Thomas Minder, ziemlich genau ein Jahr ist verstrichen seit Ihrer Wahl zum obersten Schulleiter der Schweiz. Ein intensives Jahr.
Effektiv. Nachdem ich mich bis zur Jahreswende besonders in die neue Rolle eingelebt habe, war das zweite Semester geprägt von der Corona-Krise. Viele Medienanfragen erfolgten. Das war einerseits interessant, andererseits intensiv auf einer neuen Ebene. Da aber viele Präsenzveranstaltungen nicht stattgefunden haben, hielt sich die zeitliche Belastung in Grenzen. Das konnte ich problemlos als Schulleiter vor Ort kompensieren.

Am vergangenen Montag begann vielerorts in der Schweiz das neue Schuljahr. Wie erlebten Sie den Start als Oberhaupt aller Schulleiter in der Schweiz?
Bereits mitten in den Ferien erfolgten diverse Medienanfragen. Etwas anspruchsvoll war es, die Vorbereitungen für den Anlass zum Schuljahresbeginn am Montagmorgen an den Telefoninterviews von Radio SRF vorbeizubringen – aber nicht wirklich ein Problem. Es war grossartig, dass wir einen Anlass mit Eltern durchführen konnten.

Im Zusammenhang mit Corona und allfälligen Massnahmen handhaben es aktuell alle Kantone oder gar einzelne Schulen verschieden. Wie beurteilen Sie dieses Vorgehen?
Wir haben uns seitens des Verbandes der Schulleitenden stets für einheitliche Regeln stark gemacht. Gewisse Massnahmen sind nicht nachvollziehbar. Warum müssen im Kanton Jura Schüler der Sekundarstufe II Masken tragen und im Kanton Neuenburg nicht? Beide Kantone hatten zum Zeitpunkt der Beschlussfassung keine erhöhten Fallzahlen. Hingegen ist es nachvollziehbar, dass der Kanton Genf erhöhte Schutzmassnahmen trifft, weil dort die Fallzahlen stark angestiegen sind. Das zeigt, wie verzwickt die ganze Sache ist. Meines Erachtens würde es reichen, die einfachen, bereits landesweit geltenden Regeln einzuhalten.

Wie sieht es in der Schule Eschlikon aus?
Wir setzen die geltenden Regeln des BAG und des Kantons Thurgau um. Jedes Mal, wenn Änderungen der Regeln kommuniziert werden, besprechen wir im Krisenstab der Schule, was das für unsere Gegebenheiten bedeutet, wie wir die Vorgaben umsetzen können und klären allfällige Fragen mit dem Amt für Volksschule. Es braucht keine anderen, besonderen Massnahmen. Es würde auch nichts nützen, wenn wir in Eschlikon etwas noch besser machen wollen würden, als es die allgemeinen Vorgaben schon vorsehen, wenn es rundherum anders gemacht wird. Wir achten sehr darauf, die Distanz zu wahren. Gemäss führenden Virologen soll das die wirkungsvollste Prävention sein. Darum finden beispielsweise unsere Teamsitzungen in Wallenwil in der Aula statt, wo wir weit auseinander Sitzen können. Und wo die Distanz nicht gewahrt werden kann, teilweise bei Elternanlässen, werden Masken getragen werden müssen.