Was soll das? Ich freue mich auf die Ferien und auf herrliche sowie erlebnisreiche Tage. Da nahm ich mir vor den Flug zu geniessen. Das heisst, ich genoss nicht den Flug als solchen, sondern die Menschen im Flugzeug, eine meiner vielleicht etwas frechen Lieblings-Angewohnheiten. Allerdings mache ich das nur für mich, ganz anonym und am Schluss Ctrl, alt und delete. Ausser ich verwende es für eine satirische und humorvolle Geschichte aus dem Flieger. Na ja, ein bisschen Vergnügen darf doch noch sein und es ist ja nicht immer der bittere Ernst.

Interessant wird es, wenn man den Sitzplatz zum Flur und unweit vom einzigen WC hat. Nach gut einer Stunde Flugzeit bildet sich eine Schlange Wartender davor und das reizt deren Blasen und mich die Personen zu durchleuchten.

Der lässig gekleidete Herr, selbstbewusst und im Flugzeug eher gelangweilt, schätze ich ein als Autofahrer mit getönten Scheiben, denn diese (Autofahrer) bohren sich viel aggressiver in der Nase, als der Rest von uns. Oder hat er sich einfach im Flugzeug verlaufen? Männer verirren sich nicht, sie entdecken nur neue Ziele. Um die Wartezeit zu verkürzen lassen sich einige vom Angebot aus dem Duty-Free Rolli überzeugen ganz nach dem Grundsatz: Ein Schnäppchen ist etwas, das man nicht braucht, zu einem Preis, dem man nicht widerstehen kann.

Ein galanter junger Typ, eher ein Manager als ein Ferienreisender, telefoniert mit Stöpsel im Ohr und der Erwartung, bald am Ziel der Schlange zu sein. Er scheint seinen Angestellten im fernen Büro Anweisungen zu erteilen und zu erklären, was Management bedeutet: Zehn Leute werden für das bezahlt, was fünf billiger tun könnten, wenn sie nur zu dritt wären und davon zwei krank sind. Oder tut er nur so als ob? Der Grund warum er nur zu sich selbst spricht ist, weil er der Einzige ist, dessen Antwort er akzeptiert? Studenten studieren, Arbeiter arbeiten und die Chefs scheffeln. Sei ein Chef, muss er sich wohl gedacht haben.

Die Nummer drei in der Warteschlaufe ein Zeitgenosse, der es nicht lassen kann seine etwas seltsame Weltanschauung lauthals zu verkünden. Ich vergesse selten ein Gesicht, aber in diesem Fall mache ich gerne eine Ausnahme. Dies mit der Erkenntnis, dass, wer viel spricht weniger Zeit hat zum Denken. Der ist sicher nicht so dumm, wie ich dachte. Der hatte nur Pech beim Denken.

Gegen Pechsträhnen sind auch Friseure machtlos. Die Dame, welche nach minutenlangem Augenrollen und Haare büscheln im WC verschwand hatte eher kein Pech, sondern einen schlechten Friseur. Das war auch nicht besser als sie wieder aus dem WC kam.

Wie sagte schon Franz Kafka: «Die Fähigkeit beizubehalten, Schönes und Humorvolles zu erkennen, lässt einen nie altern. In diesem Sinne genoss ich meinen Weiterflug und hoffe, dass noch so manche Blase drückt, welche dann vor dem Flugzeug-WC-Schlange steht und mich über Menschen sinnieren und philosophieren und somit viel später altern lässt. Den Blasen sei Dank!

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit 42 Jahren in der Äbtestadt wohnhaft, beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.