2020 war wegen der Corona-Massnahmen gar kein Fest möglich gewesen, 2021 einzig das Aufstellen des Maibaums erlaubt. Lange Zeit hatte zudem überhaupt nicht mehr gesungen werden dürfen. Zum Glück hat der Chor diese aussergewöhnliche Zeit recht gut überstanden.

Spektakel

Allein schon das Aufstellen des Maibaums ist jeweils ein Spektakel. Da wuseln grosse Männer in einer Art «Zwergentracht» über den Platz, kaum erkennbar unter dem grossen Hut, der manchem vermutlich selber die Sicht ziemlich beeinträchtigt. Dann kommen einige Männer mit einem veritablen Baumstamm auf den Platz, beklatscht von vielen Zaungästen, die aber gewillt sind, länger zu bleiben.

Vorab ist bereits die mit Bändern geschmückte Baumspitze hereingeführt worden. Nun geht das Aufstellen in einer Art Ritual vor sich. Letztes Jahr hatte dies nur in ganz eingeschränktem Rahmen vor sich gehen dürfen. Ein Eindruck von diesem Tag kann hier nochmals nachgelesen werden.

Als der Maibaum aufgestellt und befestigt worden war, trat der «Major» - Ehrenpräsident Felix Grünenfelder - ans Mikrofon. Er hielt eine kleine «Kurzpredigt», in welcher er den Maibaum der Dogge auf dem plätschernden Dorfbrunnen als einer Art Schutzpatronin anbefahl. Zudem verriet er, dass am 31. Mai 1931 – die wenigsten werden sich allerdings daran erinnern können! – bei einem Untertoggenburger Sängerfest rund 800 Männer auf dem Platz gesungen, getrunken und gefestet hätten. Welche Lieder die wohl damals gesungen haben?

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«Major» und Ehrenpräsident Felix Grünenfelder rief alte Zeiten ins Gedächtnis und befahl den Maibaum der Dogge auf dem Dorfbrunnen an. 

Aufwendige Infrastruktur

Auf dem Dorfplatz stand diesmal ein Zelt, dazu kamen eine Art Bar, ein Vorverkaufsstand und ein weiterer Verpflegungsstand, alles überdacht. So könnte auch gefeiert werden, würden die Wettervorhersagen sich bewahrheiten. Doch die Veranstalter hatten Glück. Es gab nur vereinzelt und ganz leise ein paar Tropfen.

Ein Bier, das macht den Durst erst schön...

Bier macht vielen Menschen Freude, ist ein Naturprodukt, für dessen Herstellung nur die allerbesten Zutaten – insbesondere auch das Wasser!- gut genug sind. Philipp Alder hat sich in dieses Metier vertieft und nun auch für das Maibaumfest 140 Liter erstklassiges Maibaum-Bier gebraut. Es ist ein untergäriges Amber-Bier mit einem Alkoholgehalt von ca. 6,2%. Das Getränk fand reissenden Absatz, sodass pünktlich zu Festende um 22:00 Uhr auch das letzte Tröpfchen ausgetrunken war. So muss für die nächsten Proben wohl neues gebraut werden – oder die Männer nehmen mit den handelsüblichen Angeboten vorlieb.

Kinderprogramm

Wer mit Kindern, gerade mit kleinen, an so ein Fest geht, weiss, wie schnell es diesen langweilig wird. Die «Grossen» schwatzen und schwatzen, die Kleinen sollen brav dasitzen. Entweder gibt es dann «Action» für die Kinderchen – oder sie fangen an zu quengeln. Das wollte der Männerchor nicht riskieren, sondern bot die «Jungschi» auf. Schon bald sassen Mädchen am Zeichentisch, staunten Buben beim Feuermachen auf Neandertaler-Art und versuchten selber, mit einem Knäuel Holzwolle und einem Stab Feuer zu machen. Man sah sofort, dass die Jungschi-Leiter genauso Spass am «Füürle» hatten wie die Kinder rundherum. So bekam das Maibaumfest auch eine generationenübergreifende Note.

Gesang gehört dazu

Im ersten Block lud der Männerchor alle anwesenden Männer aus dem Kreis der Zuhörerschaft zum Mitsingen ein. Der Andrang hielt sich allerdings in Grenzen. Mit dem von Dirigentin Heidy Gerber arrangierten Sängergruss, dem «Siloballeblues» und – natürlich! –, mit dem passenden Lied «Bier, das macht den Durst erst schön» wurde das Fest eingeläutet. Da der Verkehr jedoch weiterhin nahe dem Festplatz durchrauschte, waren die Lieder hie und da etwas verzerrt zu hören. Aber das tat der Festfreude keinen Abbruch, denn Fans des Chors wissen ja, wie gut dieser tönt, wenn der Raum akustisch passt.

Freundschaft fürs Leben

Der Jodlerclub Uzwil und der Männerchor Frohsinn sind sich seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden. Die Jodler trugen denn auch am späteren Nachmittag im Zelt – während es draussen zeitweise etwas tröpfelte – immer mal wieder ein paar ihrer klangvollen Heimatlieder vor. Der Jodelgesang berührt ganz viele Menschen bis heute, wenn auch das in ihren Liedern besungene beschauliche Leben weitgehend verschwunden ist. Es sind wohltuende Harmonien, die vereinen.

Zwischen den einzelnen Blöcken unterhielt die Pläuschler-Musig mit «Tätschmeister» Hansueli Solenthaler das immer zahlreicher eintreffende Publikum mit schmissiger Musik im Egerländerstil. Zwischendurch sangen Robert Häberli und dessen Tochter Céline beliebte Hits. Mit dabei war auch DJ Thomso.

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Robert Häberli und Tochter Céline sangen verschiedene Hits, unterstützt von der «Pläuschler-Musig Oberuzwil». Hinten rechts DJ Thomso. 

Wer sich näher für den bereits 101-jährigen Jodelclub Uzwil interessiert, kann in der äusserst gediegenen Festschrift – erstellt von Norbert und Brigitte Lenherr-Blumer – viele interessante Begebenheiten nachlesen.

Volksfest

Das Maibaumfest ist zu einem richtigen Dorffest geworden. Zwischen 300 bis 400 Leute kamen im Lauf des Nachmittags und Abends auf den Dorfplatz. So genau weiss an das allerdings nicht, denn an derartigen Anlässen gibt es – zum Glück! – keinerlei Eingangskontrollen. Solche Angebote stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das wurde zu Corona-Zeiten denn auch von vielen schmerzlich vermisst.

Wettbewerb

Auch ein Wettbewerb wurde angeboten. In den drei Fragen ging es natürlich um den Männerchor. Der VOLG, die Metzgerei Willi und die Bäckerei Wagner sponserten schöne Preise. Den Geschenkkorb vom VOLG durfte Barbara Solenthaler in Empfang nehmen. Den Wurststrauss erhielt Susanne Bösch. Und der feine Wagner-Biber ging an Silvia Nef. Leider gibt es kein Bild der drei glücklichen Frauen. Hier gingen also die Männer leer aus. 49 Leute nahmen am Wettbewerb teil.

Hinter den Kulissen

Die Festgemeinde sieht an so einem Fest nur einen Teil der ganzen Arbeit. Doch die Vorbereitungen sind recht umfangreich. Da muss erst mal der Baum neu geschmückt werden. Dies haben Marlene Künzle und Corina Deamoli bei Künzles zuhause getan. Für den Baum braucht es einen stabilen Ständer, von Gärtnerei Nützi zur Verfügung gestellt. Stände müssen aufgestellt werden, Essen herangeschafft, Bier gebraut werden...

Zum Glück können die Oberuzwiler Vereine immer auf Mithilfe von den Vereinen verbundene Personen zählen. Auch nach dem Fest ist nicht einfach Schluss. Aus zuverlässiger Quelle war zu erfahren, dass das bis 22:00 Uhr vorgesehene Fest dann doch noch ein paar Viertelstündchen länger gedauert habe. Am Sonntagmorgen traten die Männer schliesslich nochmals an, um alles wieder zu versorgen. Nur der Maibaum darf noch bis zum 28. Mai 2022 auf dem Dorfplatz stehenbleiben.