Der Vorstand der Frauengemeinschaft Niederuzwil-Uzwil beantragt an der 84. HV vom 6. März, den Verein aufzulösen. Es konnten keine Frauen für den Vorstand gefunden werden.«Unser 1934 gegründete Verein war über viele Jahre sehr beliebt, äusserst aktiv und stellte einen tragenden Pfeiler des Pfarreilebens dar. Mit unzähligen Stunden an Freiwilligenarbeit war die Frauengemeinschaft eine wichtige Institution für die Menschen und insbesondere die Frauen in unserer Pfarrei.» So lautet die Einleitung des Antrags, die FG Niederuzwil-Uzwil per Ende 2018 aufzulösen, den alle Vereinsmitglieder schriftlich mit der Einladung zur HV erhalten haben. Zwei Drittel der anwesenden Mitglieder an der HV können den Verein mit ihrer Stimme auflösen.

Brachjahr für Neuorientierung
Die Christkönigskirche Niederuzwil wurde 1934 eingeweiht und gleichzeitig entstand der damalige Frauen- und Mütterverein. Nächste Woche könnte er Geschichte werden. Bereits an der HV 2017 zeichnete sich die Krise deutlich ab. Präsidentin Luciana Wetzel trat zurück – ohne Nachfolgerin – und Corinne Fedi und Eveline Grossenbacher als Vorstandsmitglieder. Die vier verbleibenden Frauen Daniela Graber, Angela Hugentobler, Pia Metzger und Heidi Raschle mussten dann ein Brachjahr mit reduziertem Angebot einschieben.

Eine erweiterte Projektgruppe hat im vergangenen Jahr diskutiert, was die FG noch sein kann und für wen, nachdem über 20 Frauen den Austritt gegeben hatten, Kurse abgesagt werden mussten, die Teilnahme allgemein stark rückläufig war, junge Frauen kein Interesse mehr an der FG zeigten und die intensive Suche nach Vorstandsfrauen erfolglos blieb.

Neue Ideen
Alle Aufrufe und die direkte Ansprache waren erfolglos. Nach der kommenden HV wird die FG Niederuzwil-Uzwil immer noch ohne Präsidentin und um ein weiteres Vorstandsmitglied geschrumpft dastehen. In einem Gespräch erzählen die beiden Vorstandsfrauen Daniela Graber, Heidi Raschle, Präses Daniela Gremminger und Christa Langenegger, um die Jahrtausendwende Präsidentin der FG, was sich verändert hat, wo die Schwierigkeiten sind und welche Chancen eine Krise in sich birgt.

Die Projektgruppe ist zum Schluss gekommen: Der Verein erfordert Arbeit und es ist der Vorstand, der diese leisten muss, entlastet werden kann er kaum. Entstanden sind hingegen zwei Ideen und eine davon ist bereits realisiert worden. Seit anfangs Februar gibt es jeden Dienstagnachmittag und Dienstagabend ein Spiel- und Plausch-Treff. Am 1. Juni sind Frauen zu einem Pilgertag eingeladen.

Die Konsequenzen der Veränderungen
«Ich bin seit acht Jahren im Vorstand der FG und seit zwei Jahren suchen wir neue Vorstandsfrauen. Vorher hatte ich erfahren, dass Positives zurückkommt, wenn wir uns engagieren, aber nun ist das Engagement zum Frust geworden», bekennt Daniela Graber. Angefragte hätten entweder keine Zeit, waren schon einmal im Vorstand oder trauen sich die Aufgabe nicht zu.

Die Gesellschaft hat sich verändert und damit auch das Familien- und Frauenbild. «Frauen stehen heute mehr unter Druck», beobachtet etwa Daniela Gremminger. Die konkrete Vernetzung nehme ab. So seien beispielsweise die Geburtenbesuche je länger je weniger erwünscht worden, berichtet Daniela Graber. Jahrzehntelang seien sie willkommen gewesen.

Schiff in sicheren Hafen führen
«Wir haben im vergangenen Jahr versucht, das Richtige zu machen; ob es nun so oder so kommt. Allerdings hoffe ich immer noch auf eine Wunder», zeigt sich Heidi Raschle zuversichtlich. Als Kassierin weiss sie, dass die Mitgliederzahl rückläufig ist. 2009, als die Christkönigspfarrei ihr 75-Jahr-Jubiläum gefeiert hatte, zählte die FG 420 Mitglieder, heute sind es noch 270. Der Vorstand hat sich in den letzten Wochen vom Katholischen Frauenbund St.Gallen-Appenzell (KFB SGA) coachen zu lassen, um rechtliche Fragen zu klären, sich statutengemäss zu verhalten und die alles entscheidende HV vorzubereiten.

Auf die Ankündigung, die Auflösung zu beantragen, seien wenige Reaktionen gekommen. «Die einen haben Verständnis gezeigt, andere finden es schade oder meinen, irgendwie werde es schon gehen», haben die Frauen am Tisch erfahren. «Ich will einfach nicht als Bruchpilotin dastehen», wehrt sich Daniela Graber. «Nein, ihr seid jene, die das Schiff in einen sicheren Hafen führen», beruhigt Daniela Gremminger. Alle sind sich einig, dass ein Verein ohne aktive Vereinsmitglieder nicht funktioniert und die Verantwortung bei allen liegt. «Die Saat, die wir gesät haben, ist einfach nicht aufgegangen», umschreibt es Heidi Raschle.

Vernetzung über Generationen
Die FG war jedoch rückblickend für mehrere Frauengenerationen eine wichtige Heimat, weiss Christa Langenegger. Sie war während einer Zeit der Hochblüte Präsidentin und berichtet von wertvollen Kontakten, die sie knüpfen konnte; Kontakte, die sie immer noch pflegt. Ihr Engagement im Vorstand und später als Regionalvertreterin des KFB SGA hat ihr Netz zusätzlich erweitert. «Wir hatten Frauenmorgen mit über 100 Teilnehmenden, das Kurswesen lief gut und wir boten auch beliebte Kinderanlässe an. An der HV spielten Frauen aus den eigenen Reihen Theater, das Pfarreizentrum platzte fast aus allen Nähten», erinnert sie sich.

Es mache sie traurig zu sehen, dass diese Vernetzungsmöglichkeit in Gefahr sei. «Gemeinsamkeiten verbinden. Über Jahrzehnte hat sich die FG mit dem vielfältigen Frauenleben beschäftigt. Es war ein Ort, wo wir unsere Interessen einbringen konnten und umsetzen. Allerdings gab es zu meiner Zeit noch nicht so viele Gruppierungen in der Pfarrei», stellt sie fest. Die Individualisierung mache es schwierig, sich zusammenzufinden, meinen die vier Frauen.

Funktionierendes bleibt
Sollte der Verein aufgelöst werden, würde trotzdem nicht alles verloren gehen, was aus der FG gewachsen ist. Einige Angebote laufen selbständig. So etwa die Seniorennachmittage, der «Chäferlihöck» für Familien mit kleinen Kindern, die Liturgiegruppe, das Walken für alle, der neue Spiel- und Plausch-Treff und die Besinnung in der Turmkapelle. Daniela Gremminger ist als Seelsorgerin die Ansprechperson für fast alle diese Gruppierungen. Sie betont, wie wichtig und wertvoll die Arbeit aller Frauen während 84 Jahren gewesen ist; zugunsten der Gemeinschaft und der Pfarrei.

«Es braucht weiterhin Freiwillige, die Aufgaben übernehmen, es kann gar nicht alles bezahlt werden, was zur Lebendigkeit der Pfarrei beiträgt. Wir haben Räume, Finanzen für gewisse Aufgaben und die Logistik kann genutzt werden. Diese Voraussetzungen sind vielleicht auch eine Chance, dass wieder neue Ideen entstehen und umgesetzt werden können», meint sie. «Die Hoffnung stirbt zuletzt», fügt Heidi Raschle zu.