Das Martini-Forum des Jung-Unternehmer-Zentrums (JUZ) Flawil ist bereits zum 16. Mal durchgeführt worden. Am Freitagmorgen haben sich rund 100 Personen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik im Lindensaal in Flawil eingefunden. Nach dem gemeinsamen Frühstück standen diesmal Ausführungen von Marcel Dobler im Mittelpunkt. Der FDP-Nationalrat aus Rapperswil-Jona war Gründer des Informatik-Unternehmens digitec. Er hat die Firma 2014 mit 450 Mitarbeitern verkauft. Heute ist er Mitbesitzer und Verwaltungsrat der Spielwarenfirma Franz Carl Weber. Hier sieht er sich in der Pflicht als Sanierer.

Motivation, Mut und Leidenschaft

Wie manche grossen Ziele lassen sich auch die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Unternehmertum leichter formulieren als umsetzen. Marcel Dobler drückt sie auf seiner Homepage so aus: «Ein erfolgreiches Berufsleben basiert auf Motivation, Mut, Hilfsbereitschaft und Leidenschaft sowie einem guten Ausgleich. Meine Motivation war nie Geld zu verdienen, sondern es besser als die anderen zu machen, im Berufsleben genauso wie in der Politik und im Sport. Eine gesunde Fehlerkultur und viel Leidenschaft treiben mich an, gesetzte Ziele zu erreichen.»

Die Ausführungen von Marcel Dobler am Martiniforum zeigten dann, dass der Teufel wie so oft im Detail steckt. Beziehungsweise, dass der Erfolg von unzähligen kleinen, mit unermüdlichem Einsatz richtig gesetzten Schritten abhängt. Eine grundlegende Voraussetzung ist auch, seine Fähigkeiten und Möglichkeiten richtig einzuschätzen und einzusetzen. So war Marcel Dobler auch als Sportler sehr erfolgreich und brachte es in der Leichtathletik und im Bobsport zu Schweizermeisterehren. In den leichtathletischen Disziplinen sei er überall gut, aber auch zu wenig gut gewesen. Deshalb habe er sich beispielsweise nicht auf den 100-Meter-Lauf oder den Weitsprung konzentriert, sondern erkannt, dass für ihn im Zehnkampf Lorbeeren zu holen seien.


Zur rechten Zeit am rechten Ort

Humorvoll und gespickt mit witzigen Anekdoten zeigte Marcel Dobler dann auf, dass ihm und seinen beiden Kollegen bei der Gründung von digitec, eines Unternehmens im Onlinehandel für Unterhaltungselektronik, neben den erwähnten Voraussetzungen und Qualitäten auch eine Portion Glück zustatten gekommen sei. Das Trio, damals noch im Studium, hat Entwicklungen gespürt und Marktlücken erkannt und war so den vorhandenen Anbietern in der Elektronikbranche eine Nasenlänge voraus.

«Wenn Ihre Kinder gamen, brauchen Sie nicht schwarz zu sehen, ihr Nachwuchs kann es trotzdem zu etwas bringen.» Mit dieser Feststellung schilderte Marcel Dobler, wie am Anfang seiner Bekanntschaft mit Oliver Herren und Florian Teutenberger keine geniale Geschäftsidee, sondern lediglich gemeinsames Gamen gestanden habe. Um sich dafür das nötige Geld zu beschaffen, habe man begonnen, für Verwandte und Bekannte elektronische Geräte zusammen zu bauen.

Weil andere Anbieter den Eintritt des Internets verschlafen hätten, seien sie in diese Lücke gesprungen. Durch kontinuierlichen Auf- und Ausbau hatte digitec beim Austritt von Marcel Dobler über eine Million Kunden, 450 Mitarbeiter, neun Filialen, 50'000 Besucher täglich im Online-Shop und 3000 Besucher in den Läden. Zu diesem Ergebnis hat nach den Ausführungen des Referenten auch ein ausgeklügeltes Beschaffungs- und Preisgestaltungssystem beigetragen. Vorgängig der Ausbauschritte habe man Tests gemacht und Fehler rasch korrigiert.


Motivierte Mitarbeiter

Eine zentrale Rolle spielen die Mitarbeiter. Zum einen müssen sie ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt werden. Er selber habe, ohne es eigentlich beabsichtigt zu haben, die Funktion des Finanzchefs übernehmen müssen, weil sein Kollege die notwendige Zuverlässigkeit habe vermissen lassen. Entscheidend seien auch Führung und Wertschätzung der Mitarbeiter. «Was man gibt, kommt zurück,» sagte Dobler und veranschaulichte es an einem Vorfall. Nach Arbeitsschluss sei einmal eine Mitarbeiterin von einer Leiter gefallen und habe mit ihrem Sturz in einem Dominoeffekt das ganze Lager übereinander fallen lassen. Am anderen Morgen hätten die Kunden wie gewohnt einkaufen können, weil alle Mitarbeiter, auch zusätzlich aufgebotene, bereit gewesen seien, bis nachts um drei die Schäden zu beheben.