Als gelernter Elektromechaniker mit weiterführendem Studium zum Elektroingenieur FH scheint ihm das Hobby der Modellfliegerei geradezu in die Hände gelegt worden zu sein. Doch schon viel früher, mit zarten elf Jahren, hat ihn das Flair für Technik und Fliegerei gepackt. «Mit 11 Jahren habe ich mir den ersten Modellflieger zu Weihnachten gewünscht.

Es war ein Holzbausatz vom Typ Super Charter von Simprop. Der Bau dieses Modellflugzeugs dauerte mindestens ein Jahr, denn früher gab es noch keine fertigen Modellflugzeuge zu kaufen und man musste vieles selbst bauen und konstruieren.» Rückblickend kann sich Christian Bodmer noch genau an seinen ersten Flug erinnern. «Beim ersten Flug in Braunau, bei der Modellfluggruppe Fürstenland, stürzte das Flugzeug auf Grund eines durchgebrannten Servos ab. Der Flieger wurde jedoch nur leicht beschädigt. Ich liess mich nicht entmutigen und reparierte das Modell rasch wieder. Die weiteren Flüge erfolgten dann ohne weitere Probleme», sagt der 47-jährige Wilener.

Kann man zu viele Flugzeuge besitzen?

Christian Bodmer besitzt heute hauptsächlich Turbinenjets (BAE Hawk, F-16, L-39, MB339), Propellermaschinen und einige Segelflieger. «Mittlerweile habe ich fast zu viele. Etwa 30 Stück sind es bis heute. Gewisse Modelle sind halt im Laufe der Zeit dann im Estrich gelandet, da alle Kellerräume schon hoffnungslos überfüllt sind», sagt er augenzwinkernd und fügt an, dass anhand seines Hobbys doch manchmal auch seine Familie, Ehefrau und drei Kinder, zu kurz kommt. «Ich denke Modellbauer sollten schon technisch versiert sein. Das Fliegen selbst braucht eher Fingerspitzengefühl und eben sehr viel Training. «Technisch gesehen, sind die heutigen Fernbedienungen mit der Funkverbindung zum Modell mit der 2.4 Gigaherztechnik sehr sicher geworden. Beim Erstflug eines Modells muss man gewisse Überprüfungen am Modell gewissenhaft machen und der Schwerpunkt muss genau ausbalanciert sein. Es kann jedoch immer mal etwas ausfallen und so das Model zum Absturz bringen. In den meisten Fällen ist der Verlust eines Modells jedoch auf einen Pilotenfehler zurückzuführen», erklärt der Abteilungsleiter eines Test Engineerings und erklärt, dass Modellflieger schon mal den Kostenpunkt von 5000 Franken übersteigen können.

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Christian Bodmer mit einem Jet F-16.


120 Meter lange Start- und Landepiste

Der Hobbypilot frönt seiner Leidenschaft hauptsächlich in Niederstetten. «Unser Modellflugplatz liegt in Niederstetten, in der Thurebene. Er besitzt eine Graspiste von etwa 120 Metern Länge und etwa 20 Metern Breite. Für die Sicherheit unserer Piloten und Zuschauer dient ein etwa zwei Meter hohes Sicherheitsnetz, welches den Parkplatz von der Start-Landebahn trennt. Dank der langen Piste können auch grosse Motormodelle problemlos starten und landen. Gute Pisten sollten in Ost-West Richtung liegen, da der Wind meist auch aus diesen Richtungen weht. Ein Anflug ohne Hindernisse wie Strassen, oder hohe Bäume, ist von Vorteil und er sollte nicht in der Nähe von besiedelten Gebieten sein.» Doch die Schwierigkeiten werden unaufhaltsam grösser. «Die zunehmende Zersiedelung und das Wachstum der Städte und Dörfer macht es schwierig für bestehende Modellflugplätze.

Zudem ist das Aufkommen der Drohnen in den letzten Jahren eine noch grössere Herausforderung. Da die EU, Drohnen mit Modelflugzeugen gleichsetzt, gibt es für den Modellflug immer mehr Einschränkungen und neue Verbote», sagt Christian Bodmer.


Modellflugsportverein Wil

Christian Bodmer ist seit zwölf Jahren Mitglied im Modellflugsportverein, MFSV, Wil, welcher aktuell 66 Mitglieder zählt und seit sechs Jahren amtet er auch in dessen Vorstand. Der MFSV Wil feiert dieses Jahr sein 60 Jahre Jubiläum, dieses wird jedoch aus bekannten Gründen erst nächstes Jahr gefeiert. Im Verein sind auch zwei Juniorpiloten, dahingehend versucht man nun mit dem Schulprojekt «Experimentier Labor Uzwil» und dem Thema «Der Traum vom Fliegen». Das Experiment umfasst das Bauen und Experimentieren mit einfachen Fluggleitern und Gummimotormodellen aus einem Experimentierkasten. Dies findet in erster Linie im schulischen Rahmen statt, soll aber einen spannenden Abschluss mit einem Besuch im "fliegerischen Umfeld", auf dem Flugplatz Niederstetten, komplettiert werden. «Für uns bietet dies eine gute Gelegenheit zwei komplette Klassen von Fünftklässlern unser Hobby und unseren Verein etwas näher vorzustellen. Dazu gehört auch eine Portion Theorie zu den Themen, «Grundlagen des Fluges: Wieso fliegt ein Flugzeug? Prinzip des Auftriebes, Grundlagen der Flugphysik und der involvierten Kräfte». Der MFSV Wil pflegt Kontakte zu seinesgleichen. Das sind unter anderem Modellfluggruppen aus Eschlikon, Rosental, Amriswil, oder Bischofszell.