Die sogenannte Grisaille-Malerei erinnert an die Wirkung von Schwarz-Weiss-Fotografien, die Abwesenheit von Farbe erhöht dabei die Wirkung der Formen und erzeugt nuancenreiche Kontraste. Eine Blütezeit erlebte diese Malerei im Mittelalter, wie verschiedene Quellen belegen, so etwa das Online-Nachschlagewerk Wikipedia.

Es sind etwa historische Glasfenster aus Klöstern in dieser Maltechnik bekannt. Gemäss Ordensregeln sollten die Fenster möglichst wenig von der Frömmigkeit ablenken, daher wurde auf Farben verzichtet.

Räumliche Wirkung

Grisaille ist vom französischen Wort Eintönigkeit abgeleitet. Die Palette dieser Malweise besteht ausschliesslich aus Grau-, Weiss- und Schwarztönen. Damit gelingt es den Malenden eine räumliche Wirkung zu erzeugen. Bereits zur Zeit der Römer wurde diese Technik eingesetzt, um die Illusion von Steinreliefs hervorzurufen.

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Dekoratives Detail in der Grisaille-Technik an einer Liegenschaft in der Marktgasse. 

Kunsthistorisch bedeutende Meister verschiedener Epochen wie etwa Matthias Grünewald, Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijen, Edgar Degas und Pablo Picasso haben ihrerseits mit dieser Maltechnik gearbeitet. Die reine Darstellung von Hell und Dunkel und die Abwesenheit von Farbe faszinierte sie. Rötelzeichnungen sowie Sepiamalereien sind mit Grisaille verwandte künstlerische Techniken, auch sie verzichten auf das Spektrum der Farben.

Vorbilder in der Antike

In verschiedenen Epochen wurde diese Maltechnik unterschiedlich eingesetzt. Ab der Mitte des 15.Jahrhunderts wurden die Schriften der Denker der Antike populär. Die Wiederentdeckung der Wurzeln der europäischen Kultur drückte sich in der Bezeichnung Renaissance aus.

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Mit geschicktem Einsatz von Licht und Schatten wird eine 3-dimensionale Wirkung erzeugt.  

Die Sichtweise auf das Staatswesens sowie auf die Literatur, die Musik und die Architektur änderten sich. Harmonische Ausgewogenheit wurde zur Richtschur, basierend auf den Erkenntnissen der Denker in Griechenland und Rom. Dass etwa die Harmonien in der Musik auf mathematischen Verhältnismässigkeiten beruhen, wurde auch auf die Malerei, die Bildhauerei und die Baukunst übertragen. Entsprechend orientierten sich Motive, Formen und Darstellungsweisen an antiken Vorbildern.

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Meisterhafter Einsatz der Grisaille-Technik im Wiler Baronenhaus. 

Im 19. Jahrhundert wurde durch entsprechenden archäologischen Ausgrabungen die Antike ein weiteres Mal populärer, wiederum nahmen sich verschiedene Künstler und Architekten ihre Vorfahren in Griechenland und Rom zum Vorbild. Diese Phase wird in der Kunstgeschichte als Neorenaissance bezeichnet. Auch damals entstanden verschiedene Werke im Grisaille-Stil.

Verbannung der Bildnisse

Die Renaissance um 1500 fiel zeitlich mit der Reformation zusammen, die bildnerische Werke aus den Gotteshäusern verbannte. Sie sollten nicht länger die Gläubigen von Gottes Wort ablenken. Bilder und Statuen von Heiligen galten für die Reformatoren als Götzenanbetung. In der Folge wurden damalige Künstler für die Kirchen zum Teil mit ornamentalen Darstellungen im Grisaille-Stil beauftragt.

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Ausschnitt aus einem Altarbild des Renaissance-Künstlers Matthias Grünewald  (1480-1530) in der Grisaille-Technik. 

Auf die Reformation folgte als Gegenreaktion der Barock mit üppigen Formen und leuchtenden Farben. Entsprechend wurden auch die Grisaille-Bildnisse und -Ornamente monumentaler und nuancenreicher.

Zweite Besinnung auf die Antike

Die schwülstigen Darstellungen des Barock wurden vom eher verspielt wirkenden Rokoko abgelöst, was sich auch im entsprechenden Grisaille-Stil ausdrückte, auch in der Porzellanmalerei, die damals sehr en vogue war.

Das Rokoko seinerseits wurde vom sogenannten Historismus abgelöst. Er griff frühere Stile auf, unter anderem die Antike, woraus die bereits erwähnte Neorenaissance entstand.