Die Corona-Zeit war für viele eine schwierige Zeit. Lohneinbussen, Home Schooling, Jobverlust, Angst vor Erkrankung durch das Virus und andere Unwägbarkeiten brachten das Leben durcheinander. «Corona-Zeiten bieten aber auch positive Elemente. Ein Element ist die Besinnung auf sich selbst, auf die wesentlichen Dinge, auf das, was wirklich zählt», sagt Jürgen Kaesler, ehemaliger Pfarreibeauftragter der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg. Kaesler selbst tat dies, indem er sich mit Kunst beschäftigte. 

Nicht nur coronabedingt liegt eine aufwühlende Zeit hinter dem Bazenheider. Im vergangenen November begannen in der Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg Turbulenzen,  die zu Kündigungen und Rücktritten führten. Auch Kaesler wurde Anfang Juli verabschiedet. 

Entschleunigende Kunst in Corona-Zeiten

Jürgen Kaesler ist gelernter Theologe, «leidenschaftlich gerne» Seelsorger und fünffacher Familienvater. Er habe in letzter Zeit zum Ausgleich zum Arbeitsstress Bilder auf Holz oder auf Leinwand gemalt, so Kaesler. «Kunst bringt einen auf andere Gedanken. Sie entspannt, entschleunigt, wirkt beruhigend und ist ein eminent wichtiger Beitrag zur kulturellen Entwicklung.» Besonders gerne malt Kaesler abstrakt, genauso gerne aber auch figurativ, insbesondere Menschen. Das Thema «Entschleunigung» sei ihm in den letzten Wochen der Corona-Krise wichtig geworden.

Drei Bilder von Jürgen Kaesler:

Bezug zum Religiösen

Auf die Frage, ob sein Kunstschaffen auch mit Religion zu tun hat, sagt Kaesler: «Kunst wurde schon früher durch das Religiöse inspiriert. Oft geht es dabei um Themen, die die Menschen bewegten und auch heute bewegen.» Das könnten Darstellungen von menschlichen Situationen oder von psychischen Abläufen sein, die sich mittels abstrakter Kunst gut ausdrücken liessen. Auch das Thema Entschleunigung sei ein «zutiefst menschliches Thema, ob man nun religiös ist oder nicht», ist Kaesler überzeugt. 

Kunst als Meditation

Beim Malen kann der Seelsorger gut von der Arbeit abschalten und herunterfahren: «Es ist für mich wie eine spirituelle Übung, wie eine Meditation.» Schon durch den Fokus auf ein einziges Thema bringe ihm Kunst eine angenehme Verlangsamung. Denn gerade in der heutigen Zeit müsse «es immer schneller und schneller gehen.» Dabei sieht Kaesler die Gefahr, «dass man die eigene Seele verliert.»

Eine Gefahr, der man am besten entgegenwirke, indem man «zur eigenen Mitte findet», wie es Kaesler ausdrückt. Das könne auf verschiedenen Wegen geschehen. Zum Beispiel durch einen schönen Spaziergang, das Spielen mit den Kindern oder eben das Malen von Bildern. 

Kunst und Kultur fehlt den Menschen  

Dem Seelsorger ist es auch wichtig, auf einen anderen Wert der Kunst hinzuweisen: «Kunst hat verbindende Kraft. Sie bringt Menschen unterschiedlichster Couleur zusammen und kann Brücken zwischen Kulturen und Menschen bauen.» 

Seit der Corona-Krise, die auch dazu führte, dass Kultur weniger zugänglich wurde fehle die Kunst den Menschen, sagt Kaesler. «Die Menschen brauchen Kultur, damit es ihnen gut geht. Die Menschen brauchen Konzerte, Feste, das Zusammensein, miteinander Essen und Trinken, Gelegenheiten, bei denen man das Leben feiern kann.» 

Jürgen Kaesler Texte zu den Bildern in der obenstehenden Galerie: 

«Slow Down»: 

«Du hast viel Stress hinter Dir - viel Stress in Dir. Zeit, herunterzukommen: Slow Down. Den frischen Wind auf der Haut spüren, entspannen, aufatmen. Endlich das Element Wasser wieder spüren und voll an sich ranlassen. Du spürst, wie die Anspannung abfällt, das Wasser prickelt Deine Haut herunter. Endlich kannst Du loslassen. Slow Down and let go!»

«Lady»: 

«Look Forward…

Du hast schon eine gute Wegstrecke Deines Lebensweges hinter Dir. Doch wohin geht Dein Weg? Manchmal musst Du Dich neu orientieren, eine Standortbestimmung machen. Doch vielleicht ist das genau der richtige Weg für Dich. Schaue nach vorne und nimm Deine Zukunft in den Blick. Du bist es Dir wert: Look forward, not behind yourself! Es gibt so viel zu entdecken: Let`s go!»

«Angel of My Life»:

«Du weisst nicht, wie es weitergehen soll. Du sagst:

"Was soll ich nur tun?!" – und plötzlich hebt sich der dunkle Vorhang und Dir wird wundersam geholfen. Sind es die Umstände, ist es eine glückliche Fügung? Licht umstrahlt Dich. Wünschst Du Dir nicht auch Licht, wenn es nicht so hell ist? Es gibt sie, diese Situationen, in denen sich alles klärt und engelsgleich Hilfe kommt! Es sind wunderbare lichtvolle Situationen.

In jedem Leben gibt es Situationen, die schwer zu bewältigen sind, sei es eine Krise, sei es eine Krankheit oder ein Schicksalsschlag. Wie gut ist es, wenn es Menschen gibt, die Dir beistehen oder wenn Du das Gefühl hast, dass Dir irgendwie geholfen wird, sei es durch einen glücklichen Umstand, eine Fügung oder dass da jemand ist, der es gut mit Dir meint? Man könnte diese “Vibes” oder menschliche Situationen zusammenfassen mit “Angel in my Life.” Gibt es in Deinem Leben auch solche Situationen?»

(pd/rop)