Eigentlich ist ja das ganze Jahr Ausverkauf und die Rabattschlacht mit Schnäppchen, Sonder-, Billig- und Restangeboten dauert zwölf Monate. Nach den Weihnachtstagen ist das aber noch extremer. Vor lauter Prozent- und Tiefpreisschildern in den Schaufenstern, sieht man kam mehr, was überhaupt im Laden angeboten wird.

Ich nehme mal an, dass der wesentliche Unterschied nicht zwingend der Preis der Ware, sondern die reisserische Aufmache oder die Qualität ist. Zudem ist es ja durchaus legal, mit Schnäppchen die Leute in den Laden zu locken. Dies mit der Hoffnung, dass man, weil es ja so billig ist, etwas mehr oder eben zu viel kauft. Egal, ob man es in dieser Menge braucht. Hauptsache billiger.

Nichts für den kleinen Haushalt

Ausgerüstet mit Postizettel, Kühl- und Postitaschen geht es in die Einkaufswelt zum Grosseinkauf. Dies allerdings nur für einen Zweipersonenhaushalt. Als kostenbewusster Konsument wirft man ein geübtes Auge auf mögliche Sonderangebote und Aktionen. Nur ist das für die Wünsche eines eher kleinen Haushaltes nicht ganz so einfach, denn das Angebot ist eingeschränkt.

Auf meinem Postizettel steht: Fleisch. Im Kühlregal dann die Super-Aktionen mit Pouletschenkeln im Zehnerpack, Steaks ebenfalls im Zehnerpack und daneben Gehacktes gleich im Dreikilopaket – und Olmabratwürste, verschweisst im Dutzend-Beutel. Um Himmelswillen, was soll ich im Zweipersonenhaushalt mit all dem Fleisch? Einfrieren macht die Produkte qualitativ nicht besser. Zudem keine Chance, denn das Gefrierfach ist bereits rappelvoll mit den letzten Aktionen.

Auf meinem Postizettel steht: Etwas Süsses. Na ja, da gibt es Baslerleckerli fast in Kartoffelsackgrösse, Glace-Cornets im Riesenmultipack oder Schoggistengeli in Gebinden, so gross wie Schuhkartons.

Das Auge des versierten Posters

So langsam gebe ich den Mut auf, mit Aktionen die Haushaltskosten zu optimieren. Denn die Aktionsangebote gibt es kaum für kleine Haushalte – und das ärgert mich. Ich organisiere doch kein Pfadi-, Cevi- oder Jungwachtlagerlager und kaum jede Woche einen runden Geburtstag. Ich habe auch keine Lust, wochenlang dieselbe Schokolade oder kiloweise Salzstengeli oder Hacktätschli, Wienerli und Steaks aus dem Zweidutzendpaket zu verschlingen.

Warum nur bieten die Grossverteiler nicht auch Vergünstigungen für kleinere Portionen und kleinere Haushalte an, welche ja gemäss Statistiken den Grossteil der Bevölkerung ausmachen? Als versierter Poster – zumindest ich selber glaube das – habe ich herausgefunden, dass es diese Kleinpackungen in kleiner Zahl und versteckt in hinteren Regalen durchaus gibt. Allerdings ist da „der Schnellere der Geschwindere“. Und ich stehe wieder vor dem Entscheid, ob ein Paar Bockwürstli auch reichen oder ich mit dem Zehnerpack Koteletten eine Nachbar-Grillparty organisieren soll.

Zur Not halt teurer

Der neuste Hit sind nun auch Gewürze in Kleindosen. Na endlich. Da muss ich nicht nach einem Jahr Gläser und Büchsen mit eher exotischen, aber doch feinen Gewürzen in zu grossen Gebinden in den Abfall werfen, weil sie abgelaufen sind.

Es geht doch. Ich warte auf die nächsten Angebote. Vielleicht ein wenig teurer, aber ich habe übersichtliche Mengen und nicht Esswaren, die verderben.

Mäni Rüegg*

* = Mäni Rüegg ist aktiver Lokaljournalist in Pension. Seit vielen Jahren beobachtet er das Geschehen in Wil und Umgebung. In der hallowil.ch-Kolumne «Mänis Perspektivenwechsel» nimmt er eine andere Sichtweise ein und berichtet ungeschminkt über Dinge, die einfach mal niedergeschrieben werden müssen.