Keine „Ein-Mann-Show“
Die Feier wurde mit einer interessanten Geschichte begonnen. Ein Hochzeitspaar, mit wenig materiellen Gütern gesegnet, hatte in der Einladung zum Fest gleich auch um ein Mitbringsel gebeten, nämlich eine Flasche guten Weins. Vorgängig hatten die Verantwortlichen für die Feier ein paar Frauen und Männer aus dem Besucherkreis darum gebeten, solche Flaschen mitzubringen. Auf der Bühne stand ein riesiger Glaskrug. In den füllten nun die Angefragten ihren Wein. Erstaunlicherweise sah die Flüssigkeit immer gleich aus. Es stellte sich heraus, dass alle gedacht hatten, die Andern hätten bestimmt guten Wein mitgebracht, da spiele es keine Rolle, wenn sie selber nur Wasser zum Fest beisteuerten. Welche Peinlichkeit!

Hochzeit zu Kana (Johannes 2; 1-11)

https://www.youtube.com/watch?v=N4L16fjeOps

In der Bibel steht die Geschichte von der Hochzeit zu Kana, eine der bestimmt bekannteren Wundergeschichten in diesem Buch. Da half Jesus aus der Verlegenheit, keinen Wein mehr zu haben, indem er die Diener hiess, grosse Krüge mit Wasser zu füllen. Und als daraus eingeschenkt wurde, hatte sich das Wasser in einen herrlich mundenden Wein verwandelt.

Noch zeitgemässe Geschichte?
Ganz im Zeichen der Ökumene kamen Pfarrer René Schärer und Pastoralasstistent Toni Ziegler in ein Gespräch über diese Wundergeschichte. Gemeinderat Reto Almer spielte zu Beginn den „Advocatus Diaboli“ und setzte mit einem kritischen Votum ein erstes Zeichen. Kann denn so eine Geschichte von aufgeklärten Menschen von heute noch ernstgenommen werden? Es entspann sich ein Dialog darüber, was es für die Gemeinschaft bedeutet, wenn jedermann sagt: „Das geht mich nichts an.“ Steht nicht vielleicht das Wasser in dieser Geschichte für das Alltägliche, vielleicht gar Schwierige, während der Wein für das Besondere, das Glück, den Frieden steht? Wenn Menschen statt „Geht mich nichts an!“ sagen „Da mache ich mit!“, dann kann Verwandlung stattfinden. 

Tröstliche Schlussfolgerung
Wenn Menschen an ihrem Platz ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten, dann kann Grosses entstehen. Dazu braucht es nur „Wasser“, also das ganz Gewöhnliche, was jede Person zu leisten vermag. Es ist kein überirdischer Einsatz gefordert, es genügt, wenn alle das mitbringen, was ihnen möglich ist. Da liegen auch Streit und Scheitern drin, wenn darauf Versöhnung und erneutes Aufstehen folgen. Es braucht keine Heiligen.

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In den Fürbitten wurde für die grosse Welt, die dörfliche Gemeinschaft und jeden einzelnen Menschen um Frieden und Behütetheit gebeten. 

Moderne Lieder
„Eingeladen zum Fest des Glaubens“ hiess das erste Lied, mit modernem, passendem Text, allerdings ziemlich unbekannter Melodie. Doch dank der Musikgesellschaft ging zum Schluss mindestens der Refrain doch noch etwas ins Ohr.

https://www.youtube.com/watch?v=B6zdbeAl4rk

Dafür erklang „Unser Leben sei ein Fest“, auch dies rhythmisch und melodisch unterstützt von der Musikgesellschaft, volltönend.

https://www.youtube.com/watch?v=aQUVWhPEzOc&list=RDaQUVWhPEzOc&index=1

René Schäre seinerseits griff in die Saiten und sang gemeinsam mit der Konfirmandin Corina Forrer - Tochter von Mesmer-Ehepaar Michael und Rosmarie Forrer -, den mitreissenden Gospel „Oh, Happy Day“. Man hörte zwar das Herz der jungen Frau nicht klopfen, spürte aber doch eine gewisse Anspannung. Schliesslich ist es nicht unbedingt einfach, so fast allein auf der Bühne vor vielen Leuten zu stehen. Corina machte ihre Sache aber ganz ausgezeichnet. 

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Corina Forrer sang gemeinsam mit Pfarrer René Schärer eindrücklich "Oh Happy Day" und bekam dafür tosenden Applaus.

Zum Schluss sangen alle gemeinsam die Nationalhymne aus vollen Kehlen. 


Dank
Reto Almer bedankte sich bei allen Mitwirkenden. Jede solche Feier ist ein Gemeinschaftswerk. Ohne Menschen im Hintergrund können auch die im Vordergrund ihre Aufgabe nicht problemlos wahrnehmen. So hatten die Mitglieder der MGBO die Halle eingerichtet und am Ende der Feier alle Stühle wieder in ihr Depot zurückgebracht. Hauswart Edgar Fürer hatte für Licht und Ton gesorgt – gar nicht immer so einfach in der grossen (Turn-)Halle. 

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Gemeinderat Reto Almer begrüsste die ökumenische Gemeinde und bedankte sich am Schluss für alle Mitarbeit vor und hinter den Kulissen. 

Die Kollekte war für die beiden grossen Hilfswerke CARITAS und HEKS bestimmt. Damit werden Menschen in Notsituationen im In- und Ausland unterstützt. Und Not gibt es ja leider zur Genüge, wenn man etwas genauer hinschaut.

Apéro
Wieder hatte sich der Frauenverein als Gastgeber für den reichhaltigen Apéro zur Verfügung gestellt. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich immer wieder Freiwillige für diesen Dienst an der Allgemeinheit bereit erklären. Wie hatte es doch in der Dialogpredigt geheissen? Wenn Menschen tatkräftig für Andere einstehen, kann tatsächlich aus Wasser Wein werden. 

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Der Apéro verbindet die unterschiedlichsten Menschen und bringt sie miteinander ins Gespräch. 

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Kommentar
Etwas fehlte an dieser Bettags-Feier, allerdings nicht zum ersten Mal. Hatten früher immer verschiedene Schulklassen mit ihren Lehrpersonen und Katechetinnen jeweils das Festmotto gestalterisch umgesetzt und mit eigenen Gedanken versehen und damit die Feier mit Leben erfüllt, lässt dies der neue Lehrplan nach Aussage von Szenekennern kaum mehr zu.


Das ist natürlich äusserst schade, denn gerade so ein konfessionsübergreifender Gottesdienst wäre eine gute Gelegenheit, auch Kinder und Jugendliche zu beteiligen. So lässt sich bestimmt auch erklären, warum diesmal viel weniger Leute als in früheren Jahren in die MZA kamen. Vielleicht finden Schule und Kirche doch noch einen Weg, damit in Zukunft auch die Jugend wieder eingebunden werden kann.