«Es braucht einen langen Atem», sagt Regio-Wil-Präsident Guido Grütter, wenn er über den so genannten Entwicklungsschwerpunkt Wil West spricht. Auf dem Gebiet zwischen Wil, Münchwilen und Sirnach sollen ab dem nächsten Jahrzehnt zwischen 2000 und 3000 Arbeitsplätze entstehen. Die Planungen laufen schon geraume Zeit – und werden immer konkreter. Seit der Bund im Spätsommer dieses Jahres zugesichert hat, dass er bereits ist, rund 37 Millionen Franken in das Wiler Agglomerationsprogramm und somit auch in Wil West zu investieren, kann die Umsetzung in Angriff genommen werden.

Bis die Bagger auffahren, wird es zwar voraussichtlich noch rund fünf Jahre dauern. Schon viel früher soll ein Verein gegründet werden, der momentan noch den schwerfälligen Arbeitstitel «Standort- und Wirtschaftsorganisation» trägt. Er ist direkt an den Verein Regio Wil, der für das Agglomerationsprogramm verantwortlich zeichnet, angelehnt und hat zum Ziel, Firmen nach Wil West zu locken. «Die Welt muss wissen, dass die Region Wil ein bedeutender Wirtschaftsstandort ist», sagt Grütter.

Warum ein neuer Verein nötig ist

Es stellt sich aber die Frage, wofür ein neuer Verein gegründet werden muss, wo es doch schon Regio Wil gibt. Die Antwort ist in der Geschichte der bereits bestehenden Organisation zu suchen. Regio Wil ist für die Raumplanung verantwortlich und nicht für die Wirtschaftsförderung. «Zuerst wollten wir alles in einem Verein machen. Dann haben wir aber gemerkt, dass es schwierig wäre, die Identität aufzubohren», sagt Grütter. Während die Regio Wil hauptsächlich aus Gemeindevertretern besteht, soll der neue Verein von Unternehmern getragen sein. «Mit einer gemeinsamen regionalen Wirtschaftsidentität und einem eigenständigen Profil sollen die Stärken der Region nach innen und aussen geltend gemacht werden», schreibt die Regio Wil in einer Mitteilung.

Zur Erarbeitung der Grundlagen für die Organisation, den Betrieb und die Finanzierung des neuen Vereins wurde eine Begleitgruppe aus Vertretern der Wirtschaft, der Gemeinden, der Kantone St. Gallen und Thurgau sowie der Regio Wil eingesetzt. Letztere soll für den Leistungsauftrag der neuen Organisation verantwortlich sein. Der finanzielle Anschub hätte durch die Regio Wil zu erfolgen – also durch die Politischen Gemeinden und somit die Steuerzahler. Regio-Wil-Präsident Grütter hofft, dass ab dem Jahr 2021 Wirtschaftsorganisationen die Kosten des neuen Vereins decken. Ob der Verein auch wirklich gegründet wird, entscheiden die Regio-Wil-Delegierten an ihrer nächsten Versammlung am 22. November im Kirchberg.

Interessenten haben sich bereits gemeldet

Doch welche Unternehmen sollen nach Wil West gelotst werden? «Das müssen wir derzeit noch offenlassen. Allerdings werden es keine Hornbachs sein. Wir haben viele Fachkräfte in der Region Wil. Es geht also Richtung Innovation», sagt Grütter. Manch einer fragt sich, ob es überhaupt realistisch ist, so viele Firmen in den Westen der Stadt Wil zu locken. Immerhin tut man sich andernorts schwer, geplante Gewerbeparks in die Realität umzusetzen. «Es gibt in der Schweiz viele Beispiele, die zeigen, dass es klappt. Allerdings werden die Firmen nicht von heute auf morgen da sein. Das braucht zehn, zwanzig oder dreissig Jahre. Und vor allem braucht es eine gemeinsame Organisation, welche das Vorhaben trägt.

Unternehmen, die sich in Wil West ansiedeln wollen, können ihr Interesse bereits jetzt bei Grütter anmelden. Für Verträge ist es allerdings noch zu früh. «Wir hatten schon Interessenbekundungen», sagt Grütter.