ab und ersetzt immer mehr die Dienstleistungen durch Automaten. Warum eigentlich nicht. Irgendwann muss man nur noch die Menschen abschaffen. Dann braucht es auch keine Arbeitsplätze mehr und unser Planet wird bevölkert von Automaten, Robotern, selbstfahrenden Autos. Fehlen werden Emotionen, Herz und zwischenmenschliche Kontakte.

Was machen sich denn die Behörden noch unnötige Gedanken über den Schulhausbau und den Lehrermangel. Die Schüler sitzen zu Hause im Home-Medienraum, loggen sich ein zum zentralen Schulcomputer und können so den Lehrstoff abarbeiten. Die Stoffvermittlung erfolgt mit Animationsfilmen und den Verbindungen zum digitalen Lehrstoff über Skype, Kopfhörer und Mikros. Die Prüfungen sind dann mit dem Kreuzliformular abzulegen und das Resultat mit den gesammelten Punkten für den Bachelor, Master oder gar Doktortitel ist umgehend per Mail zu erhalten.

Die Stadt Wil kann den Ausbau des Schulraumangebotes stoppen und die Kathifrage ist gelöst. Die Jungs und Girls lernen sich ja künftig über Parship, Instagram und mit irgendwelchen Twittertauben kennen. Schmetterlinge im Bauch sind von gestern, neu sind es Tauben im Netz, mit welchen man Gefühle vermittelt.

Eigentlich muss man ja gar nicht mehr aus dem Haus. Das Essen und Trinken sowie alle Produkte für die Körperpflege bestellt man über das Internet, geliefert an die Haustüre. Auch die Bekleidung inklusive Schuhe gibt es über die unzähligen Online-Anbieter, ebenfalls geliefert an die Haustüre. Die Post kann abgeschafft werden, denn alle Unternehmen bauen alle ihr eigenen Vertriebskanäle auf. Wofür allerdings braucht es noch eine grosse Kleiderauswahl? Eine Trainerhose und ein Homewear-Pulli reichen vollends.

Ich spinne mir ein Senioren-Startup zusammen mit Dienstleistungen, welche die Digitalisierung mit sich bringt. Posten und liefern für die Homeworker, Elterntaxidienst, Hunde- und Büsisitting für Tierhalter, welche sieben Tage die Woche global unterwegs sind. Dienstleistungen an den verschiedenen Automaten bei der Post, SBB, auf der Bank für überforderte, allerdings auf der Aussterbeliste befindlichen, Analog-Mitmenschen. Diesem Startup fehlt aber die Nachhaltigkeit, denn wo poste und wie liefere ich, wenn es keine Läden mehr gibt, die Schulen abgeschafft sind und selbstfahrende Autos die Mobilität abdecken?

Auf der Schandfleck-Brache an der Unteren Bahnhofstrasse in Wil gibt es neu unzählige Postabholfächer in Reih und Glied. Genau mein Startup-Arbeitsfeld. Mit den digitalen Abholzetteln der Kunden auf meinem iPhone liefere ich prompt und schnell, sofern ich dann das Gewusel mit den Zugriff-Codes in den Griff kriege, denn Daten- und Personenschutz stehen über allem.

Ein bisschen Satire darf sein. Trinken wir doch gemeinsam unser Feierabendbier oder -Kaffee noch in der Beiz, klopfen der Kollegin oder dem Kollegen für Erfolge noch anerkennend auf die Schulter. Freuen wir uns, wenn die Kinder auf die Quartierstrassen mit Kreide Spielfelder und lachende Gesichter malen, tschutten oder auf der Schnitzeljagd um die Häuser pirschen und die Lehrer vor Weihnachten im Schulzimmer noch Geschichten erzählen.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der Hallowil-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.