Regine Weingart und Arnim Halter vom St. Galler Theater «parfin de siècle» sorgten einmal mehr für eine äusserst humorvolle Stunde im Ausstellungsraum der Kobesenmühlel. Der Jazzpianist Urs C. Eigenmann umrahmte die Texte mit passenden Melodien.Ruedi Wüthrich vom Stiftungsrat begrüsste die sehr zahlreichen Gäste. Er lud zum anschliessenden traditionellen Apéro ein und freute sich für das schmucke Kästchen beim Ausgang, das glücklich ist, wenn es mit viele kleinen «Nötlis» gefüttert wird.

Abschied nach 16 Jahren
Markus Lehmann – nach seinem schweren Unfall wieder genesen – verabschiedete Ruedi Wüthrich vom Stifungsrat, wo er während 16 Jahren intensiv mitgearbeitet hat. «Mer hät en för alles chöne bruche», meinte der Präsident. Er war sich für keine Arbeit zu gut, hat Stühle herumgefugt, Führungen gemacht, Sonntagsdienste übernommen und viel zur kulturellen Vielfalt in der Kobesen beigetragen. Wenn beide «Rekonvaleszenten» wieder total ok sind, wird die offizielle Verabschiedung nachgeholt. Grosse Applaus war ein Dank für sein geschätztes Engagement.

Wilhelm Busch und Loriot
Es ist unglaublich, was das Duo zusammengesucht hat, um den Gäste in der Kobesen mit ihrem neuen Programm «Gar lieblich dringen aus der Küche bis an das Herz die Wohlgerüche“ einen herrlichen Morgen zu schenken. Ausdrucksstark, pointiert, humorvoll, mit Geschick und Herzblut führten sie die Anwesenden ins Reich der Küchen.

Das Frühstücksei
Eröffnet haben die beiden mit Wilhelm Busch’s «Widmung in ein Kochbuch», das so beginnt: «Es wird behauptet und mit Grund, ein nützlich Werkzeug sei der Mund! Zum ersten läßt das Ding sich dehnen, wie Guttapercha, um zu gähnen. Ach, Grete, wenn du dieses mußt, tu es im Stillen und mit Lust» und so weiter. Herrlich präsentierten sie das bekannte «Frühstücksei» von Loriot, das einfach nie die richtige Konsistenz hatte.

Speis und Trank und Drumherum
Es war wohl eine Riesenarbeit, all die – den meisten Menschen unbekannten – Texte und Gedicht auszugraben und so faszinierend zu gestalten! Da kamen mehr oder weniger bekannte Autoren wie Heinz Erhart, Wilhelm Busch, Hans Fallada, Fred Kurer, Ernst Heinemann, Karl Valentin, Charles Baudelaire, Joachim Ringelnatz und andere zum Zug mit ihren rigiden, belustigenden, ulkigen oder komplizierten «Rezepten» für Festes und Flüssiges.

Suppenschüssel - nicht Blumentopf
Zum Beispiel das Lob der Suppe, Lust auf vegetarisch, öffnen einer Sardinenbüchse, die plastisch. Jean Paul meinte: „Der Wein wirkt stärkend auf den Geisteszustand den er vorfindet; der Wein macht die Dummen dümmer und die Klugen klüger“. Schmunzeln und Lachen erfüllte den herrlichen Raum in der alten Mühle. Dass nachher ein genussvoller Apéro-Spaziergang durch den wunderschön blühenden Naturgarten dazu gehörte, versteht sich von selbst.

Stimmige Umrahmung
Für einmal kam das Duo mit musikalischer Begleitung vom Jazzpianisten Urs C. Eigenmann. Er fand die passenden Melodien zu den gesprochenen Worten oder verstärkten sie facettenreich mit pointierten Zwischenspielen. Dafür erntete er kräftigen Applaus. Hier war ein Fachmann am Werk, zum ersten Mal in der Kobesenmühle, aber vermutlich nicht zum letzten Mal.