Die Migros schreibt von einem «nationalen Pionierprojekt», welches sie mit dem Plastik-Sammelsack vorantreibe. Ab kommendem Montag wird dieser in der Zentralschweiz lanciert und soll im Frühjahr 2021 dann auch in der Ostschweiz und der Region Wil angekommen sein. Der Ablauf ist so geplant: Die Säcke können in drei Grössen gekauft werden und kosten zwischen 90 Rappen und 2,50 Franken pro Stück. Volle Säcke sind an Rücknahme-Stellen der Migros-Filialen wieder abzugeben.

Das landesweit gesammelte Plastikmaterial wird in Eschlikon bei der Firma Inno Recycling sortiert. Danach bleibt das Material im Hinterthurgau und wird von der Inno Plastics AG rezykliert. Es entstehen Granulate, welche in der Migros-Industrie wiederverwendet werden. «Damit reduziert die Migros den Anteil an neuem Plastikmaterial signifikant und trägt dazu bei, die Umwelt zu schonen», schreibt die Detailhändlerin. Sie will künftig in ein Sortierwerk für gemischten Plastik investieren.

«Es wird keine Verlierer geben»

Auch wenn die Migros von Pionierarbeit spricht: In der Region Wil ist das freilich nicht neu. Denn seit fünf Jahren gibt es mit dem so genannten Kuh-Bag ein ähnliches System. Teilweise ist man schon einen Schritt weiter. So werden die gefüllten Plastik-Sammelsäcke auf dem Gebiet der Stadt Wil abgeholt und müssen nicht mehr zur Sammelstelle gebracht werden, während Letzteres in anderen Gemeinden noch nötig ist. Dafür verantwortlich ist der Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB). Dieser hat vergangenes Jahr zusammen mit dem Verband KVA Thurgau mit Privatentsorgern die Ausweitung zu einem «Kuh-Bag-Schweiz» diskutiert. «Nun ist einer dieser Privatentsorger eine Kooperation mit der Migros eingegangen. Wir können den Ansatz nachvollziehen und sind überzeugt, dass auch diese Variante funktionieren kann», sagt Claudio Bianculli, Vorsitzender der ZAB-Geschäftsleitung.

Auf den ersten Blick erstaunlich: Beim ZAB geht man nun nicht davon aus, dass wegen dem Migros-Sammelsack das eigene Volumen abnehmen wird. «Wir rechnen damit, dass in der Summe mehr Personen und Haushaltungen die Kunststoff-Sammlung annehmen und umsetzen. Ich glaube nicht, dass es Verlierer gibt. Die Kunststoff-Sammlung wird gewinnen», sagt Claudio Bianculli.

Kuh-Bag: Sammelmenge in fünf Jahren verdoppelt

Vor fünf Jahren hat der ZAB mit der Sammlung von gemischtem Kunststoff begonnen. Ein Kilogramm Kunststoff pro Einwohner und Jahr kam damals zusammen. Gemäss einer ersten Hochrechnung für das laufende Jahr 2020 dürfte sich die Menge heuer auf 2 Kilogramm pro Einwohner verdoppeln. Da das Einzugsgebiet des Kuh-Bags zwischenzeitlich erweitert wurde, sind schon rund 500'000 Einwohner mit diesem System vertraut und werden dieses Jahr rund 1000 Tonnen Kunststoff-Sammelgut erreichen.

Auch der ZAB leitet den gesammelten Kunststoff zur Inno Recycling nach Eschlikon weiter, von wo das Material in verschiedene Sortierwerke in Österreich und Deutschland gegeben wird. Der stofflich verwertbare Anteil geht dann auch zur Inno Plastic, um Granulat herzustellen – und dann in die KVA Weinfelden oder zum ZAB Bazenheid in die Thermischen Anlagen.

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Ein 60-Liter-Sack des Kuh-Bags vom ZAB Bazenheid.