Der Strassenverkehr fordert nicht nur die Planer und Strategen, sondern auch die Verkehrsteilnehmer. Immer mehr Autos, immer aggressivere Fahrer und immer mehr Unaufmerksamkeit. Dazu ein Wald von Geboten, Verboten und Richtlinien. In der Neuzeit das iPhone am Ohr, Zigi zwischen den Fingern, die Zeitung oder den Notizblock auf dem Steuerrad. Da bleiben nur noch die Kniegelenke, um das Lenkrad zu fixieren.

Ist jetzt die Autofahrerin vor mir stockbetrunken, hat sie gesundheitliche Probleme oder hat sie mit der digitalen Technik ihres fahrbaren Untersatzes zu kämpfen?

In Schlangenlinie fährt sie vor mir her, würgt einem von rechts kommendem Auto den Vortritt ab, touchiert beinahe eine Radfahrerin und fährt dann in einer beängstigenden Bogenlinie, fast wie Wendy Holdener auf der Slalomrennstrecke, um zwei Kreisel.

Um Himmels Willen, ist da nun der Notruf 144 oder doch eher die Polizei angesagt? Vielleicht hätte sie ganz einfach das L montieren müssen, damit man anerkennend Verständnis für FahrerInnen bei den ersten Lehrstunden im städtischen Verkehr hat? Irgendwann muss man ja auf die Strasse und sich den Herausforderungen im heutigen Gewusel mit Kreiseln, Signalen, Verboten und Geboten stellen.

Als es dann noch aus dem Fenster qualmt und raucht, liegt gar ein Autobrand nahe. Und ich habe keinen Feuerlöscher an Bord. Was mache ich nur, wie kann ich nur helfen?

Bei genauerer Betrachtung der Situation stellte ich aber fest, dass die Fahrerin mit dem iPhone am linken Ohr und der Zigarette in der rechten Hand etwelche Mühe hatte, Steuerrad, Kupplung, Gas und Bremse mit iPhone und Zigi zu koordinieren. Wohl konzentriert, dass sie nicht plötzlich die brennende Zigarette ans Ohr hält und das iPhone verschluckt, blieb da wenig geistiger Raum, um sich auch noch auf den Verkehr zu konzentrieren.

Die inzwischen abgebrannte Zigarette, das heisst, der von mir befürchtete Autobrand, wird, zusammen mit einem leeren Zigi-Päckli, auf die Strasse entsorgt, das iPhone ist immer noch am Ohr. Und ich wollte da noch helfen. Da kommt wohl jede Hilfe zu spät. Diese Situationen kann man heute täglich auf der Autobahn wie im Stadtverkehr beobachten.

Zusätzlich zum CH-Schild und zum L bei Fahrschülern könnte man ja künftig ein „iPhA“ für iPhone-Anwender während der Fahrt, ein „R/iPhA“ für Raucher mit iPhone und ein „DS“ für Dreck-Sack der Abfallentsorger am Auto Heck montieren. Dann wäre alles klar und man könnte auf sie mit Nachsicht etwas Rücksicht nehmen.

Dazu lancieren wir doch mal eine Autokleber-Initiative. Warum nicht? Es gibt ja bereits Initiativen, welche unsere Demokratie hinterfragen und vor allem Ämter und Steuergelder strapazieren und dabei jeden Ochsen und jede Kuh auf die Hörner nehmen – sofern die Kälber, die das machen, noch welche haben. Wie wäre es denn mit einer Abstimmung über das strikte Rauchverbot am Steuer oder eine automatische iPhone-Blockade bei laufendem Motor?

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der Hallowil-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.