Bereits im Herbst 2017 hat Münchwilens Gemeinderat öffentlich bekanntgegeben, das Wohnhaus an der Waldeggstrasse 4 verkaufen zu wollen. Aber auch die angrenzenden Liegenschaften mit den Hausnummern 5 und 7, die einer Asylunterkunft und dem Werkhof gehören, will der Gemeinderat verkaufen. «Denn alle drei Gebäude haben einen sehr hohen Sanierungsbedarf, der aus Sicht des Gemeinderats nicht zu rechtfertigen ist», betont Gemeindepräsident Guido Grütter mehrmals während der Pressekonferenz am Freitagvormittag. «Denn alle bisherigen Analysen zeigen, dass auch eine umfassende Sanierung den drei Immobilien keine Rendite, sondern Verluste bringt», weiss Grüter.

Deshalb gibt der Gemeinderat – knapp einen Monat vor der am 20. Oktober stattfindenden Urne – eine Abstimmungsbotschaft ab: «Aufgrund der Ausgangslage, der Gutachten, der Kosten und des Investorenwettbewerbs empfiehlt der gesamte Gemeinderat den Verkauf der drei Liegenschaften».

Die Immobilienstrategie

Doch wie ist es übehaupt dazugekommen, die drei sanierungsbedürftigen Gebäude verkaufen zu wollen? Die Gemeinde Münchwilen hat im Jahr 2012 ein externes Fachunternehmen damit beauftragt, alle Gemeinde-Immobilien auf ihren Zustand hin zu untersuchen. «Aus den Ergebnissen konnte die Gemeinde dann ableiten, wie mit den Immobilien weiter zu fahren und mit welchem finanziellen Aufwand zu rechnen ist», sagt Grütter. So wurden zwei Immobilienstrategien festgelegt: Nur betriebsnotwenige Immobilien im Eigentum behalten und diese energetisch sanieren. Oder: Nicht betriebsnotwendige Immobilien verkaufen und den Erlös in die Erneuerung der betriebsnotwendigen Immobilien reinvestrieren.

«Natürlich hätte man die drei Liegenschaften an der Waldeggstrasse einfach abreissen und dann noch mehr Grünfläche schaffen können», so Grütter. Aber Münchwilen habe mehr als genug grüne Erholungszonen. «Ausserdem ist Münchwilen kein Dorf, sondern ein urbaner und attraktiver Wohnraum», ist der Gemeindepräsident überzeugt. 

Verkauf an Investor aus Frauenfeld

Stimmt das Münchwiler Stimmvolk dem Verkauf der drei Liegenschaften zu, wird die HRS Investment AG als Investorin 3,4 Millionen Franken hinblättern und anschliessend das Wohnüberbauungsprojekt «Riverenza» realisieren. Mit einem sogenannten Investorenkonkurrenzverfahren hat die Gemeinde vergangenes Jahr einige potenzielle Investoren gefunden. Die Frauenfelder HRS Investment AG hat neben zehn weiteren Bewerbungen das Rennen am Schluss gemacht. «Vor allem weil sie mit den 3,4 Millionen Franken den höchsten Landkaufpreis geboten hatte», führt Gemeindepräsident weiter aus. Andere Bewerber hätten weitaus weniger geboten. Eine beträchtliche Summe, wenn man weiss, dass der Verkehrswert der drei Liegenschaften 1,81 Millionen Franken beträgt. Der bietende Kaufpreis wurde im ganzen Wettbewerb mit 50 Prozent am stärksten gewichtet – die orts- und städtebauliche Güte 30 Prozent und die Bevölkerungsbewertung mit 20 Prozent «So schnitt das Projekt ‘Riverenza’ am besten ab», lässt Gemeindepräsident Grütter noch einmal Revue passieren. «Riverenza» ist eine Wohnüberbauung mit drei fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern. Für eines der Gebäude ist im Erdgeschoss ein für Gewerbe und Gastronomie gedacht. Übrigens sollen hier ausschliesslich Eigentumswohnungen angeboten werden.

 Zuerst ist der neue Werkhof an der Reihe

«Ein allfälliger Bau des Siegerprojekts erfolgt erst, wenn ein neuer Werkhof an einem anderen Standort errichtet ist», informiert Gemeindepräsident über das weitere Vorgehen. Ursprünglich sei geplant gewesen, am 20. Oktober gleichzeitig über den Verkauf der drei Liegenschaften und Baukredit für den neuen Werkhof zustimmen. Denn zum geplanten Anbau an das Feuerwehrgebäude seien nun noch weitere Standort-Varianten dazugekommen. Eine zweite Variante wäre die Abwasserreinigungsanlage. Und die dritte Variante befinde sich auf einem Grundstück, das noch nicht eingezont ist. «Aber der Anbau beim Feuerwehrgebäude ist die beste Variante», erzählt Präsident Grüner offen.