Auch das sonst rege Vereinsleben der Kunst- und Museumsfreunde Wil und Umgebung kam während des Höhepunktes der Corona-Pandemie zum Erliegen. Umso grösser war die Erleichterung, dass Präsident Hans Vollmar den Mitgliedern auf der Herbst-Kulturfahrt ins Bündner Oberland zwei herausragende Bauwerke aus dem frühen Mittelalter präsentieren konnte.

Die Fahrt in einem Doppelstock-Car von Wick Reisen führte zuerst nach Rhäzüns. Diese kleine Gemeinde mit nur 1‘200 Einwohnern wird seit dem Bau der Autostrasse A13 links bzw. rechts liegen gelassen. Achtlos fahren die meisten Ferienreisenden Richtung Süden an einem Kleinod aus dem 10. Jahrhundert vorbei. Die auf einem bewaldeten Hügel ausserhalb des Dorfes erstellte Kirche Sogn Gieri (St. Georg) ist nördlich der Alpen ein seltenes Beispiel einer vollständig ausgemalten mittelalterlichen Saalkirche.

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Viel zu sehen gab es für die Teilnehmenden der Kulturfahrt in der Kirche Sogn Gieri in Rhäzüns. (pd)

Die Fresken mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament präsentieren sich zu über 90 Prozent im verblüffenden Originalzustand. Eines der auffälligsten Gemälde ist der Drachenkampf des heiligen Georg, der als Märtyrer für Tapferkeit und Nächstenliebe steht. Diese kleine Kirche mit ihren rustikalen Kniebänken ist ein herausragendes Bauwerk, das als Modell sogar im Freiluftmuseum Swissminiatur in Melide Aufnahme gefunden hat.

Barocke Kirche in neuem Glanz

Nach dem Mittagessen im historischen Hotel Alpsu in Disentis führte ein kurzer Spaziergang zur Benediktinerabtei, wo Pater Theo Theiler die 46 Teilnehmenden mit seinem Wissen und Schalk begeisterte. Die Geschichte der Abtei begann um das Jahr 700 mit dem Mord am Einheimischen Placidus, welcher den Wandermönch und Einsiedler Sigisbert unterstützt hatte. An die beiden Gründungsheiligen Placidus und Sigisbert wird jährlich im Juli mit einer Prozession erinnert.

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Pater Theo Theiler vermittelte den Vereinsmitgliedern viele interessante Informationen aus der Geschichte des Klosters Disentis. (pd)

Die barocke Klosteranlage mit dem Namen des Heiligen Martin präsentiert sich heute im baulichen Zustand des 17. Jahrhunderts. Die Kirche mit ihren zwei Türmen brannte 1799 und 1846 zweimal ab. Zu den herausragenden Elementen zählt ein Renaissance-Altar aus dem Jahr 1572, der als einer der schönsten der Schweiz gilt. Nach einer aufwändigen Renovation zwischen 2016 und 2019 zeigt sich die Kirche ihren Besuchern im neuen Glanz. Im Kloster Disentis, dessen Besitz einst bis an den Fuss des Furkapasses reichte, leben heute 19 Mönche nach den Regeln des Heiligen Benedikt. Dank des Gymnasiums ist das Kloster noch heute eine wichtige Bildungsstätte.

Mit dem Besuch des sehenswerten Klostermuseums und einem Rundgang durch das Klosterdorf endete eine Kulturfahrt, welche den Teilnehmenden sowohl alten als auch neuen Glanz vermittelt hat. (pd)