Obwohl die Fachtagung BGM Ostschweiz in Reichweite der Wiler Unternehmungen stattfand, sah man kaum Teilnehmer aus der Region, was AGV-Präsident Markus Fust gegenüber Hallowil.ch bedauerte. Dafür zeigte sich Anette Nitsche von BGM Ostschweiz überglücklich mit Rutishauser den wohl passendsten Tagungsort gefunden zu haben für gesundheitsfördernde Arbeitsplätze.

Gesundheitsfördernder Gemeindepräsident
Gemeindepräsident Roland Hardegger machte in seinen Grussworten deutlich, wie er selber eine Vorbildfunktion einnimmt gegenüber den Mitarbeitenden der Verwaltung. Zu Fuss oder Velo zum Gemeindehaus, mindestens 10'000 Schritte pro Tag gehören bei Hardegger zum Tagesablauf. Auch sorgt er bei den Mitarbeitenden für ein gesundheitsförderndes Arbeitsumfeld, z.B. überall Stehpulte, Früchte für Zwischenmalzeiten und ein Würfel in jedem Büro zur Auflockerung.

Gesundheitsfördernd geht es auch bei Rutishauser zu, wie Urs Rutishauser stellvertretend für den ortsabwesenden Geschäftsführer Bruno Rutishauser in seiner Begrüssung betonte. Mit fünf Geschwistern in der bereits vierten Generation seien sie als Familienbetrieb ein nachhaltig wirkendes Unternehmen. Rutishauser produziere in vier Kantonen auf 15 Hektaren, davon 50 Prozent unter Glas. Mit den 60 Mitarbeitenden, grösstenteils Teilzeit, seien sie überaus gut aufgestellt. Im 2012 hätten sie auf 100 Jahre Bestehen zurückblicken können.

Beim nachfolgenden Rundgang durch die Gewächshäuser konnten sich die Teilnehmer einen Einblick verschaffen, wie Rutishauser dank bester Technologie im Umgang mit den Pflanzen hervorragende Resultate präsentieren kann. Urs Rutishauser betonte, dass es nicht allein aus Amsterdam Tulpen gebe, sondern auch aus Züberwangen.

Die Vorteile des Klein- und Mittelbetriebes
Mit Christoph Bertschinger, Inhaber des b-gesundheitsmanagement, erhielten die Anwesenden eine Reihe von treffenden Hinweisen, was den Unternehmenserfolg letztlich ausmacht. Bertschinger: „Es trifft sich gut in einer Gärtnerei zu tagen, wo es um hegen und pflegen geht, hier allerdings mit viel Technikeinsatz. Hegen und Pflegen sei zwar auch gegenüber Mitarbeitenden in Unternehmungen angesagt, nur lass sich das zum Unterschied nicht automatisieren. Es sei der direkte Kontakt zu den Mitarbeitenden, was den Dialog vereinfache, um die Ideen der Mitarbeiter abholen zu können.

Dass es sich lohnt, für die Mitarbeitenden gesunderhaltende Arbeitsplätze einzurichten, zeigte Bertschinger an Beispielen auf. Weniger Stress am Arbeitsplatz bezahle sich in weniger Absenzen und höherer Leistung mehrfach aus. Die Führungscrew bedürfe aber auch der Selbstführung im Abgrenzen und Gesundheit glaubwürdig vorleben. Bei der Festlegung von Zielen bedürfe es der Einschätzung, ob die Ressourcen für deren Erreichung ausreichen.

„Bin ich, was ich vorgebe?“
Bertschinger forderte nachdrücklich, selber klare Vorbildwirkung zu zeigen. „Was ich befehle, zuerst prüfen, ob ich selber das auch lebe“. Offene Beziehungen und moralische Werthaltungen seien die Grundlagen: „Ich bin, was ich vorgebe“. Die Führung müsse Einfluss nehmen auf das Arbeitsklima, um Hand in Hand mit den Mitarbeitenden erfolgreich zu werden. Es gelte Ressourcen und Belastungen auszubalancieren.

Ein Mitarbeitergespräch soll auch gesundheitsbezogen ablaufen, um Probleme und deren Ursache in Erfahrung zu bringen und Lösungen anbieten zu können. Es gehe auch darum, kollektive Überlastungen abbauen zu können. Für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess dürfe es nicht bei guten Worten bleiben, es müssten Taten folgen. Abschliessend wies Bertschinger auf die Zusammenhänge hin, wie die Wertschätzung des Mitarbeiters auch mit Belohnung für gute Leistungen zu tun hat. Soll das eingebrachte Herzblut nicht in Depression enden, dürfe der Zusammenhang mit der Entlöhnung und Grati nicht übersehen werden.

Ritishauser: „Für mehr Lebensfreude“
Zum Aspekt gesundheitsfördernder Arbeitsplatz stellte Urs Rutishauser das Unternehmenskonzept von Rutishauser vor. „Für mehr Lebensfreude“ sei der Kern der Unternehmung. Das gelte für die Familie wie die Mitarbeitenden. Sie hätten ein wachsames Auge auf die Nachfolge im Unternehmen, um den Familienbetrieb weiterführen zu können.

Der grosse Bergkristall als Symbol aufgestellt, gelte als Sinnbild für Bodenständigkeit bei der Unternehmensführung. Mit dem langsamen Wachsen lasse sich eher Langlebigkeit erreichen. Schnell agieren musste das Unternehmen nach dem Brandfall der Gewächshäuser im 2013 mit dem Totalausfall der Gewächshäuser. Zum einen galt es mit externen Lieferungen die Kunden zu befriedigen und andererseits die Gewächshäuser wieder aufzubauen. Vorteile hätten sich ergeben, mit besserer Technologie weiterarbeiten zu können. Es habe nie Zweifel gegeben, nicht weiter zu machen. Sie hätten auf flexible Mitarbeitende zählen können, um sie in der Wiederaufbauphase nicht entlassen zu müssen. An diesem Ereignis habe sich die Wertschätzung gegenseitig bestätigt.

Im abschliessenden Referat informierte Anette Nitsche von der Geschäftsstelle BGM Ostschweiz über die Angebote des Forum BGM Ostschweiz für kleine und mittlere Unternehmungen. Mit dem Austausch beim nachfolgenden Apéro schloss die Fachtagung.