Das Ergebnis der Schulratswahl im letzten September war eine Überraschung. Marion Harzenmoser erreichte als «politisch unbeschriebenes Blatt» 1667 Stimmen und damit 38 Stimmen mehr als der seit acht Jahren amtierende Schulratspräsident Daniel Wyder. Ein eigentlicher Angriff auf Daniel Wyder war nicht geführt worden. Auch Marion Harzenmoser hatte ihm keine konkreten Vorwürfe gemacht. Umso mehr interessiert, inwiefern sich die Schule Uzwil verändern soll.

hallowil.ch: Marion Harzenmoser, was hat Ihnen in der Einstiegszeit ins Amt als Schulpräsidentin am meisten Freude bereitet?

Marion Harzenmoser: Besonders freut es mich, dass der Betrieb reibungslos läuft. Der grosse Wechsel an der Spitze war im Schulalltag nicht spürbar. Sehr geschätzt habe ich das grosse Wohlwollen, mit dem mir alle Personen im neuen Umfeld begegnet sind. Es macht Freude, so zu arbeiten.

hallowil.ch: Gibt es Bereiche, in denen Ihre Erwartungen nicht erfüllt wurden? Haben Sie schon Enttäuschungen erlebt?

Marion Harzenmoser: Erwartungen konnten insofern nicht enttäuscht werden, als ich nicht wusste, was auf mich zukommt und deshalb ziemlich erwartungsfrei war. Betrüblich ist, dass sich Reto Wild aus gesundheitlichen Gründen gezwungen sah, aus dem Schulrat zurückzutreten.

hallowil.ch: Für die folgenden Fragen bilden Ihre Zielformulierungen aus dem Wahlkampf die Grundlage. Sie sagen dazu, was schon verwirklicht ist und was im Lauf der Amtsdauer folgt: «Mein grosses Potential liegt in der Innovation ohne Bewährtes zu verändern.»

Marion Harzenmoser: Wichtig ist mir der Nachsatz, ohne Bewährtes zu verändern. Was gut ist, muss man nicht neu erfinden. Innovation in meinem Amt: Ich möchte als Inspirator wirken, Impulse geben, wo es nötig ist, den Rücken stärken.

hallowil.ch: Sie wollen den Lebensraum Schule attraktiv, wertschätzend, respektvoll und fair gestalten.

Marion Harzenmoser: Diesbezüglich treffen wir uns im Führungsgremium und formulieren Zielsetzungen zu unseren Visionen. In der Pflicht ist neben dem Schulrat die Schulleiterkonferenz. Es geht darum, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Um ein Detail herauszugreifen, könnte ich mir vorstellen, dass es im Umfeld der Schulanlagen ein bisschen «grüner» würde oder dass mehr Unterrichtsstunden im Freien stattfinden könnten.

hallowil.ch: Zum Stichwort «motiviertes Lernen und Lehren» fordern Sie beispielsweise die natürliche Neugier zu erhalten oder lebensnahe Lerninhalte.

Marion Harzenmoser: Ich bin mir bewusst, dass dies Ziele für motivierte Lehrpersonen sind. Als Schulrat können wir nur inspirieren und animieren.

hallowil.ch: Wo sehen Sie konstruktive Kooperationen, um Ressourcen optimal zu nutzen, den Austausch mit anderen Schulen zu pflegen?

Marion Harzenmoser: Ich denke an den Austausch zwischen Fachpersonen und Arbeitsgruppen der Schulanlagen innerhalb der Gemeinde. Gut angelaufen ist das Engagement der Schulrätin Ramona Zahner. Als zuständiges Schulratsmitglied für den Fachbereich Informatik ist sie im Kontakt mit allen Schulanlagen. Kontakte lassen sich auch über Gemeindegrenzen hinaus pflegen. Wir werden uns nicht scheuen, gute Ideen aus anderen Schulgemeinden aufzugreifen.

hallowil.ch: Was gehört für Sie zu einer unterrichtsfreundlichen Infrastruktur?

Marion Harzenmoser: Hier möchte ich als Beispiel nochmals den Bereich Informatik anführen. Die Arbeitsgruppe ist an der Arbeit und auf gutem Weg. Erste Veränderungen werden im nächsten Semester spürbar sein. Bis 2025 sollen alle Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse der Primarschule bis zur 3. Oberstufe mit elektronischen Geräten ausgerüstet sein.

hallowil.ch: Wie erreichen Sie ein transparentes Schulmanagement?

Marion Harzenmoser: Für mich heisst das, dass meine Türe immer offen ist und dass ich ein offenes Ohr für alle habe. Natürlich gibt es auch andere Ansprechpartner. In den Schulanlagen sind das die Schulleiter. Transparenz ist wichtig. Untereinander muss ein Austausch stattfinden.

Hallowil.ch: Wo sehen Sie Handlungsbedarf bei den flankierenden Schulangeboten?

Marion Harzenmoser: Das Familienzentrum steht seit Oktober letzten Jahres. Wir sind daran, das Haus mit Leben zu füllen. Bis im Herbst sollen alle Angebote unter einem Dach zusammengefasst sein.