Das Interesse an der Information zeigte sich mit dem beachtlichen Aufmarsch der eingeladenen Teilnehmer. Gehört von energetischem Sanieren hatten wohl die meisten schon, wussten aber wohl wenig, was im Detail dazu gemeint ist. Weil Sanieren und Bauen immer auch mit dem Thema finanzieren zu tun hat, war nach Bankleiter Aldo Kopp der Grund, eine ganzheitliche Betrachtung zu ermöglichen. Als Bank in der Nähe des Kunden könnten sie glaubwürdig und nachhaltig beraten. 

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Ein Vergleich der Kosten bei den verschiedenen Energieträger.

Energieträger mit ökologischem Nachholbedarf
Silvia Gemperle, Leiterin Energie und Bauen bei der Energieagentur St. Gallen, wies eingangs ihrer Ausführungen auf den noch extrem starken Nachholbedarf beim Einsatz alternativer Energieträger hin. Noch immer machten Heizöl und Erdgas mit 52%, bzw. 20% den grössten Anteil aus.

Holz und Fernwärme machten zusammen 12%, Solar gerade 1%. Gegensätzlich zeigen sich die Werte bei Wärmepumpenanwendungen mit 6% und noch immer 9% für Elektroheizungen. 

Energie verschwindet überall hin
Wie wichtig kompetente Beratung ist, zeigt sich darin, dass nicht nur die Energieagentur St. Gallen, sondern auch die Gemeinde Uzwil ein Angebot bietet. Eine grobe Beurteilung des Energieverbrauch ist möglich mit der Berechnung der kWh pro Quadratmeter Wohnfläche. Energetisch gute Wohnbauten erreichen einen Wert zwischen 40 bis 50kWh/m2 (4-5 Liter Öl) beheizte Wohnfläche. Noch immer mittelmässig sind 60 bis 100kWh/m2. Steigt der Wert über 120 bis 150kWh/m2 ist dringend Sanierung angesagt.

Den bestmöglichen Nutzen für energetisches Sanieren zeigt sich darin, zu wissen, wo beim Haus am meisten Energie verschwindet. Der grösste Teil wird über die Hauswände mit 37%, das Kellergeschoss mit 20% abgeleitet. Über die Fenster gehen 12% Energie verloren und das Dach leitet 19%, allfällige Lüftungen 10% Energie ab.

Minergiestandard ist bald nicht mehr Seltenheit. Nach Gemperle sind es in der Schweiz bereits eine Mio. Menschen, welche entweder in einem Minergiehaus wohnen, oder einen Minergiearbeitsplatz einnehmen können. 

10 Schritte für Halbierung des Energieverbrauchs
Nach Gemperle ist das schrittweise Sanieren auch finanziell sinnvoll, um das Ganze tragbar zu halten. Einfach ist der erste Schritt mit der Eingabe der richtigen Heizungszeiten und der Kontrolle der Thermostatventile. Dazu gehört die Prüfung der Wärmeabgabe bei den Heizkörpern und ausserhalb der Heizperiode die Heizung abschalten. Weiter ist die Warmwassertemperatur auf Legionellenschaltung (55-60°) zu halten und richtiges Raumlüften anzuwenden (kurzes Durchlüften). Mit der Führung einer Energiebuchhaltung könne der Fortschritt beobachtet werden.

Im Schritt Sanierung ergeben Fenster mit Dreifachverglasung zusammen mit Leibungsdämmung beste Energiesparwerte. Nächster Schritt könnte die Fassadenisolierung sein, Aussen- oder Innendämmung. Einbau einer Wohnungslüftung und der Ersatz der Heizung unter Anwendung verschiedener Systeme wie Fernwärme, Holzheizung, Wärmepumpe, Solar können folgen. Die Grafik (Bild) zeigt den Kostenvergleich betreffend Unterhalt, Energie- und Kapitalkosten.

Solarenergie mit Speicher
Besteht die Möglichkeit mittels Solarpaneels elektrische Energie zu erzeugen ist nach Gemperle für ein Einfamilienhaus eine Kollektorfläche von 4 bis 7m2, bei Anteil Heizung 10 bis 20m2 nötig. Weil tagsüber meist überschüssige Energie vom Dach kommt, besteht die Möglichkeit der Speicherung über einen Elektroenergiespeicher.

Für optimalen Energieverbrauch ist auch eine Überprüfung der Haushaltgeräte angezeigt. Dazu gehören Kühlschrank, Tiefgefrierer und auch Waschmaschine.

Finanzberatung energetische Modernisierung 
Raphael Helg, Leiter Finanzberatung bei Raiffeisen Uzwil, stellte eingangs die finanziellen Eckwerte für einen Liegenschaftskauf vor. Es gehe um die Einschätzung von Belehnung, Eigenkapital, und Tragbarkeit. Die Faustregel heisse 80% Hypothek, 20% Eigenmittel. Die Tragbarkeit betreffend Zinsen und Amortisation soll um 33% des Einkommens betragen. Weitergehend informierte Helg über die Formen der Amortisationen.

Seitens Raiffeisen stehen sie beratend zur Seite, wie das Wohneigentum finanziell abgesichert werden kann. Raiffeisen biete schweizweit als erste Bank eine Immobilienplattform mit Bestimmung der Energieeffizienzklasse an unter RaiffeisenCasa.ch. Profitieren könne der Kunde weiter von der energetischen Immobilienbewertung von Raiffeisen (eValvo). Die Kundenberater von Raiffeisen Regio Uzwil bieten Beratungen betreffend Finanzierung der energetischen Modernisierung. 

Förderbeiträge nutzen
Silvia Gemperle informierte abschliessend über die Fördermittel, welche die Kosten mindern und Anreiz geben für das energetische Sanieren. Als Energieagentur bieten sie Beratungsberichte mit Modernisierungskonzept an, für Ein- und Mehrfamilienhäuser wie auch Werkgebäude. Mit dem Konzept können im Schritt 2 Gesuche um Förderbeiträge eingereicht werden. Im Falle der Umsetzung des Energiekonzeptes der Energieagentur innert zwei Jahren kann mit einem Förderbeitrag gerechnet werden.

Nationale Förderbeiträge gibt es für Photovoltaik-Anlagen. Förderbeiträge richtet auch die Gemeinde Uzwil aus. Weitere Informationen sind über die Energieagentur St. Gallen erreichbar. (www.energieagentur-sg.ch).

Mit einem Apéro riche schloss die Information, angeboten von Raiffeisen regio Uzwil.