Das Toggenburg und die Region Wil stolperten schon vor zwei Jahrzehnten über die Engstirnigkeit und somit über Steine, welche man sich selber in den Weg legte. Wenn man die Bergbahnposse in oberen Toggenburg, über welche schon bald die ganze Schweiz lacht, verfolgt, dann ist man in einigen Belangen noch im letzten Jahrhundert. Die zögerliche Haltung der Wiler betreffend Wil West und die Flut von Einsprachen gegen städtische Entwicklungen stellen Wil nicht gerade ein innovatives Zeugnis aus. Auch hier ist das Gärtchendenken der verschiedenen Gemeinden – vor allem Richtung Osten – spürbar und eher ein Hemmschuh, denn ein regionaler Innovationsmotivator.

Da bringt es der neue Standortförderer, Robert Stadler, in einem Interview mit der «Wiler Zeitung» zwischen den Zeilen auf den Punkt – wenn auch diplomatisch. Er spricht aber Klartext und sagt, dass in der Region Chancen zu wenig genutzt würden. Und er vermutet, dass man sich hier vielleicht manchmal etwas zu oft auf den Füssen herumstehe und positive Entwicklungen nicht so leicht zulasse. Das ist mehr als diplomatischer Klartext und ein schlechtes Zeugnis für Wil und die Region.

Liebe Gemeinden, nehmt endlich eure Schlappen von den Füssen der anderen und reiht sie gemeinsam nach vorne und in dieselbe Richtung ein. Marschiert endlich gemeinsam und kommt hinter den Gartenmauern hervor und denkt noch mehr regional. Wehrt euch auch mit mehr Überzeugung für die Anliegen bis nach Bern. Lauwarme Lüftchen verblassen bereits über dem Grossraum Zürich. Entweder hat man zu viel Ehrfurcht vor der Realität und der Wahrheit, oder man hat wirklich nichts zu sagen.

Stadler meint zwischen den Zeilen wohl knallhart, dass man in der Region Wil endlich den Finger rausnehmen, erwachen und handeln sollte. Liebe Politiker, wartet doch nicht immer nur die Wahlen ab, wo ihr wiedergewählt werden möchtet. Sondern packt die Chancen, wenn sie da sind. Verhindert nicht mit zum Teil kleinkarierten Einsprachen, Neid und Blockaden, dass sich eine Stadt und eine Region weiterentwickeln kann. Das geht auch, wenn man Ökologie und Ökonomie nicht gegen einander ausspielt, sondern einvernehmlich für die Zukunft fit macht und auch gewillt ist, Kompromisse einzugehen. Die zu vielen brach liegenden Projekte in Wil und der Region lassen grüssen.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit 42 Jahren in der Äbtestadt wohnhaft, beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.

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hallowil.ch-Kolumnist Mäni Rüegg fordert, dass sich die Region Wil noch mehr öffnen müsse.