Er ist der zweite Dirigent der „Regimentstochter“. Für Marcel Blanchar sind die zeitlichen Abstände seiner Vorstellungen eine Herausforderung, denen er sich mit guter Vorbereitung stellt. Mit sechs auf sicher geplanten Einsätzen sieht er seinen Einsatz lohnend. Die Wiler Inszenierung gefällt Blanchard ausnehmend gut, Regina Heer habe ganze Arbeit geleistet.Marcel Blanchard ist in Wil zwar ein unbekannter Name. Dennoch war Eugen Weibel, Präsident von MUSIKTEHATERWIL auf ihn zugegangen, um ihm für das Vizedirigat der „Regimentstochter“ zu gewinnen. Er hatte Blanchard in Beinwil erlebt, wo er für die erfolgreichen Produktionen „Gasparone“, „Die Czârdâsfürstin“ und „Maske in Blau“ der musikalische Leiter der dortigen Operettenbühne war. „Eugen Weibel hat mich dort als Dirigent erlebt und wollte mich unbedingt für Wil haben“, freut sich Blanchard. Aber auch Kurt Koller kennt er: „Kurt habe ich während des Studiums in Luzern kennen gelernt“, erinnert er sich.

Eigene Interpretation
Aktuell ist Marcel Blanchard Schulleiter der Musikschule Konservatorium Zürich MKZ in Glattal und wohnt in Pfäffikon ZH. Als Ausgleich leitet er das Kammerorchester „Amici dell’arte“.

Wie geht nun ein Dirigent an eine Produktion heran, in welcher er „nur“ der zweite Dirigent ist?

Zuerst erarbeitete Blanchard seine eigene Interpretation anhand der Partitur, studierte diese, bis sich ein klangliches Bild in seinem Kopf entwickelt hatte. Erst dann schaute er, wie allenfalls andere Interpreten mit einzelnen Stellen umgegangen sind. „Wobei ich natürlich mein Temperament auch nicht verleugnen konnte“, schmunzelt er.

Immenser Aufwand
Mit seiner eigenen Vorstellung ist er dann an die ersten Regimentstochter-Proben gegangen. „Da ich als Vize-Dirigent wenige Aufführungen dirigieren werde, ist es klar, dass ich mich versuchte, möglichst an Kurt‘s Interpretation anzugleichen“, erläutert Blanchard die Probenarbeit. Als Vizedirigent ist er quasi der Springer. Dirigiert also immer dann, wenn Kurt Koller verhindert ist. Da aber eine Operneinstudierung einen immensen Aufwand bedeutet, hat er sechs Aufführungen auf sicher.

Die zeitliche Distanz der einzelnen Aufführungen ist eine grosse Herausforderung. „Das Bühnengeschehen entwickelt sich von Vorstellung zu Vorstellung, und wenn der Dirigent dazwischen einen Monat Pause hatte, so muss er extrem auf der Hut sein.“ Bei einem so aktiven Bühnenensemble wie in Wil ist dies grad nochmal herausfordernder.

Keinen Moment langweilig
Die Wiler Inszenierung gefällt ihm ausnehmend gut: „Regina Heer hat ganze Arbeit geleistet“, resümiert er. „Natürlich verlangt diese intensive Inszenierung von den Solisten und vor allem vom Chor sehr viel ab“, erläutert Blanchard seine bisherigen Erfahrungen. Fehlender Sichtkontakt und viele bewegte Chorszenen seien nicht immer der musikalischen Präzision förderlich. „Dafür lebt aber die Oper und es wird keinen Moment langweilig“.

Der Aufführungsabend beginnt für Blanchard bereits 90 Minuten, bevor er den Taktstock zur Ouvertüre erhebt. Eine Stunde vor Vorstellungsbeginn führt er mit dem Chor ein leichtes Einsingen durch, anschliessend zieht er sich gerne zurück und bereitet sich im Stillen vor. „Da liegt das „Jägerstübli“ leider nicht drin“, bedauert er. Doch in der Pause oder nach der Vorstellung sucht er dort gerne den Kontakt zu den Wilern und geniesst die entspannte und kollegiale Atmosphäre dort.

Weitere Vorstellungen bis 24. März 2018 siehe www.musiktheaterwil.ch