Am Mittwoch genoss ich mit meiner Frau einen wunderbaren Skitag im Obertoggenburg. Nach einer Skiferienwoche im Wallis war ich «gwundrig» und neugierig, wie sich das Skigebiet von Alt St. Johann bis Wildhaus mit der Aletsch- Arena im Wallis vergleichen lässt und wo es für die Walliser oder Toggenburger Nachholbedarf gibt.

Die erste Überraschung beim Billett-Lösen an der Kasse: Eine Tageskarte, so oder so recht teuer in der Schweiz, kostet im Toggenburg mit nur halb so vielen Bahnen und halb so vielen Pistenkilometern nicht weniger. Nachholbedarf für das Toggenburg. Eine Seniorenkarte gibt es im Toggenburg ab 65. Im Wallis gibt es zwar keinen Seniorenrabatt, aber der normale Tageskartenpreis unterscheidet sich nur marginal. Frauen, welche mit 64 im Pensionsalter sind, erhalten im Toggenburg diese aber auch erst ab 65. Eine unschöne Diskriminierung der Pensionärinnen und Nachholbedarf für das Toggenburg.

Betreffend schöne Natur können die Toggenburger mit der Sicht auf den Säntis, die Churfirsten und die Österreicher Alpen mit der Aletsch-Arena mithalten. Auch wenn die geringere Höhenlage für das Obertoggenburg klar ein Nachteil ist, hinkt die Pistenpräparierung auf einigen Streckenabschnitten im Toggenburg spürbar hinterher.

Beim Angebot für die einfache, skitagtaugliche Pisten-Gastronomie – auch für Familien – hat das Toggenburg allerdings die Nase vorne. Da gibt es doch in der Aletsch-Arena beliebte und hoch frequentierte Bergbeizli, welche umstellen und das aus finanzieller Sicht gesehen obere Segment der Skitouristen anvisieren. Sie glauben tatsächlich daran, dass reiche Russen und Chinesen und Italiener die grossen Noten flattern lassen und den teuren Champagner und Wein für sage und schreibe bis zu vierstelligen Frankenpreisen pro Flasche kredenzen. Die Beizen sind halbleer. Man ist hier nur zweimal Gast: ein erstes und ein letztes Mal. Diesbezüglich punktet klar das Toggenburg.

Was die Bahnen in der Aletsch-Arena nun aber definitiv gecheckt haben, ist, dass sie nur überleben können, wenn sie alle zusammenspannen und gemeinsam innovativ sind. Diesbezüglich hat das Obere Toggenburg noch sehr viel Nachholbedarf.

Wie wäre es mit einem Hearing der Aletsch-Arena und der Toggenburger? Jeder kupfert vom andern das Positive an – und schon würde für beide die Zukunft rosiger aussehen.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.