Mit nur 1000 Schilling (rund 60 Franken) in der Tasche und ohne Arbeit sowie Aufenthaltsbewilligung kam Dieter Budin 1966 mit seiner Frau und den beiden Töchtern aus Kärnten in die Schweiz, um hier mit Einsatz und Begeisterung etwas Sinnvolles zu erreichen. In seiner Heimat sah er keine Zukunft mehr, da Budin «weder eine braune Zunge noch das rote Buch besass», wie er sagt. Will heissen: Es war nicht seine Art, vor Vorgesetzten zu kuschen. Und mit den Sozialdemokraten – der SPÖ – hatte er nichts am Hut. Ja: Dieter Budin war schon immer ein Rebell. Aber es lief in Österreich beruflich nicht wie gewünscht.

Auch in der Schweiz gab es Probleme. Zwar konnte er in Heerbrugg für die Migros einen der ersten Do-It-Yourself-Läden des Landes führen, jedoch bekamen seine beiden Töchter keine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz und mussten zurück. Eineinhalb Jahre hat er sie nicht gesehen, weil das Geld nicht für eine Reise nach Österreich reichte. Manch ein Schriftwechsel mit Ämtern später hat es dann doch noch geklappt mit dem Familiennachzug.

Kochen für Asylsuchende

Die berufliche Reise führte Dieter Buhin in den Möbelhandel, wo er sich am Ende selbständig machte und mehrere Jahre mit Russland geschäftete. 150 Mal flog er zwischen Zürich und Moskau hin und her. Doch weil der Hauptauftraggeber Konkurs anmelden musste, fand nach fünfeinhalb Jahren auch dieses Kapitel ein jähes Ende. Seine Frau erlebte dies nicht mehr mit, da sie 52-jährig starb.

Auch von diesem Rückschlag liess sich Dieter Budin nicht unterkriegen, obschon er zwischenzeitlich arbeitslos war. Zum Ende seines beruflichen Lebens arbeitete er für die Wiler Parkhaus AG (Wipa). Und er setzte und setzt sich für Menschen ein, die Hilfe brauchen. So war er bis vor einem halben Jahr stellvertretender Leiter des Caritas-Marktes Wil. Und wenn nicht gerade Corona ist, dann kocht Dieter Budin jede Woche für die Wiler Asylsuchenden. Weil er selber auch einer war. «Gerade auch Tiefschläge haben mich stark gemacht. Wenn man ganz unten ist, dann kann es nur noch aufwärts gehen. Und es geht immer wieder aufwärts», sagt Dieter Budin.

Die Hälfte der Auflage ist verkauft

Heute ist Dieter Budin 76-jährig und wohnt seit acht Jahren in Wil. Sein bewegendes Leben hat er in den vergangenen 15 Monaten in einer 186 Seiten starken und reich bebilderten Biografie zusammengetragen. Entstanden ist das Werk «Mit wenig reich gelebt», welches er zusammen mit einem Ghostwriter entwickelt hat.

Am Sonntagnachmittag hat er seine Biografie in der Psychiatrischen Klinik in Wil präsentiert, und bereits 100 der 200 gedruckten Exemplare verkauft. Zur Vernissage sind zwar weniger Leute gekommen als angemeldet. Aber Rückschläge dieser Grössenordnung sind für Dieter Budin keine Rede wert. Zu sehr hat ihn das Leben geprägt – und stärker gemacht.