Im Juni entscheidet das St. Galler Volk über einen Kredit von 2,1 Mio. Franken zur Einrichtung einer Ärzteausbildung im Kanton St. Gallen. An der Information im Pfarreizentrum Wil vom Mittwoch wies Regierungsrat Stefan Kölliker insbesondere auf den Ärztemangel hin. Die St. Galler Ärzte würden in Zürich ausgebildet, heute mit Geldern aus St. Gallen und könnten anschliessend kaum für eine Rückkehr nach St. Gallen gewonnen werden. Die Vorteile eines St. Galler Modells mit „Joint Medical Master“ betonten auch Gesundheitsministerin Heidi Hanselmann, Dr. Kuno Schedler von der UNI St. Gallen und Dr. Werner Albrich vom Kantonsspital. Das Problem der Rekrutierung von Ärzten ist national Thema und wird vom Bund mit Stützungsbeiträgen angegangen. Der Bund hat die Beiträge im Zuge der Förderungsmassnahme von 7,2 auf 10,9 Mio. erhöht. Davon könnten beim Aufbau von "Medical Master" in St. Gallen 3,6 Mio. Franken erreicht werden. Die Vorlage für die Juni-Abstimmung sieht einen Kredit von 2,1 Mio. vor. Dieser Betrag wird durch die heutigen ausserkantonalen Beiträge beinahe ausgeglichen, wie Regierungsrat Stefan Kölliker informierte.

Die Ostschweiz, Brachland in Sachen Arzt-Ausbildung
Nach Regierungsrat Kölliker ist dringend Handlungsbedarf für die Rekrutierung von Hausärzten, da es kaum mehr junge Ärzte gebe, welche sich für eine Hausarztpraxis entscheiden. Die hohe Zahl an ausländischen Ärzten belege, dass vielfach nur noch dieser Weg offen geblieben sei.

In der Ostschweiz gibt es aktuell kein Angebot für medizinische Ausbildung. Die Studierenden hätten ihre Ausbildung im Ausland oder in anderen Kantonen absolviert. Mit „Medical Master“ wolle man Einfluss nehmen auf künftige Ausbildungs- und Arbeitsorte von Ärzten. Die demographische Entwicklung verlange auch eine Erhöhung der Ausbildungsplätze, auch eine Erkenntnis national.

Vorteil Zusammenarbeit mit Zürcher Fakultät
Gesundheitsministerin Heidi Hanselmann nannte die Zusammenarbeit mit der renommierten Fakultät Zürich als wichtige Ausgangslage beim Aufbau der St. Galler Ausbildungsstätte „Medical Master“. Erste Umfragen bei Studierenden habe ergeben, dass rund 90 Prozent das Angebot in St. Gallen schätzen würden. Als Kriterien wurden Nähe und der gute Ruf des Kantonsspitals genannt. Nach Hanselmann soll das Bildungsangebot dem Bedürfnis im Kanton angepasst werden, speziell in der Grundversorgung. Es gelte den eigenen Nachwuchs zu fördern, um die Grundversorgung in der Region zu halten.

Der gesellschaftliche Wandel zeige heute bei Ärzten ein anderes Berufsverständnis, nicht mehr immer über 24 Stunden verfügbar zu sein. Deshalb werde es in der Zukunft eine grössere Zahl Ärzte brauchen. Hinzu komme, dass der Zulauf von Ärzten aus dem Ausland sinke, da man auch dort Massnahmen zum Erhalt der Ärzte treffe. Dass Handeln angesagt sei, wird nach Hanselmann auch in der Tatsache belegt, dass 47 Prozent der selbständigen Ärzte über 55-jährig sind, beim Kantonsspital seien es gar 53 Prozent. Bei der Psychiatrie sei es mit 86 Prozent noch extremer.

Vorteile aus wirtschaftlicher Sicht
Nach Regierungsrat Kölliker gilt es allgemein in den Wirtschaftsstandort zu investieren. Einmal in Zürich ausgebildete Personen kehrten nur schwerlich wieder zurück. Die Regierung wolle ausserdem auf Februar 2019 eine IT-Bildungsoffensive starten, IT-Firmen benötigten Programmierer. Mit der Schaffung st. Gallischer Ausbildungsstätten im Bereich Medizin, könnten auch Firmen mit medizinischen Produkten für eine Ansiedlung gewonnen werden.

Die Vorlage für den Aufbau von "Medical Master" in St. Gallen erfordert total 6,8 Mio. Franken. Nach Abzug des Bundesbeitrages von 3,7 Mio. entscheide das St. Galler Volk über einen Kredit von 2,1 Mio. Franken. Der Lösungsansatz ermöglicht die Nutzung eingespielter Strukturen und man könne die UNI-St. Gallen ins Boot holen, betonte Kölliker. Der Kooperationspartner Zürich zeige sich mit seinen 3'000 Studierenden vielversprechend.

Der Forschungsbereich gewinnt
Nach Kuno Schedler, Prorektor an der UNI St. Gallen ist die Beteiligung am "Medical Master" keineswegs fremd. Als HSG seien sie bereits im Kontextwissen Medizin dabei in verschiedenen Bereichen. Sie leisteten Unterstützung für die Führung von Spitälern und Versorgungszentren. Sie könnten junge Studenten mit dem Thema konfrontieren, bekanntlich ein Auftrag der UNI St. Gallen.

Auch aus der Sicht des Kantonsspitals sieht Hanselmann Vorteile in der Grund- und Weiterbildung mit ihren 700 Lernenden aus 20 Berufen. Als Veranstalter von Tagungen und Symposien wirkten sie als Magnet für Ärzte. St.Gallen gelte bezüglich Forschung in Zusammenarbeit mit der EMPA als eigentliche Perle.

Nach Dr. Werner Albrich vom Kantonsspital hat die eigene Bildungsstätte bezüglich Forschung grossen Anteil im Einbringen von Wissen. Der Lösungsansatz ergebe eine wegweisende Ausbildung mit vielen Gewinnern. Nicht zuletzt geht es nach Albrich auch um die Sicherung der Hausarztfunktion am Spital. Kölliker und Hanselmann betonten abschliessend, dass es für Hausärzte mehr Kompetenzen brauche, um den selbständigen Beruf interessant zu halten. Aktuell sei es noch immer so, dass Spitalärzte wenig Neigung zeigten eine Privatpraxis zu eröffnen.

Optimale Ausgangslage für "Medical Master"
Stefan Kölliker informierte über die neuesten Zahlen von Studierenden, welche sich für eine St. Galler Studium interessierten. So hätten sich über 80 Studierende gemeldet, aufnehmen könnten sie pro Jahrgang aber nur 40 Personen. Der Vorteil: Sie werden einzige Medizinstudierende mit HSG-Abschluss sein. Daraus könne man Spitzenmedizin aus- und für die Ostschweiz ableiten.

Kostensparender Lösungsansatz
„Medical Master“ wird nach Hanselmann keineswegs zu höheren Gesundheitskosten führen. Kölliker wies dazu auf die aktuell hohen Beiträge für Studierende in Zürich hin, welche zukünftig in St. Gallen bleiben. Nach Hanselmann hat der Kanton St. Gallen schweizweit die tiefsten Gesundheitskosten, allerdings auch hoch. Mit der eigenen Ausbildungsstätte könnten die Kosten selber beeinflusst werden. Der wichtige Teil sei jedoch, die Grundversorgung auf längere Sicht zu sichern.