Der geplante Wirtschaftsstandort Wil West ist für die Region von grosser Bedeutung. Anstelle von neuen Arbeitszonen an verschiedenen Standorten soll an geeigneter, regional abgestimmter Lage eingezont werden. Wil West liegt im Zentrum der beiden Achsen Zürich-St. Gallen und Toggenburg-Bodensee, direkt an der Autobahn und an wichtigen ÖV-Verbindungen. Hier sollen Flächen für lokale Unternehmen und die Neuansiedlung nationaler und internationaler Betriebe mit hoher Arbeitsplatzdichte bereitgestellt werden. Grünflächen und Parkanlagen sorgen für attraktive Aufenthalts- und Erholungsmöglichkeiten sowie den ökologischen Ausgleich. Zudem wird das Vorhaben eingebettet in übergeordnete Verkehrsmassnahmen, so dass die Situation sowohl für die Verkehrsteilnehmenden wie auch die Anstösser in der Agglomeration Wil verbessert werden kann.

«Mit Wil West werden eher verborgene Qualitäten unserer Region in kompakter Form für viele Menschen sichtbar», sagte Lucas Keel, Präsident der Regio Wil an der Medienkonferenz. «Dass die Gemeinden der Region Wil zugunsten von Wil West auf lokale Entwicklungspläne verzichten, ist ein starkes Zeichen.» Nadja Stricker, Gemeindepräsidentin von Münchwilen, und Kurt Baumann, Gemeindepräsident von Sirnach, unterstrichen diese Aussage. Wil West werte die umliegenden Gemeinden auf, da sie vom Verkehr entlastet würden. Ausserdem werde das Selbstbewusstsein der ganzen Region gestärkt.

Planungsrechtliche Grundlage für die Arealentwicklung ist eine kantonale Nutzungszone (KNZ). Über diesen kantonalen Erlass wird festgelegt, wie das rund 33 Hektaren grosse Areal genutzt, gestaltet, erschlossen und bebaut werden kann. Die Gemeindeversammlungen von Münchwilen und Sirnach hatten dieses Vorgehen 2016 beim Kanton beantragt. «Das vorliegende Planungsinstrument ist das grundeigentümerverbindliche Resultat eines umfassenden Planungsprozesses, der mit der Testplanung im Jahr 2010 begann. Verschiedene Teilprojekte wie beispielsweise die Verkehrsplanung oder das Richtprojekt für ortsbauliche Belange zeigen die Komplexität des Vorhabens auf«, betonte Andrea Näf, Chefin des Amts für Raumentwicklung, vor den Medien. David Gallati, Projektleiter KNZ im Amt für Raumentwicklung, ergänzte, dass die Planung weit mehr als ein Gewerbegebiet umfasse. Die sorgfältige Einpassung des Planungsgebiets vor den Toren der Stadt Wil sei ebenso berücksichtigt worden wie attraktive Freiflächen, ökologische Aufwertungen, die Energieeffizienz und das klimaangepasste Bauen.

Zur Ausgestaltung und zum Inhalt der kantonalen Nutzungszone können sich alle Interessierten vom 17. Juni bis zum 17. September 2021 im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens (öffentliche Bekanntmachung) äussern. Eingereicht werden kann die Stellungnahme online. Hier finden sich auch alle Unterlagen zur Bekanntmachung. 

KNZ als ein Teil des Gesamtvorhabens

Die Arealentwicklung ist ein Schlüsselelement des Gesamtvorhabens Wil West. Dieses besteht aus mehreren aufeinander abgestimmten Elementen, an denen sich der Bund u.a. über das Agglomerationsprogramm massgeblich finanziell beteiligt. Gemäss aktueller Planung erfolgt der Baustart für die neue Kantonsstrasse Dreibrunnenallee im Jahr 2026 und für den Autobahnkreisel (ASTRA) 2027. Weiter schafft der Kanton St. Gallen mit der Netzergänzung Nord eine wichtige Verkehrsverbindung am Stadtrand von Wil. Die neue Strasse soll den Verkehr künftig an Bronschhofen vorbei direkt auf die Autobahn führen. Für eine optimale Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr werden neue Buslinien eingerichtet und eine zusätzliche Haltestelle der Frauenfeld-Wil Bahn gebaut. Das Fuss- und Velowegnetz wird ergänzt bzw. besser verknüpft.

Erste Beschlüsse werden die Regierungen der Kantone St. Gallen und Thurgau ihren Parlamenten noch dieses Jahr vorlegen. Im Kanton St.Gallen hat der Kantonsrat über einen Sonderkredit für die Vorfinanzierung der Grundeigentümeraufgaben zu befinden. Der Kanton St. Gallen ist der grösste Grundeigentümer im Teilgebiet Münchwilen der KNZ. Im Kanton Thurgau entscheidet der Grosse Rat über den Netzbeschluss zur Dreibrunnenallee.