Rund 55 000 Kinder sind ab Montag im Kanton St.Gallen wieder auf dem Weg in den Kindergarten oder in die Schulen. Eltern, Lehrpersonen und Verkehrsinstruktoren der Kantonspolizei St.Gallen lehren den Kindern das korrekte Verhalten im Strassenverkehr. Trotz guter Vorbereitung sind sich die Kinder nicht allen Gefahren im Strassenverkehr bewusst. «Sie spielen auf dem Weg zum Kindergarten oder in die Schule, haben eine andere Wahrnehmung als Erwachsene und können sich unerwartet verhalten», informiert die Kantonspolizei St. Gallen in einer Medienmitteilung. Immerhin ist der Schulweg ein besonderes Erlebnis für die Kinder. Wenn sie herumtoben und miteinander spielen, dann sind die Gefahren entlang der Strasse schnell vergessen. 

Statistiken zeigen, dass jedes Jahr schweizweit 950 Kinder im Alter bis 14 Jahre verunfallen, die zu Fuss, mit dem Trottinett oder auf dem Velo im Strassenverkehr unterwegs sind. 40 Prozent dieser Unfälle passieren auf dem Schulweg. 750 Kinder kommen mit einer leichten Verletzung davon, 190 Kinder werden schwer verletzt. sieben Kinder verlieren ihr Leben. «In ¾ der Fälle kollidieren sie mit Personenwagen. Fast 60 Prozent verunfallen neben dem Fussgängerstreifen. In ¾ der Fälle verursachen sie den schweren Unfall neben dem Fussgängerstreifen selber», heisst es auf der Webseite der Präventionskampagne «Achtung Kinder überraschen» der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU). Damit setzt sich die Kampagne für einen sicheren Schul- und Kindergartenweg ein. «Deshalb ist es besonders notwendig, dass sich die Verkehrsteilnehmer vorbildlich verhalten und besonders achtsam sind», so die St. Galler Kapo. 

Dabei gibt die Kapo schweizweit folgende fünf Tipps an die Fahrzeuglenker:

- Rechnen Sie bei Kindern mit allem.

- Verlangsamen Sie Ihr Tempo.

- Seien Sie bremsbereit.

- Halten Sie am Fussgängerstreifen ganz an.

- Passen Sie rund um die Schulen doppelt auf. 

«Fahren Sie Ihr Kind nicht mit den Auto»

Bereits seit längerer Zeit macht die Kapo vor jedem Schulbeginn nach den Ferien auf ihren Ratgeber «Kindergartenkinder auf der Strasse» aufmerksam. «Wegen ihrer geringen Körpergrösse haben Kinder einen schlechteren Überblick über die Situation auf der Strasse», erklärt die Kapo in diesem Ratgeber, «Ihre Sicht wird nicht nur durch andere Objekte verdeckt, sondern sie werden von Verkehrsteilnehmer auch weniger gut gesehen.» Viele Gegenstände erscheinen für Kinder in anderen Dimensionen und Perspektiven. «Bis zum Alter von etwa zehn Jahren können Kinder aufgrund ihrer entwicklungsbedingten Fähigkeiten Geschwindigkeiten und Distanzen nicht richtig einschätzen», so die Kapo. Zudem können sie noch nicht mehrere Sachen gleichzeitig wahrnehmen. Auch die Zuordnung von Geräuschen klappe in diesem Alter noch nicht richtig: «Denn Kinder hören zwar gut, aber sie merken nicht, aus welcher Richtung die Geräusche kommen.» Gerade wegen des bereits erwähnten ausgeprägten Bewegungsbedürfnisses reagieren sie spontan. «Sie können noch nicht zwischen Wichtigem und Unwichtigem unterscheiden oder sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren», weiss die Kapo. Deshalb appelliert die Kapo an das vorbildlich Verhalten der Eltern – egal, ob zu Fuss, auf dem Velo oder am Steuer. Denn Kinder ahmen nach. Und noch etwas rät die Kapo den Müttern und Vätern: «Fahren Sie Ihr Kind nicht mit dem Auto zum Kindergarten oder zur Schule.»

Mit dem müssen sich Eltern auseinandersetzen

Viel mehr müssten Eltern folgende Punkte beachten: 

- Richtige Bekleidung: Wesentlich für eine uneingeschränkte Sicht ist die passende Kleidung. Darum ist bei Regenwetter ein Regenschutz mit zugebundener Kapuze, welche den Blickwinkel nicht einschränkt, zu empfehlen. Schirme sollten zu Hause bleiben. Helle Kleider, Leuchtwesten und reflektierende Streifen an den Jacken verbessern die Sichtbarkeit und somit die Sicherheit des Kindes.

- Den Schulweg zu Fuss zurücklegen: Weder Kickboard noch Rollerblades oder Fahrrad eignen sich als Schulweggefährt für Kindergärtner und Erstklässler. Das Kind sollte den Schulweg zu Fuss zurücklegen können und nicht gefahren werden. Es braucht den Schulweg als Lernfeld und um Kontakte mit seinen «Gspänli» zu pflegen. Dies ist wichtig für die soziale Entwicklung.

- Den Schulweg üben: Eltern sollen den besten Weg zum Kindergarten aussuchen und ihn mit dem Kind mehrmals in beide Richtungen abgehen. Der kürzeste Weg ist nicht immer der sicherste. Das Kind muss auf mögliche Gefahren und Schwierigkeiten – wie beispielsweise parkierte Autos oder Verzweigungen – aufmerksam gemacht werden. «Begleiten Sie Ihr Kind anfangs zum Kindergarten», so die Kapo. «Ab wann Sie es alleine auf den Weg schicken können, entscheiden Sie und Ihr Kind.» Am besten stehen Eltern hinter dem Kind, wenn es vor dem Randstein steht und schaut, ob es die Strasse überqueren kann. «Unterstützen Sie es beim Entscheid, die Strasse zu betreten», meint die Kapo. Und die Kinder sollten frühzeitig auf den Weg geschickt werden, damit es für diesen genügend Zeit hat. 

- Das Vorbild der Eltern zählt: Im Kindergartenalter lernen die Kinder vor allem durch Nachahmen. Deshalb ist das gelebte Vorbild am Wirksamsten. Die Eltern sind dabei die wichtigsten Vorbilder. «Halten auch Sie am Randstein an, um zu schauen», rät die Kapo. Dabei sollte die Strasse im Schritttempo überquert werden. (kapo/red)