Ein Mädchen im Schulalter streckt ein Stück Karton in die Luft. «Hopp Götti», steht mit roter Schrift auf dem selbst gemachten Schild. Neben ihr steht ihre kleine Schwester, die einen gelben Gehörschutz trägt. Denn seit einigen Minuten ist es auf dem Gelände eines Hangs in Zuckenriet extrem laut. Motoren dröhnen in einer extremen Lautstärke. Als die Motorradfahrer an den Zuschauern vorbeirasen, hüpfen die beiden Mädchen. Sie rufen sichtlich begeistert: «Hopp Götti». Einige Stückchen Erde spicken zu den Schaulustigen, die sich am Rand der Rennstrecke versammelt haben. Daneben steht eine Mutter, die ihren knapp einjährigen Sohn in den Armen hält. Auch der kleine Junge hat einen Gehörschutz an. Er klatscht in die Hände, als weitere Motorradfahrer bereits ihre dritte Rennrunde drehen. «Oooh», ruft er. Dabei formen sich seine Lippen ganz rund. Dann beginnt er zu quietschen. 

Bereits zum siebten Mal findet das Motocross-Rennen Zuckenriet statt, das vom gleichnamigen Verein jedes Jahr organisiert wird. «Wir sind ein bunt durchmischtes Team», sagt OK- und Vereinspräsident Werner Riedweg. Von Juristen, Dachdeckern über Unternehmern bis hin zu Elektrikern – im Verein Motocross Zuckenriet könnten alle mitmachen, die Spass an diesem schnellen und nicht ganz ungefährlichen Sport haben. «In unseren Adern fliesst Benzin», sagt Riedweg und lacht, «und wir werden von Adrenalin angetrieben». Seit seinem 17. Lebensjahr liebt der Vereinspräsident den Klang der Motoren. Dass der Anlass seit sieben Jahr durchgeführt werden kann, ist laut Riedweg nicht selbstverständlich. «Ich bin froh, dass beispielsweise die Gemeinden Niederbüren und Niederhelfenschwil hinter unserer Veranstaltung stehen.» Dabei betont er, wie grosszügig die sechs Landbesitzer, die ihren Boden für die Rennstrecke zur Verfügung stellen, sind. Und: Ohne die vielen freiwilligen Helfern mit ihrem unentgeltlichen Einsatz könnte das Rennen nicht auf die Beine gestellt werden. «Wir brauchen für den ganzen Aufbau der Anlage eine Woche.» Das sei aber noch nicht alles. «Den Landwirten müssen wir die grüne Landflächen nach dem Wochenende im alten Zustand zurückgeben.» Ausserdem sei der Verein nicht gewinnorientiert. Alles entstehe aus Leidenschaft zum Motocross. 

 
Viele Schaulustige – vor allem Familien – haben das spannende Motocross-Rennen in Zuckenriet verfolgt. (Video: Magdalena Ceak)

Für die Nachwuchsförderung

Ein Elternpaar steht neben ihrem Sohn und erklären ihm, was auf der Rennstrecke passiert. Und dass es wegen des Gas', den die Fahrer nach jeder Kurve geben, so laut ist. Hier ist die ganze Familie vom Motocross fasziniert. Während sich der Vater mit einem anderen Zuschauer über die Leistung der Fahrer unterhält, beobachtet die Mutter die Reaktion ihres Sohnes. «Wenn ich mal gross bin, dann werde ich auch Rennfahrer», sagt der vierjährige Junge, der nur zwischen den Spalten der Geländeabsperrung das Rennen verfolgen kann. Mit leuchtenden Augen schaut er jedem einzelnen Rennfahrer nach. 

«Ja, wir wollen, dass es ein Anlass für Familien ist», erzählt OK- und Vereinspräsident Riedweg. Er freue sich, dass von Kleinkindern mit ihren Eltern über Jugendliche, junge Erwachsene bis hin zu Senioren alle Altersgruppen – sowohl auf als auch neben der Rennstrecke vertreten sind. «Dadurch, dass wir verschiedene Renn-Kategorien haben, sind auch die Besucher durchmischt», erklärt er. So habe es unter anderem auch je eine Kategorie mit Teilnehmern unter zwölf Jahren oder auch mit Senioren. Weil dem Verein Motocross Zuckenriet die Nachwuchsförderung besonders am Herzen liegt, ist die Veranstaltung besonders bei den jungen Motocrosslern beliebt. «Wir bieten ihnen die Chance, auf einer schönen Strecke ihr Talent zu beweisen», ist Reitweg überzeugt. 

Bereits nach dem ersten Renntag zieht Riedweg eine positive Bilanz: «Wir haben ein Teilnehmerfeld von 350 Fahrern und über 2000 Besucher». So hätten sich die Arbeit und die Anstrengungen des Organisationsteams für den zweitägigen Anlass bereits gelohnt. Riedweg ist deshalb auch überzeugt, dass das Motocross-Rennen Zuckenriet auch in Zukunft über die Bühne gehen wird. 

Rennen entspricht dem Zeitgeist

Die letzten Fahrer der Kategorie Super Race bewegen sich nach dem 20-minütigen Rennen zum Ziel. Sie fahren langsam und vorsichtig zum Feld, wo die unzähligen Wohnwägen stehen. Viele von den Teilnehmern sind mit ihren Familien angereist und verbringen das ganze Wochenende in Zuckenriet. Jeder bringt sein Motorrad an seinem Parkplatz zum Stillstand. Während einige den Helmverschluss lockern und ausziehen, ziehen andere ihre Handschuhe aus und massieren ihre Handgelenke.

Sind Motocrossler wilde Raser, die rücksichtslos mit der Natur umgehen? Umweltschutz und Motocross – passt das überhaupt zusammen? «Uns ist bewusst, dass unser Motorsport in Hinblick auf den Umweltschutz nicht gerade das beste Image hat und von vielen Seiten verpönt wird», antwortet Riedweg. Der Verein Motocross Zuckenriet versucht zumindest, beides unter einen Hut zu bringen. Schliesslich wolle der Verein nicht als wilde Rowdys, die nur durch die Gegend rasen, abgestempelt werden. «Wir achten darauf, dass die Umweltschutzmassnahmen erfüllt werden.» Ausserdem handelt es sich beim Motocross-Rennen um eine einmalige Veranstaltung im Jahr. 

Nach Angaben von Riedweg ist jedes einzelne Rennen ein Highlight. «Weil eben für jede Altersgruppe etwas dabei ist», ist der Vereinspräsident überzeugt. Besonders sei heuer, dass nicht alle teilnehmenden Fahrzeuge von Benzin angetrieben werden. So findet dieses Jahr das erste Ostschweizer E-Bike-Rennen statt. Die Idee sei im Organisationskomitee spontan entstanden. «Wir sind nicht nur leidenschaftliche Motocrossler», erzählt Riedweg, «sondern auch viele E-Bike-Fahrer». Denn der Verein möchte mit dem Zeitgeist mitgehen.