Der Pensionär alleine und mit Hungergefühlen als Strohwitwer zu Hause. Der letzte Kochkurs liegt schon lange zurück und das Gelernte reicht gerade noch für das Aufschneiden eines Suppen- und Würstchenbeutels sowie das Öffnen der Salat-Fertigsaucenflasche. Der Kühlschrank ist zwar voll mit leckeren Verwöhn-Häppchen und die Schubladen beim Kochherd mit allen möglichen, unmöglichen und kurligen Küchenhilfen. Und Fastnacht ist auch noch. Hu ä Lotsch.

Da kann man sich ganz alleine und unbeobachtet als Fünfsternekoch behaupten. Die Kreationen müssen oder dürfen danach selber verköstigt und die Wirkungen verantwortet werden. Das Problem: Infolge der bei Pensionären bekannt fehlenden Zeit bleibt nichts anderes übrig als die, so wird angenommen, Fünfsterneinhalte aus Büchsen und Beuteln zu nehmen und zu hofften, sich auf die zahlreichen Küchenhilfen verlassen zu können.

Doch das öffnen von Büchsen mit den elenden kleinen Ringverschlüssen ist so eine Sache. Das Resultat waren geschundene Finger und eine Riesensauerei in der Küche – und der Inhalt klebte immer noch in der Büchse. Ein handelsüblicher Büchsenöffner passte nicht mehr, um die lädierte Dose zu öffnen. So blieb nur noch das gute Militär-Sackmesser aus dem Wanderrucksack, um das Blechding aufzuhebeln und -würgen.

Logisch, dass danach mit schmutzigen und blutigen Fingern Türgriffe und Kastentüren mit moderner Indoor-Kunst dekoriert wurden. Die Sauerei in der Küche war noch grösser und die Suche nach Wundsalbe und Pflaster sowie die fachgerechte Selfmade-Verarztung kosteten Zeit.

Derweil hatte sich das Wasser in der heissen Pfanne verflüchtigt und die Bockwürstli klebten samt Plastikhülle darin. Kurz vor dem Abfackeln der Küche dann doch noch den Turnaround als Fünfsternekoch. Dies mit neuen Büchsen, neuen Pfannen, einem richtigen Büchsenöffner und der Geduld eines Pensionierten.

Immer mit der Hoffnung, ohne die verfluchten Büchsen, verschweissten Beutel und ohne Notfallszenario über die Runden zu kommen. Schutzbrille, Skihelm und Gummihandschuhe waren da angesagt. Das Bild passt zur Fastnacht.

Und das alles nur wegen den unsinnigen, kleinen Büchsen-Ringverschlüssen, die ein normal sterblicher Fünfsterne-Strohwitwerkoch ohne passende Hilfsmittel nicht öffnen kann.

Das Schreiben an die Versicherung würde dann lauten: „Infolge der Unkenntnis eines eher grobmotorischen Fünfsternekochs bei der Anwendung von Küchenhilfen, um Ravioli aus der Büchse zu quälen, erlaube ich mir, die Rechnungen für einen neuen Kochherd, ein neues Pfannenset und den Komplett-Neuanstrich der Küche, zwecks Begleichung derselben Ihnen zukommen zu lassen.“

En Guete. Hu ä Lotsch. Und alles ohne Plastikbeutel und Dosenringe.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.